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Viele Mediziner aus dem Kreis sind gelistet. Wo geforscht wird, fließt mehr Geld.

Schwarzwald-Baar-Kreis - Welche Mediziner im Landkreis erhalten wofür Finanzspritzen aus der Pharmaindustrie? Neben dem Schwarzwald-Baar-Klinikum sind auch niedergelassene Ärzte im Schwarzwald-Baar-Kreis in einer entsprechenden Datenbank gelistet, die nun für Furore sorgt.

Das Magazin Spiegel online und die Recherche-Plattform Correktiv haben gestern Listen veröffentlicht, aus denen hervorgeht, welche Zahlungen aus der Pharma-Industrie an Ärzte gegangen sind. Wohlgemerkt: Die Liste ist unvollständig und nur jene Mediziner, die auch mit einer Veröffentlichung einverstanden waren, sind darin zu finden. Die "Dunkelziffer" dürfte also auch im Schwarzwald-Baar-Kreis deutlich höher sein. Oder anders herum gedacht: Wer nicht drin steht, könnte entweder kein Geld angenommen haben oder aber er will seinen Namen nicht veröffentlicht sehen.

Dennoch: Tausende Nutzer tippten gestern Städtenamen und Postleitzahlen ins Suchfeld ein. Stand dort "Villingen-Schwenningen", sprang dem Nutzer das Schwarzwald-Baar-Klinikum förmlich ins Auge: "Das Klinikum und die genannten Ärzte haben zur Wahrung der Transparenz einer Offenlegung der Zahlungen zugestimmt", erläutert Kliniksprecherin Sandra Adams.

Laut Spiegel online sollen 48 667 Euro von Pharma-Firmen ins Klinikum geflossen sein – und blickt man auf die weiteren gelisteten Mediziner unter der gleichen Adresse, Klinikstraße 11 oder der alten Villinger Adresse (Vöhrenbacher Straße), waren es sogar noch einige tausend Euro mehr – summa summarum über 93 784 Euro. Inklusive der Außenstelle in Donaueschingen sind es sogar 118 192 Euro.

"Ich weiß, was wir für Verträge haben", sagt Geschäftsführer Matthias Geiser gelassen und erläutert, wofür beispielsweise Geld von der Pharmaindustrie ans Klinikum fließe: etwa für Sponsoring, "wenn wir Kongresse oder Fachtagungen haben", was bei einem Kreiskrankenhaus dieser Größe naturgemäß oft der Fall sei. Da viele der Ärzte am Kreisklinikum in die Forschung und Lehre eingebunden sind, finden auch viele Anwendungsbeobachtungen statt. Erläuterungen, die deutlich machen, warum das Kreisklinikum ebenso sechsstellige Summen kassierte wie Universitätskliniken in Tübingen oder Freiburg – letztere liegen dabei sogar noch deutlich höher, während die Kliniken in Rottweil oder Tuttlingen laut dieser Liste wesentlich weniger bekamen.

Eine Zusammenarbeit mit Firmen der Pharmaindustrie sei üblich, im Bereich der Forschung sogar unerlässlich, teilt das Klinikum zusammenfassend mit.

Im Jahr 2015 hat auch das Hospiz Via Luce 400 Euro von einem Pharmaunternehmen erhalten und rangiert damit weit unten in der Liste. Mechtild Wohnhaas-Ziegler, Pflegedienstleitung in der Einrichtung, erläutert, dass es sich bei dem Geld um eine Spende für den Palliativfachtag handelte, den das Hospiz einmal im Jahr durchführt. Dabei gehe es um eine Fortbildung für Palliativfachkräfte, das Geld sei unter anderem für die Bezahlung der Referenten verwendet worden. "Der Tag kommt allen zugute, und wir sind dankbar für die Unterstützung", sagt Wohnhaas-Ziegler.

Die Zuwendungen ans Hospiz seien immer zweckgebundene Spenden. "Wir kriegen nicht einfach Geld für irgendetwas", sagt Wohnhaas-Ziegler. "Wir haben nichts zu verbergen."

837,05 Euro – diese Summe hat der Schwenninger Allgemeinmediziner Winfried Kadow überwiesen bekommen. "Ich habe kein Problem damit, das diese Zahlen transparent gemacht werden", so Kadow. Es sind Reisekosten für Fortbildungen, die er auch für die Ärztenetz-VS GmbH, unternommen habe. Kadow war als Ortsvorsitzender aktiv.

Aus St. Georgen sind keine Ärzte gelistet. In Königsfeld dagegen finden sich vier Ärzte, die Reisekosten zwischen 82 und rund 533 Euro von vier verschiedenen Pharma-Unternehmen erstattet bekamen. Diese Unternehmen forschen in biopharmazeutischen, -therapeutischen und -technologischen Bereichen. Die Unternehmen mit Standorten in Süddeutschland und der Nordschweiz konzentrieren sich insbesondere auf Erkrankungen wie Krebs und Erkrankungen am Herz-Kreislaufsystem. Ebenfalls im Fokus stehen Entzündungskrankheiten und Erkrankungen des zentralen Nervensystems.

Aus der Raumschaft Triberg ist nur ein in der Wasserfallstadt tätiger Arzt gelistet, der eine Tagesgebühr und Reisekosten über insgesamt 741 Euro von einem Pharma-Unternehmen bekommen hat. Es ist ein Biotechnologie- und Pharmaunternehmen mit Sitz in Basel, das sich auf drei Geschäftsfelder konzentriert: innovative verschreibungspflichtige Pharmazeutika, Augenheilkunde (Ophthalmologie) und Generika.

Mit rund 5900 Euro steht auch der Pneumologe Hinrich-Cordt Bremer aus Bad Dürrheim in der Liste. Für Vortragshonorare und Fahrtkosten zu Kongressen, wo er Vorträge hielt, habe er das Geld erhalten – das sei eine gängige Praxis, bei eigentlich allen Medizinern, die er kenne, so Bremer. 

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