Von einem sicheren Landkreis spricht der Polizeipräsident Jürgen von Massenbach-Bardt. Gleichzeitig warnt er vor Kokain und zunehmendem KI-Betrug.
Weniger Straftaten, eine höhere Aufklärungsquote und ein aus „statistischer Sicht“ sicherer Landkreis – das verkündete Polizeipräsident Jürgen von Massenbach-Bardt in einem Pressegespräch zur polizeilichen Kriminalstatistik für den Schwarzwald-Baar-Kreis. Doch der Blick ins Detail offenbart, dass in der hiesigen Region die Zahl der Gewalttaten gestiegen ist und auch die Drogenkriminalität mit all ihren schlimmen Facetten hier zu finden ist.
Die nackten Zahlen zeigen zunächst eine positive Entwicklung: 7341 Delikte sind 2025 erfasst worden, das ist ein Rückgang von 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Häufigkeitszahl liegt weit unter dem Landesschnitt, gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote im Landkreis von 63,3 Prozent auf 66,5 Prozent.
Harte Drogen sind präsent
In mehreren Bereichen verzeichnet das für den Schwarzwald-Baar-Kreis zuständige Polizeipräsidium Konstanz sinkende Fallzahlen. Beispielsweise bei Fahrraddiebstählen (176 Fälle, 15,4 Prozent weniger als 2024, aber nach Konstanz mit rund 360.000 Euro Schaden im Präsidiumsbereich am zweitstärksten betroffen), Wohnungseinbruchsdiebstählen (65 Taten, 16,7 Prozent weniger als 2024) oder der Rauschgiftkriminalität (205 Fälle, ein Rückgang von 33,7 Prozent).
Aber: Von Massenbach-Bardt macht klar, dass die harten Drogen im Landkreis weiterhin präsent sind, der Mischkonsum sorge für eine große Gefahr. Daraus resultieren insgesamt drei Drogentote (präsidiumsweit zwölf Tote). „Kokain ist auf dem Markt sehr präsent“, so der Polizeipräsident. Gleichzeitig sorge das Konsumcannabisgesetz nicht für die erhoffte Erleichterung. Die mit den Ermittlungen verbundene Arbeit sei trotz der Legalisierung genauso hoch wie davor.
Zweifacher Mord im familiären Bereich
Einen besonderen Blick habe man bei der Polizei auf die gestiegenen Gewalttaten im Schwarzwald-Baar-Kreis, betont von Massenbach-Bardt. Fünf Straftaten gegen das Leben gab es im Landkreis (alle in VS), in drei Fällen blieb es beim Versuch – der erweiterte Suizid einer Mutter, die in Villingen ihre Kinder tötete, fließt als zweifacher Mord in die Statistik ein. Die Zahlen befinden sich hier auf Vorjahresniveau.
Steigerungen gab es bei Körperverletzungen (943 Fälle und damit 3,4 Prozent mehr als im Vorjahr), Gewalt gegen Polizeibeamte (89 Fälle, 15,6 Prozent mehr als 2024), Messerangriffen (55 an der Zahl mit sechs Schwerverletzten, Steigerung um 5,8 Prozent) sowie häuslicher Gewalt (308 Fälle, 18,5 Prozent mehr).
Vergewaltigungen im sozialen Umfeld
Der Polizeipräsident möchte die Zahlen keinesfalls kleinreden. Trotz der Steigerungen sehe man jedoch noch keine klare Tendenz in diesen Bereichen. „Sollten die Körperverletzungen weiter steigen, müssen wir versuchen, mit Präsenz entgegenzuwirken“, erklärt er. Er macht in dem Zusammenhang jedoch auch auf die gestiegene Aggressivität, psychische Ausnahmezustände und Alkohol als Begleiterscheinung aufmerksam. Diese Aspekte würden auch bei der Gewalt gegen Einsatzkräfte immer häufiger eine Rolle spielen.
Die Statistik weist auch Steigerungen bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung aus. 316 Fälle sind registriert worden, 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Aber: Beim Großteil der Taten handelt es sich demnach um die Verbreitung pornografischer Schriften. Von den 27 Vergewaltigungen habe es zudem bei 24 eine „räumliche oder soziale Vorbeziehung zum Täter“ gegeben.
Schockanrufe mit KI-Stimmen
„Das macht die Straftaten keinesfalls besser, aber es ist nicht so, dass man ständig und überall Angst haben muss, angegriffen und vergewaltigt zu werden“, ordnet von Massenbach-Bardt die Zahlen ein. Aufgrund der Sensibilisierung und der Arbeit von Hilfsorganisationen sehe man hier zudem, dass sich die bislang große Dunkelziffer verkleinere. Das gelte auch für die Gewalt unter Partnern.
Sorge bereiteten der Polizei der Anlagebetrug im Internet (fast 16 Millionen Euro Schaden im Präsidium) und insbesondere die Schockanrufe (3,7 Millionen Euro Schaden im Präsidium) – Letzteres mit Blick auf die Entwicklungen durch künstliche Intelligenz. Der Polizeipräsident sieht die Gefahr von Stimmen oder gar Avataren Angehöriger, die künstlich erzeugt wurden und dazu dienen können, dass Betrüger die Opfer um ihr Erspartes bringen. „KI wird uns das Leben schwer machen, die Kriminellen sind da skrupellos!“
Hoffen auf weiteres Personal
Landrat Sven Hinterseh zeigt sich überzeugt: Im Landkreis lasse es sich gut leben, aber natürlich sei man hier nicht „in einer heilen Welt – wir dürfen uns da nicht von der schönen Landschaft blenden lassen“. Auch in der Region finde sich das Abbild der Gesellschaft. Umso wichtiger sei für ihn, dass an der Struktur der Reviere und Polizeiposten festgehalten werde.
Von Massenbach-Bardt machte in diesem Zusammenhang kein Hehl daraus, dass es personell bei der „Soll-Stärke“ noch Nachholbedarf gebe. Hier hoffe man weiter auf die Einstellungsoffensive, die im Koalitionsvertrag des Landes verankert sei. Vorgesehen seien hier zudem administrative Kräfte, sodass sich Beamte wieder vorrangig um ihre ureigenen Aufgaben kümmern könnten – um dann auch auf der Straße noch mehr Präsenz zeigen zu können.