Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Schwarzwald-Baar-Kreis Hunderte Landwirte beim zehnten Agrartag

Von
Mit einer Traktorenparade und Plakaten empfangen die Landwirte Ministerpräsident Kretschmann auf seiner Anfahrt nach Donaueschingen. Foto: Sprich

Schwarzwald-Baar-Kreis - Zum zehnten gemeinsam vom Maschinenring Schwarzwald-Baar und dem Badischen-Landwirtschaftlichen Hauptverband BLHV, Bezirk Donaueschingen/Villingen organisierten Agrartag in Donaueschingen kamen hunderte Landwirte aus ganz Südbaden.

Höhepunkt war der Besuch von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Er stärkte den Bauern den Rücken und versprach, sich für mehr Fairness und Wertigkeit in der Landwirtschaft einzusetzen.

Empfangen wurde der baden-württembergische Landesvater bereits vor den Toren Donaueschingens mit einer Traktorparade. Rund 30 Landwirte hatten ihre Traktoren postiert und machten mit Spruchbändern auf ihre Situation aufmerksam. In seiner Rede in den Donauhallen später vor rund 600 Zuhörern, darunter Landrat Sven Hinterseh und die Landtagsabgeordneten Martina Braun (Grüne) und Karl Rombach (CDU) sowie Vertreter von Bauernverbänden, fand Kretschmann klare Worte.

Auf dem Land aufgewachsen und mit einer Bauerstochter verheiratet liege ihm die Landwirtschaft ganz besonders am Herzen und die Arbeit der Landwirte müsse ausreichend gewürdigt werden. "Ich kann Ihre Sorgen verstehen. Deshalb, und um Ihnen meine Wertschätzung entgegenzubringen, bin ich heute zu Ihnen gekommen. Denn an Wertschätzung mangelt es in der Gesellschaft", so Kretschmann.

Geiz sei nun mal nicht geil

Hier nahm der Ministerpräsident ausdrücklich die Verbraucher in die Pflicht. Jeder Einzelne trage mit seinem (Einkaufs)-Verhalten zur Landschaftsentwicklung bei. Dass die Bauern, die seit Jahrhunderten die Landschaft pflegen, für ihre wertvolle Arbeit nur einen müden Kostenausgleich erhalten, sei zu wenig. "Das müssen wir ändern. Lebensmittel sollen preiswert sein. Sie sollen ihren Preis wert sein. Nicht billig." Den Unterschied zwischen preiswert und billig sieht Kretschmann als Grundlage für eine große Debatte. Geiz sei nun mal nicht geil, sondern habe verheerende Folgen gerade in diesem Bereich. Es gelte, das Dreieck zwischen Erzeugern, Verbrauchern und Natur wieder in Balance zu bringen. Dafür werde er sich in Brüssel und Berlin einsetzen.

Kretschmann sprach in seiner gut 45-minütigen Rede auch Themen wie Artenschutz und Düngemittelverbot an. Man wolle den Artenschutz auch auf Städte und Siedlungen ausweiten und die Unsitte von Steingärten unterbinden. "Vögel ernähren sich nun mal von Insekten, nicht von Steinen." Es sei wichtig, dass die Landwirte sich aktiv am Landesprogramm zum Erhalt der biologischen Vielfalt beteiligen. Dazu gehöre der verantwortungsvolle Einsatz von Düngemitteln. "Nitrate und Pestizide haben im Grundwasser nichts verloren. Wir tragen alle gemeinsam eine große Verantwortung für sauberes Wasser."

Wenn einzelne schwarze Schafe einen ganzen Berufsstand in Verruf bringen, müsse man mit aller Entschiedenheit dagegen vorgehen. Seine Ausführungen quittierten die Zuhörer mit kräftigem Beifall. BLHV-Vizepräsident Bernhard Bolkart sprach unter anderem das Stichwort Überbürokratisierung und Ausweitung von Kontrollen bei gleichzeitiger Reduzierung von fachlicher Unterstützung an. Er kritisierte, dass dadurch ein Klima des Misstrauens gefördert werde und appellierte, den Landwirten künftig wieder mehr fachliche Beratung anzubieten.

Winfried Kretschmann sagte, dass er das Thema sehr ernst nehme. Allerdings müsse man auch die Ursachen für den bürokratischen Aufwand sehen. Erhöhtes Sicherheitsdenken, übersteigertes Gerechtigkeitsdenken und Gerichtsurteile führten dazu. Wenig Hoffnung machte der Ministerpräsident indessen auf den Wunsch der Bauern auf Abschaffung der Bruttoflächendiskussion. Dies lasse sich in dieser Förderperiode nicht mehr umsetzen.

Den Agrartag nutzten die Landwirte vor allem auch zum gegenseitigen Austausch und für Kunden- und Lieferantengespräche. Rund 40 Aussteller informierten auf der Messe die Fachbesucher über neueste Technologien, Maschinen und Geräte für den Acker und für den Stall. Melktechnik stand dabei ebenso im Mittelpunkt wie mögliche Maßnahmen zur Verbesserung der Energiebilanz.

"Hier trifft sich der Landwirt vor Ort mit dem Händler vor Ort", fasste Rainer Hall, Geschäftsführer vom Maschinenring Schwarzwald-Baar, zusammen. Er zieht eine durchweg positive Bilanz der eintägigen Fachveranstaltung. "Wir sind vollauf zufrieden, es sind wie erhofft viele Landwirte da. Es ist für uns wie ein Ritterschlag, dass die Veranstaltung so gut angenommen wird."

"Wir werden als Sündenbock dargestellt"

Mit der Rede des Ministerpräsidenten war Hall zufrieden. "Man hat gemerkt, dass er in der Materie drin ist und ihm die Landwirtschaft wirklich am Herzen liegt." Die große Herausforderung sieht BLHV-Bezirksgeschäftsführer Oliver Maier jetzt darin, dem Verbraucher zu verdeutlichen, dass Lebensmittel ihren Preis wert sein müssen. "Das wird eine Herkulesaufgabe des Gesellschaftsvertrags."

Der Agrartag sei für die Landwirte auch eine Gelegenheit, sich als Landwirte gegenseitig moralisch zu unterstützen. "Wir werden derzeit von der Gesellschaft als Sündenbock dargestellt und sollen an allem schuld sein", sagt Rainer Hall vom Maschinenring. Und fügt hinzu: "Auf dem Agrartag sehen die Bauern, dass sie mit der Situation nicht alleine sind."

Fotostrecke
Artikel bewerten
3
loading

Ihre Redaktion vor Ort Donaueschingen

Cornelia Spitz

Fax: 07721 9187-60

Flirts & Singles

 
 

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.