Immer mehr wird spürbar, dass Sven Hinterseh im Landratsamt nun einen eigenen Stil pflegt. Foto: Schück

Vom Kreis begeistert. Neues Klinikum 2013 ein Jahrhundertereignis. ÖPNV kann noch verbessert werden.

Schwarzwald-Baar-Kreis - Ein halbes Jahr ist Sven Hinterseh schon Chef der Kreisverwaltung. Der 40-jährige gebürtige Freiburger fühlt sich im Schwarzwald-Baar-Kreis wohl und zieht eine sehr positive Bilanz seiner Amtszeit

Wie fühlen Sie sich nach einem halben Jahr als Landrat? Bereuen Sie es, aus Stuttgart in den Schwarzwald-Baar-Kreis gezogen zu sein?

Nein, nicht im Geringsten! Ich fühle mich sehr wohl hier und meiner Familie gefällt es im Schwarzwald-Baar-Kreis auch außerordentlich gut. Unsere Kinder wurden in Schulen und Kindergärten herzlich aufgenommen.

An welches Erlebnis als Landrat erinnern Sie sich besonders gern?

Natürlich an meine Amtseinführung mit Wolfgang Berweck. Aber auch an die offizielle Amtseinführung durch die Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer. Mit Freude erinnere ich mich aber auch an meine Antrittsbesuche bei den Städten und Gemeinden im Kreis.

Momentan wohnen Sie noch in einer Hausmeisterwohnung der Hotelfachschule in Vilingen. Wann beziehen Sie Ihr Haus in Pfaffenweiler?

Ende Januar ziehen wir ein.

Und wie ist die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Landratsamtes?

Der Wechsel hat hervorragend geklappt, die 930 Mitarbeiter sind sehr positiv damit umgegangen und mittlerweile hat sich auch alles gut eingespielt.

Welchen Rahmen wollen Sie dem Jubiläum des Kreises im nächsten Jahr geben?

Wir wollen natürlich Maß und Mitte bei den Feierlichkeiten wahren. Wenn man 40 wird, kommt man bekanntlich ins Schwabenalter. Ein Festakt am 3. Mai und ein Tag der offenen Tür am 16. Juni sind vorgesehen. Erwin Teufel wird unser Festredner sein.

Erwin Teufel hat sich als Abgeordneter für den Schwarzwald-Baar-Kreis eingesetzt. Hat der Schwarzwald-Baar-Kreis jetzt noch Fürsprecher in Stuttgart?

Ja, das haben wir mit Karl Rombach und dem Landtagspräsidenten Guido Wolf, aber auch mit Leopold Grimm. Insgesamt sind in den letzten Jahren beispielsweise die Hochschulen im Kreis gestärkt und ausgebaut worden – ganz aktuell wird dies mit der Polizeihochschule der Fall sein. Und natürlich werden wir unsere Stimme immer dann erheben, wenn es um die Weiterentwicklung des Schwarzwald-Baar-Kreises geht. Eine gute Infrastruktur ist dabei besonders wichtig. Denken Sie etwa an den Ausbau der B523 oder die B27.

In diesen Tagen hat sich herausgestellt, dass das Land ein Großgefängnis im Schwarzwald-Baar-Kreis einrichten möchte. Was sagen Sie dazu?Ist das nicht schädlich für den Tourismus und das Image des Kreises?

Ich weiß davon bislang nur aus der Presse. Nach meinem Kenntnisstand prüft das Land derzeit verschiedene Standorte mit unterschiedlicher Priorisierung. Mehr kann ich derzeit dazu nicht sagen.

Was wollen Sie unternehmen, um den Landkreis bekannter zu machen?

Ich habe den Eindruck, dass manche meinen, dass der Schwarzwald-Baar-Kreis nicht wahrgenommen wird. Dem widerspreche ich. Ich weiß, dass viele sehr respektvoll auf unseren Landkreis und die Leistungskraft unserer Städte und Gemeinden blicken. Der Kreis vereint die Baar und den Schwarzwald als Tourismus- und Industriestandort.

Wodurch hebt sich der Schwarzwald-Baar-Kreis unter den Landkreisen hervor?

Der Schwarzwald-Baar-Kreis hebt sich gerade dadurch hervor, dass er eine sehr schöne Tourismusregion mit einer relativ hohen Industriedichte vereint und dadurch insgesamt leistungsstark ist.

Wie bewerten Sie die Eröffnung des neuen Schwarzwald-Baar-Klinikums im nächsten Jahr?

Ich möchte das sprachlich zwar nicht überhöhen, aber trotzdem glaube ich, dass man sagen kann, die Eröffnung unseres großen Klinikums im Zentralbereich wird für uns ein Jahrhundertereignis sein. Das können sie etwa an den Gesamtinvestitionen von über 263 Millionen Euro ablesen – alleine für den Neubau des Klinikums – hinzu kommen weitere Investitionen auch von Dritten. Das ist für uns von der kommunalen Seite schon ein enormes Volumen. Über 100 Millionen Euro gibt das Land dazu.

Ist der Kreis also ein Gesundheitslandkreis?

Der Gesundheitsbereich ist die beschäftigungsintensivste Branche im Kreis. Ich denke schon, dass die zukunftsfähige Struktur, die wir im Schwarzwald-Baar-Kreis haben und die sich auch im Neubau des Klinikums abbildet, in die Fläche ausstrahlen wird.

Wie wird der Klinkneubau sich auf den ÖPNV und die Verkehrsinfrastruktur auswirken?

Vor wenigen Tagen hat die Stadt gemeinsam mit uns die neue Klinikstraße eröffnet. Das neue Klinikum wird sich als zentraler Anfahrpunkt natürlich auf den ÖPNV auswirken. Die Busfahrpläne werden entsprechend angepasst.

Der ÖPNV ist bisher vor allem auf Schülerverkehr ausgerichtet. Wäre angesichts der demografischen Entwicklung nicht auch eine Ausrichtung auf die ältere Generation wichtig, vor allem dort, wo es keine Ringzuganbindung gibt?

Kein System ist so gut, dass es nicht noch verbessert werden kann. Richtig ist, dass wir immer auch nach der Finanzierbarkeit schauen müssen und letztlich wird der ÖPNV nach dem Bedarf ausgerichtet. Die Schülerbeförderung ist eine Aufgabe des Kreises. Neue Schularten erfordern auch neue Wege und Routen im Schülerverkehr, denken sie beispielsweise an die Gemeinschaftsschule. Aber natürlich müssen wir auch an die Bedürfnisse unserer älteren Mitbürger denken. Im Rahmen unserer Demographiestrategie werden wir auch dieser Frage - wie kann man diesem Bedarf gerecht werden - nachgehen.

Wie verbringen Sie Ihren Urlaub zwischen den Jahren?

Wir werden uns zum Beispiel den Triberger Weihnachtszauber anschauen und ein Konzert in Schönwald besuchen. Wir freuen uns schon. Am 5. Januar bin ich eingeladen, ein Grußwort beim Neujahrsempfang in Blumberg zu sprechen.