Mäzene und geladene Künstler sind gemeinsam stolz auf ihre Präsentation mit dem Titel "After Eight": Christian zu Fürstenberg (von links), Juan Antonio Olivares, Vanessa Safavi, Kasia Fudakowski, Jeannette zu Fürstenberg und Zin Taylor. Foto: Faigle

Erbprinzenpaar fördert junge, aufstrebende Künstler mit Ausstellung "Fürstenberg Zeitgenössisch". Mit Video

Schwarzwald-Baar-Kreis - Woher bezieht ein bildender Künstler seine Inspiration? Aus dem Kontrast. Zu dieser knappen und bestimmten Einschätzung kann kommen, wer mit Juan Antonio Olivares, Vanessa Safavi und Zin Taylor ins Gespräch findet. Diese drei Künstler kamen im vergangenen Sommer als achte Schaffensgruppe in den Genuss des Stipendiatenprogramms des Kunstprojekts "Fürstenberg Zeitgenössisch" auf Schloss Heiligenberg. Die Ausstellung ihrer Werke in den Fürstlich Fürstenbergischen Sammlungen in Donaueschingen wurde unter dem Titel "After Eight" am Dienstag eröffnet.

Apropos Kontrast: Der Puerto Ricaner Olivares lebt in New York, die Schweizerin Safavi in Berlin, der Kanadier Taylor in Paris. Im Vergleich zu diesen Millionenstädten ist Heiligenberg mit seinen 3000 Einwohnern eine Oase der Ruhe und Beschaulichkeit. Für die drei Künstler ging von diesem Ort allerdings eine starke Faszination aus.

Juan Antonio Olivares sagt, einen so klaren Nachthimmel wie den über dem Bodensee und dem Linzgau habe er noch nicht erlebt, und dass er Meteoriten, die leuchtend in die Erdatmosphäre eindringenden kosmischen Körper, mit eigenen Augen sehen konnte, war für ihn eine völlig unerwartete Anregung. Als Ausdruck dieses Erlebens sind mehrere Zeichnungen mit Silberstift auf schwarzem Papier entstanden, die das astronomische Phänomen der Schwarzen Löcher thematisieren.

Vanessa Safavi hat die "amazing atmosphere" von Schloss Heiligenberg, das sie in Staunen setzende Gepräge der Örtlichkeiten zu besonders konzentriertem Arbeiten genutzt. Sie hat hier in ihrer buchstäblichen Auszeit von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, ungestört einen fesselnden Film mit dem Titel "Velvet" zu schneiden. Er zeigt Ausschnitte aus der automatisierten Produktion von Latexhandschuhen in einer indischen Fabrik auf eine Art und Weise, die in einem mit der Ästhetik von Bewegungsabläufen wie mit dem emotionalen Unbehagen daran spielt.

Zin Taylor hat es insbesondere eine natürliche Höhle mit Blick auf Schloss Heiligenberg angetan, die sogenannte Freundschaftshöhle. Zuletzt lebte dort bis 1785 ein Tagelöhner, der bei den Fürsten zu Fürstenberg in Diensten stand. Das Gestein, seine natürliche Umgebung und die Ausblicke von dort boten Taylor reichlich Anlass zum Nachdenken – nicht zuletzt über Formen des Denkens selbst. Er hat dabei ein zeichnerisches Dossier von etwa 50 Blatt entwickelt und als Quintessenz daraus in den F.F. Sammlungen eine sich über drei Wände erstreckende Flächenzeichnung geschaffen. Dieses Werk fällt jedem, der die Ausstellungsräume betritt, sofort ins Auge. Ihre deutsche Bezeichnung: "Gedanken eines Punktes, wie er über eine Fläche schweift (Freundschaftshöhle)".

Das Erbprinzenpaar Christian und Jeannette zu Fürstenberg konnte bei der Vernissage um die hundert Kunstfreunde begrüßen. Einen ihrer Leitsätze formulierten sie so: "Wir sammeln nicht nur Kunst, sondern auch Freunde." Damit ist gemeint, dass sie mit Leidenschaft Kunstobjekte erwerben und zugleich die Begegnung und den lebendigen Gedankenaustausch mit Künstlern suchen.

Dass Künstler Wirkung entfalten können, dabei aber nicht unbedingt auf Anhieb zu verstehen sind, zeigte sich bei einer abschließenden Performance von Kasia Fudakowski mit dem widersprüchlichen Titel "This is not a performance." Diese Aktion mit unterschwelligem Humor und der philosophischen Ernsthaftigkeit lässt einen in einem Raum zwischen ausgestrahlter Anziehungskraft und empfundener Ratlosigkeit. Die Gäste haben viel Gesprächsstoff.

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