Über das Internet nahm der 46-Jährige Kontakt zu minderjährigen Mädchen auf. (Symbolfoto) Foto: dpa

46-Jähriger aus Bad Dürrheim hat übers Internet Kontakte zu Minderjährigen geknüpft. Zwölfjährige um Nacktfotos gebeten.

Niedereschach/Bad Dürrheim - Das Landgericht Konstanz hat einen 46-jährigen Mann aus Bad Dürrheim wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs und Verbreitung kinderpornografischen Materials zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Der Angeklagte gab sich in Schüler-Chatrooms als elf- bis 14-jähriger Junge aus Schwenningen aus und knüpfte ­zahlreiche Kontakte zu minder­jährigen Mädchen. Sein Profil stattete er mit dem Foto eines etwa 14-jährigen Schülers aus, der sehr sympathisch wirkte. Laut Staatsanwältin betrieb er auf diese Weise "Cyber­grooming" im großen Stil.

Im Herbst vorigen Jahres gelang es ihm, eine für ihr Alter geistig etwas hinterherhinkende Zwölfjährige zu einem Treffen bei Niedereschach zu überreden. Als diese sich plötzlich einem erwachsenen Mann gegenüber sah, ließ sie sich durch Schmeicheleien zum Bleiben überreden. Der Angeklagte erzählte ihr, er wolle sie unbedingt heiraten, sobald sie volljährig sei, und nötigte sie zu einem Zungenkuss.

Auch auf ein zweites Treffen ging die Schülerin ein. Unter Vorwänden betatschte er sie und wollte Sex mit ihr im Wald. Dazu kam es zum Glück nicht, und auch auf ein weiteres Treffen ging die Zwölfjährige nicht ein. Der Angeklagte forderte sie im Internet immer wieder auf, ihm Nacktfotos von sich zu schicken.

Kinderpornos und Erotikfilm geschickt

Er selbst sendete der Zwölfjährigen mittels elektronischer Post mehrere kinderpornografische Darstellungen sowie einen Erotikfilm. Dazu schrieb der Angeklagte weitere obszöne Texte und animierte sie, darauf einzugehen. Vor Gericht verharmloste er seine Taten und behauptete, es habe alles auf Initiative des Mädchens stattgefunden.

In der Vergangenheit ist der Mann bereits mehrfach wegen sexuellen Missbrauchs bestraft worden. Auch Gefängnisstrafen hat er bereits abgesessen. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hielt dem Angeklagten zugute, dass es in diesem Fall zu keinem körperlichen Schaden des Opfers gekommen sei. Ein Großteil der Straftaten überschreite die Erheblichkeitsschwelle aber trotzdem, weil er gegen das Recht des Kindes auf eine freie und selbstbestimmte Sexualität verstoßen habe. Auch habe er mit erheblicher krimineller Energie ein schwaches Opfer ausgesucht und dieses vor Gericht auch noch als Lügnerin hingestellt.

Bei seiner Urteilsfindung folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger des Angeklagten hatte hingegen auf eine Strafe unter zwei Jahren plädiert, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden sollte.