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Schwarzwald-Baar-Kreis Die Ruhe vor dem zweiten Corona-Sturm?

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Zahlreiche Bürger des Schwarzwald-Baar-Kreises wurden bereits auf das Coronavirus getestet. Foto: Berg

Schwarzwald-Baar-Kreis - Die Zahlen sind weitgehend stabil, viele atmen auf. Doch bewältigt ist die Corona-Krise noch nicht. Die erste Welle scheint im Griff zu sein. Nun wappnet man sich im Gesundheitsamt des Schwarzwald-Baar-Kreises für eine mögliche zweite.

Bereits ab 1. Februar bereitete sich das Gesundheitsamt auf das Thema "Coronavirus" vor. Nachdem am 27. Januar die erste am Coronavirus infizierte Person in Deutschland registriert wurde, bildete das Gesundheitsamt ein Corona-Team und startete eine wöchentliche Berichterstattung. Gesundheitsamtsleiter Jochen Früh erklärt, wie sich das Coronavirus im Landkreis ausbreitete, und welche Maßnahmen zur Eindämmung eingeleitet wurden. Für ihn ist aktuell wichtig, dass die Maßnahmen, wie zum Beispiel die infizierten Personen und Kontaktpersonen abzusondern, weitreichend zu testen und die Abstandsregeln einzuhalten, weitergeführt werden. "Wir müssen die aktuelle ›Ruhephase‹ zwischen der abgelaufenen und einer eventuellen zweiten Welle nutzen, um Ressourcen auszubauen, Prozesse zu vereinfachen und das Gesundheitswesen nachhaltig für solche Gesundheitsverfahren zu digitalisieren und zu vernetzen."

Rückblick

Die erste registrierte SARS-CoV2-Infektion trat am 4. März an einer Furtwanger Schule auf. Diese wurde sofort geschlossen, Kontaktpersonen des infizierten Lehrers, der außerhalb des Landkreises wohnte, wurden nachverfolgt. Am 7. März wurde erstmals ein Bürger des Landkreises aus St. Georgen infiziert. Die Fallzahlen stiegen. Eine erste Besprechung fand im Landratsamt am 12. März statt, um zu klären, welche Verwaltungsmaßnahmen in die Wege geleitet werden müssen – Landrat Sven Hinterseh rief den Verwaltungsstab offiziell am 17. März ein. Ab dann wurden regelmäßig Telefonkonferenzen mit dem Verwaltungsstab, Bürgermeistern, Ärzten, Rehakliniken, dem Klinikum und der Presse geführt.

Der Lockdown

Die Corona-Verordnung trat am 16. März in Kraft. Universitäten, Schulen, Kindergärten wurden geschlossen, Veranstaltungen und Versammlungen untersagt, Kultureinrichtungen, Sportstätten und Geschäfte (ausgenommen beispielsweise Lebensmittelgeschäfte) und Gaststätten geschlossen. Auf dem Messegelände in Schwenningen wurde am 21. März die zentrale Abstrichstelle aufgebaut, die durch die Kassenärztliche Vereinigung betrieben wurde. Zwei erste Todesfälle im Schwarzwald-Baar-Kreis wurden am 27. März gemeldet. Die Fieberambulanz ging am 20. März in der Tennishalle in Schwenningen in Betrieb – die Einrichtung am Messegelände wurde eingestellt.

Drastischer Weg

Am 1. April verhängte die Stadt Blumberg in enger Abstimmung mit dem Landratsamt eine Ausgangssperre für Riedböhringen bis zum 15. April, da binnen einer Woche acht Fälle aufgetreten waren. Von 29 Fällen in Blumberg traten 22 Fälle im Stadtteil Riedböhringen auf.

