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Schwarzwald-Baar-Kreis Anzahl der Notfallpatienten steigt

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Bernhard Kumle leitet die zentrale Notaufnahme im Schwarzwald-Baar-Klinikum. Foto: Schück

Schwarzwald-Baar-Kreis - Wer Schnupfen, Husten oder Durchfall hat, sollte den Hausarzt aufsuchen und nicht die zentrale Notaufnahme des Klinikums. Diese ist nämlich vor allem für echte Notfallpatienten geschaffen worden, deren "Leib und Leben" bedroht ist. Aber momentan ist das dort nur bei 30 Prozent der Patienten gegeben. "Es kommt eine Vielzahl von Patienten mit unterschiedlich schweren Erkrankungen, die alle die bestmögliche Behandlung erwarten", sagte Klinik-Geschäftsführer Rolf Schmid.

Nach dem Umzug ins neue Klinikum stieg die Anzahl der Notfallpatienten um 30 Prozent. 45 Prozent werden stationär aufgenommen. Täglich kommen zwischen 90 und 150 Patienten in die Notaufnahme, nach aktuellem Stand sind es 39.000 Patienten pro Jahr. "Viele kommen im rot-weißen Auto", erklärte Schmid. Sie benötigen durchaus nicht alle den Krankentransport. Bernhard Kumle, Leiter der Notaufnahme, bestätigt einen Bericht des Schwarzwälder Boten, wonach 50 Prozent aller Einsätze unnötig sind.

Er berichtete als Beispiel von einem Ehepaar, das im Wartezimmer der Notaufnahme sah, dass die Patienten, die im Krankenwagen kamen, scheinbar schneller behandelt wurden. Das Paar kehrte nach Hause zurück und rief ebenfalls den Notarztwagen. Doch wer mit dem Rettungswagen ins Klinikum fährt, kommt durchaus nicht automatisch als Erster dran. Der Patient wird erst einmal eingehend geprüft und dann in eine bestimmte Kategorie mit bestimmter Wartezeit einsortiert. Dann kann er durchaus schon mal bis zu fünf Stunden in der Notaufaufnahme sitzen, bis die Ärzte dort sich seiner annehmen. Wenn plötzlich dringende Notfälle kommen, wartet er noch länger.

Als lebensbedrohliche Notfälle gelten schwerste Verletzungen, Herzinfarkt und Schlaganfall. Auf Patientenmonitoren werden Symptome und Wartezeiten visualisiert, allerdings nicht sichtbar für die Betroffenen im Wartezimmer. Der Grund: Die Wartezeiten verändern sich je nach echten Notfällen, die eingeliefert werden.

Die Notaufnahme mit ihrem Dienst rund um die Uhr gilt für die Bevölkerung offenbar vermehrt als Alternative zum Haus- oder Facharzt. Neben der sinkenden Zahl an Hausärzten und langen Wartezeiten bei Fachärzten vermutet das Klinikum als Hintergrund unter anderem die Schließung des Krankenhauses in Schramberg.

"Wir haben keinen ambulanten Versorgungsauftrag", stellt Margitta Geiger, Ärztliche Referentin am Klinikum, klar. Die Patienten werden zwar behandelt, aber finanziell ist es ein Verlustgeschäft und im Gesundheitssystem eigentlich nicht erwünscht. Der Patient mit Husten, der von sämtlichen modernen Apparaten durchgecheckt wird, kostet durchschnittlich ungefähr 120 Euro, aber nur 36 Euro werden erstattet.

Schmid bilanziert ein Defizit von 1,8 Millionen Euro. "Wir denken daran, den Krankenkassen mitzuteilen, wenn Rettungswagen missbräuchlich gerufen werden", deutet Kumle an. Dann müssten die Patienten den Einsatz des Krankenwagens selbst zahlen, der 500 bis 600 Euro kostet. Bei Beschwerden sollte zunächst der Hausarzt konsultiert werden. Bei akuten lebensbedrohlichen Situationen sollte die Nummer des Rettungsdienstes 112 angerufen werden. Dieser entscheidet, ob nur ein Rettungswagen oder auch der Notarzt kommen. Wenn eine dringende ambulante Behandlung benötigt wird, sollte der kassenärztliche Notdienst angerufen werden.­

Ulrich Fink, Ärztlicher Direktor des Klinikums, berichtet, dass in allen deutschen Kliniken zwei Drittel der Notfallaufnahme-Patienten keine echten Notfälle seien. Deswegen diskutiere die Bundesregierung eine mögliche Gesetzesänderung.

Im Gespräch sei, dass die Kliniken möglicherweise die ambulante Behandlung durchführen dürften, wenn der Patient beim Hausarzt oder Facharzt länger als vier Wochen auf einen Termin warten müssen.

In einem Gespräch mit niedergelassenen Ärzten der Region wurde die Variante, am Klinikum eine hausärztliche Praxis einzurichten, besprochen. Doch darüber wären nicht alle Ärzte glücklich.

Als Bereicherung empfinden die Verantwortlichen im Klinikum die Notfallpraxis am Wochenende, die dann von Freitagabend bis Sonntag in räumlicher Nähe der Notaufnahme im Klinikum geöffnet ist. 60 bis 100 Patienten kommen pro Wochenende , berichtet Margitta Geiger "Unsere Patientenzahlen gehen dann zurück", hat Bernhard Kumle beobachtet.

Ab Juli öffnet eine kinderärztliche Notfallpraxis, eine HNO-Notfallpraxis soll ebenfalls im Juli folgen. Zusammen mit den Hausärzten und Fachärzten sollen Plakate und Flyer demnächst die Bevölkerung über die Notfallpraxis informieren. 

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