Statistisch gilt der Schwarzwald-Baar-Kreis weiterhin als sicherer Landkreis. Hinter verschlossenen Türen zeigt sich jedoch eine besorgniserregende Entwicklung.
Das Polizeipräsidium Konstanz hat die Kriminalstatistik für das Jahr 2025 veröffentlicht. Auf den ersten Blick zeigt sich eine positive Entwicklung: Die Zahl der Straftaten ist im gesamten Präsidium, zu dem die Landkreise Rottweil, Konstanz, Tuttlingen und Schwarzwald-Baar gehören, von 31 491 im Jahr 2024 auf 28 328 im Jahr 2025 gesunken. Zur besseren Transparenz der Statistik werden Straftaten im Zusammenhang mit dem Ausländerrecht, wie beispielsweise das Fehlen von Ausweispapieren, nicht berücksichtigt.
Dieser Trend spiegelt sich auch im Schwarzwald-Baar-Kreis wider: Die Zahl der Straftaten sank von 7543 Delikten im Jahr 2024 auf 7341 Delikte im Jahr 2025. Besonders erfreulich: Der Schwarzwald-Baar-Kreis ist der einzige Landkreis im Polizeipräsidium Konstanz mit steigender Aufklärungsquote. Diese stieg 2025 um 3,2 Prozent auf 66,5 Prozent. In den übrigen drei Landkreisen hingegen ging die Aufklärungsquote zurück.
Wie aus der Kriminalstatistik hervorgeht, gilt das Leben im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums statistisch weiterhin als sicher – und damit auch im Schwarzwald-Baar-Kreis. Doch ein genauer Blick in die Zahlen offenbart deutliche Problemfelder.
Wer begeht Straftaten?
Die Kriminalstatistik gibt auch darüber Auskunft, welche Menschen hinter den Straftaten stecken. Im gesamten Präsidiumsbereich wurden 2025 insgesamt 13 668 Tatverdächtige registriert. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen liegt bei 40,3 Prozent, das entspricht 5511Personen.
Zum Teil sind die Tatverdächtigen erstaunlich jung: 672 der Tatverdächtigen waren Kinder, 1231 Jugendliche,925 Heranwachsende. Den größten Anteil stellen jedoch Erwachsene mit 10 840 Personen.
So alarmierend die hohe Zahl junger Tatverdächtiger zunächst wirkt, zeigt der Trend in eine andere Richtung: Die Zahl der registrierten Tatverdächtigen unter 18 Jahren sank 2025 um 12,9 Prozent auf 1903. Damit liegt sie deutlich unter dem Fünf-Jahres-Mittelwert von 2037.
Straftaten gegen das Leben
Blickt man auf die einzelnen Straftaten fällt auf: Präsidiumsweit nahmen insbesondere die Straftaten gegen das Leben, zu denen auch Mord und Totschlag gehört, deutlich zu. Mit 28 Fällen liegt die Zahl über dem Fünf-Jahres-Mittelwert. Im Schwarzwald-Baar-Kreis blieb die Zahl mit fünf Fällen auf Vorjahresniveau.
Sexualdelikte
Immer häufiger passieren im Schwarzwald-Baar-Kreis Sexualdelikte. Die Zahl stieg von 263 Fällen im Jahr 2024 auf 316 im Jahr 2025 – und liegt damit weit über dem Zehn-Jahres-Mittelwert von 184 Delikten. Während die Zahlen in den Landkreisen Rottweil und Tuttlingen zurückgingen und sie im Landkreis Konstanz nur leicht anstiegen, wurden im gesamten Präsidiumsgebiet 2025 insgesamt 1071 Sexualdelikte registriert.
Darunter befanden sich 89 Vergewaltigungen, 126 sexuelle Belästigungen sowie 112 Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Die Verbreitung von pornografischen Inhalten bleibt laut Polizei mit einer Steigerung von 16 Prozent auf 600 Fälle jedoch weiterhin ein Brennpunkt der Kriminalitätsentwicklung. Alarmierend ist ein Blick auf die Tatverdächtigen: Von insgesamt 907 Tatverdächtigen waren 126 Kinder und 212 Jugendliche.
Häusliche Gewalt
Und auch die Opferzahlen häuslicher Gewalt sind im Schwarzwald-Baar-Kreis besorgniserregend: Während sie im gesamten Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidium Konstanz leicht zurückgingen – von 1046 im Jahr 2024 auf 981 im Jahr 2025 –, zeigt der Trend im Kreis deutlich nach oben. 308 Menschen wurden 2025 Opfer häuslicher Gewalt, 48 mehr als im Vorjahr (260). Das ist eine Steigerung von 18,5 Prozent. Die Zahl liegt deutlich über dem Fünf-Jahres-Mittelwert von 259. Im Landkreis Konstanz ist die Opferzahl hingegen deutlich gesunken. Eine valide Erklärung für diese regionalen Unterschiede hat die Polizei aktuell nicht. Die Opfer häuslicher Gewalt sind überwiegend weiblich.
Körperverletzung
Auch bei den Körperverletzungsdelikten sticht der Schwarzwald-Baar-Kreis heraus: Als einziger Landkreis im Präsidiumsgebiet verzeichnete er 2025 einen Anstieg. Insgesamt wurden 943 Fälle registriert – 31 mehr als im Vorjahr (912).
Messerangriffe
Leicht gestiegen ist auch die Zahl der Messerangriffe. Gerade Straftaten, in denen Messer zum Einsatz kommen, beeinflussen aus Sicht der Polizei das Sicherheitsgefühl in besonderem Maße. Bereits das Drohen mit einem Messer wird statistisch als Messerangriff erfasst. 2025 wurden im Landkreis 55 entsprechende Fälle registriert, nach 52 im Jahr 2024.
Gewalt gegen Polizeikräfte
Problematisch ist auch die Gewalt gegen Polizeikräfte. Lediglich im Landkreis Rottweil sind die Fallzahlen im Präsidiumsbereich rückläufig, im Schwarzwald-Baar-Kreis stieg die Zahl von 77 Vorfällen in 2024 auf 89 Vorfällen in 2025. Nach wie vor spiele vor allem Alkohol eine wesentliche Rolle bei Angriffen auf Polizeikräfte.
Drogendelikte
Deutlich rückläufig ist hingegen die Rauschgiftkriminalität. Im gesamten Präsidium nahmen die Vorfälle um 46,4 Prozent ab, 2025 wurden noch 819 Fälle registriert. Der Rückgang reiner Fallzahlen darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass im Vergleich der Stoffgruppen weiterhin eine hohe Anzahl von Fällen mit Kokain feststellbar ist. Die Polizei stellt einen Trend hin zu härteren und gefährlicheren Betäubungsmitteln fest, das zeige sich bei den registrierten Drogentoten. Im Schwarzwald-Baar-Kreis sind 2025 drei Menschen in Folge von Drogenkonsum gestorben (2024: vier).
Gute Nachrichten
Neben den problematischen Entwicklungen gibt es auch positive Signale: Die Zahl der Diebstahlsdelikte im Landkreis ging auf 2302 Fälle zurück (2024: 2456). Auch die Gewalt gegen Rettungskräfte nahm von neun auf drei Fälle ab.
Entgegen dem präsidiumsweiten Trend sank zudem die Zahl der Wohnungseinbruchsdiebstähle: 2025 wurden 65 Fälle registriert, während es 2024 noch 78 waren.