Die Strategie

"Uns war und ist es weiterhin wichtig, dass wir schnell, frühzeitig und umfassend Maßnahmen ergreifen", betont Gesundheitsamtsleiter Jochen Früh. Deshalb wurden positiv bestätigte Covid-19-Erkrankte und deren Kontaktpersonen abgesondert. Dabei waren die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes an sieben Tagen die Woche bis spätabends im Einsatz. Als weitere Maßnahmen wurde am 28. Februar eine Hotline für Bürger eingerichtet, mit Pressemitteilungen und -konferenzen sowie über die Internetseite informiert. Wichtig war zudem, frühzeitig und flächendeckend zu testen. Positive Befunde wurden gemeldet, das Gesundheitsamt nahm direkt Kontakt mit der erkrankten Person auf. "In den meisten Fällen können wir die Personen telefonisch erreichen. Wenn das nicht möglich ist, fährt unser Mitarbeiter den Befund mit der Quarantäneverfügung persönlich an die ermittelte Anschrift, mit dem Hinweis, dass die Person mit dem Gesundheitsamt Kontakt aufnehmen muss", erläutert Früh. "Über das positive Testergebnis informieren wir auch über die normalen Bürozeiten hinaus direkt mit der betroffenen Person und deren Umfeld – noch am selben Tag, an dem der Befund eingeht." Im Gespräch wird die Dauer der Quarantäne festgelegt. Bei den Kontaktpersonen dauert diese 14 Tage ab dem letzten Kontakt zum Infizierten. Für Personen, die in systemrelevanten, medizinischen Bereichen tätig sind, liegt die Verantwortung bei den Direktionen. Neben dem telefonischen Kontakt mit der erkrankten Person werden der Befund und das offizielle Schreiben für die Isolation an den Erkrankten per Post gesandt. Ebenso versendet das Gesundheitsamt am selben oder am Folgetag das Schreiben an Kontaktpersonen, die isoliert werden müssen.

Kontrolle in Quarantäne

Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes kontrollieren durch regelmäßige Anrufe, ob die Isolation eingehalten werden. Ist sie aufgehoben, gilt der Erkrankte als genesen.

Kontaktpersonen-Radar

Auch das Erfassen der Kontaktpersonen ist ein Kraftakt. Das Ermittlerteam befasst sich damit, dass die Kontaktpersonen schnell erfasst und unverzüglich unter Quarantäne gestellt werden. Ein weiteres Team erstellt die Liste der Kontaktpersonen. Sind diese gefährdet, wird nach sofortiger mündlicher Anordnung eine 14-tägige Quarantäne verhängt, die schriftliche Verfügung folgt.

Mit Stand zum 26. Mai ermittelte das Gesundheitsamt im Kreis 6584 Kontaktpersonen. "Das erfüllt die vorgegebene Richtzahl pro Fall", hält Jochen Früh fest. "Der Aufwand, die Kontaktpersonen zu ermitteln, abzusondern und zu überwachen ist sehr hoch. Wir gehen davon aus, dass ungefähr drei von zehn der Erkrankten zuvor selbst bereits formell als Kontaktpersonen unter Beobachtung standen. Die Erfahrung zeigt, dass das zügige telefonische Absondern sinnvoll und effektiv ist."

Noch lange nicht vorbei

Um bei einer eventuell zweiten Welle vorbereitet zu sein, stellt sich das Gesundheitsamt bei der Kontaktpersonenermittlung personell noch breiter auf. Ab Juni werden sukzessive Mitarbeiter aus anderen Bereichen der Kreisverwaltung eingearbeitet.

Hotline: Der Draht glüht

Zudem hat das Gesundheitsamt seit 26. Februar eine Bürgerhotline eingerichtet, die täglich besetzt ist (ab 1. Juli nur von Montag bis Freitag). Auf zwölf Telefonleitungen werden Bürger zur Corona-Pandemie informiert, zum Beispiel zu Gesundheitsfragen, Reisen und Risikogebieten oder zur Corona-Verordnung. Innerhalb von drei Monaten waren über 15 000 Anrufe zu verzeichnen. "An einzelnen Tagen wurden bis zu 800 telefonische Anfragen beantwortet, im Durchschnitt wurden zwischen 400 und 500 Anrufe entgegengenommen", so Früh. Die Fieberambulanz auf dem Messegelände wurde als zentrale Abstrichstelle eingerichtet. Hausarztpraxen und die Notaufnahme des Kreisklinikums sollten damit entlastet werden. An einzelnen Tagen wurden in der Fieberambulanz bis zu 100 Abstriche pro Tag durchgeführt. Im Durchschnitt wurden täglich mehr als 50 Abstriche abgenommen.

18 Altenheime im Visier

Das Gesundheitsamt hat den Alten- und Pflegeeinrichtungen im Landkreis bereits Anfang März eine hohe Priorität eingeräumt. Für das Ausbruchsmanagement wurde ein Arzt bereitgestellt. Er berät zu Hygienekonzepten, sucht die Pflegeeinrichtungen auf und führt bei Bedarf Abstriche durch. Aufgrund des geringen Bedarfs wurde dieses Angebot der Kassenärztlichen Vereinigung zwischenzeitlich eingestellt. Mit Stand zum 2. Juni wurden 18 der insgesamt 33 Einrichtungen vollständig abgestrichen. Bei Einbruch der Erkrankung in solchen Einrichtungen ist zu befürchten, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigt.

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