Die zentrale Aufnahme im Schwarzwald-Baar-Klinikum ist umstritten. Patientin klagt: „Umständlich!“ Mutter lobt: „Endlich kein Stau!“ Was stimmt? So läuft jetzt das neue System.
„Warum einfach, wenn es auch umständlich geht?“, diese Frage wirft eine Leserin auf, nachdem sie als Patientin am Schwarzwald-Baar-Klinikum zum ersten Mal die Zentrale Aufnahme nutzen musste.
Genervt schilderte sie das Prozedere, das sie als umständlich und wenig patientenfreundlich empfindet – angefangen beim Nummern-Ziehen am Empfangs-Terminal über die individuelle Aufnahme an den Anmeldeplätzen – „Wie in einer Legehennen-Batterie liegen jede Menge ‚Glaskäfige‘ nebeneinander, jeweils mit einer freundlichen Mitarbeiterin hinter ihrem Computer“ – bis hin zur Ankunft in der eigentlichen Fachabteilung. Ihr Fazit: „Völlig unnötig, Sand im Betriebe des Krankenhausablaufs.“
Ganz anders schätzt die Mutter einer Zehnjährigen die Lage ein: „Endlich mal kein Stau am Tresen in der Fachabteilung.“ In der Vergangenheit hätten sich dort, etwa in der Kinderklinik, oft Schlangen aus genervten Patienten gebildet, die das während seiner Arbeit mit gequältem Lächeln vorbei eilende Personal mit deutlicher Missgunst behandelt hätten. Das Verständnis, dass die Pfleger nicht gleich jeden Wartenden „bedient“ hätten, habe längst nicht jeder gehabt.
Doch welche Sicht stimmt nun? Wir haben uns umgehört bei Pressesprecherin Sandra Adams, wie das „neue“ System funktioniert und ankommt.
Deshalb das Ganze
„Das Klinikum hat die Zentrale Patientenaufnahme im Februar eingeführt. Das ist nichts Ungewöhnliches, etwa 95 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland haben eine Zentrale Aufnahme“, erläutert Adams. Im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG) stünden viele Digitalisierungsprojekte auf der Agenda des Klinikums – „als Voraussetzungen für die gesetzlichen Anforderungen des KHZG zählen unter anderem ein Patientenportal sowie einheitliche administrative Prozesse.“ Deshalb wurde die administrative Aufnahme zentralisiert wird.
Stellenstreichungen, wie von manchen behauptet wird, habe es in diesem Zuge übrigens nicht gegeben. Es seien lediglich Aufgaben in den neuen Bereich verlagert worden – in der Zentralen Patientenaufnahme würden nun Aufgaben rund um die Anmeldung beziehungsweise Aufnahme erledigt, die vorher von Beschäftigten in den Ambulanzen der Fachabteilungen ausgeführt wurden. „Nun haben wir mit den Beschäftigten der Zentralen Aufnahme sozusagen die Spezialisten für den Aufnahme-Prozess – das ist sehr hilfreich und sie machen einen tollen Job“, lobt Adams.
Eine gehörige Umstellung
Die ersten Monate seien „für alle Beteiligten“ eine gehörige Umstellung gewesen, räumt die Pressesprecherin ein. Im Klinikum wurden Hinweisschilder platziert. Und noch immer werden hier und da Anpassungen vorgenommen – so soll auf den Hinweisen der Begriff „Aufnahme“ noch durch „Anmeldung“ ersetzt werden, um für mehr Klarheit zu sorgen. Unterm Strich aber, so das Fazit in der Klinikleitung, seien die Erfahrungen positiv. „Die meisten Patienten kommen sehr gut zurecht.“
Einmal durchlaufen, klappe der Anmeldeprozess bei den Patienten in der Regel reibungslos. Und notfalls seien Mitarbeiterinnen an den Terminals zur Stelle, die weiterhelfen, wenn es hakt. „Es ist immer eine Mitarbeiterin im Eingangsbereich anwesend.“
So läuft das ab
Es ist ein Riesenapparat: Zwischen 350 und 500 Patienten kommen täglich in die Zentrale Aufnahme. Und so läuft das ab: Die Patienten werden erfasst und geprüft, notwendige Unterschriften werden eingeholt und die Vollständigkeit der Unterlagen überprüft. Ist eine vollstationäre Aufnahme geplant, erhalten die Patienten hier auch gleich ihr Patientenarmband. Hat ein Patient mehrere Termine im Quartal, muss er nur beim ersten Termin im Quartal die Zentrale Patientenaufnahme passieren – Privatpatienten jeweils beim ersten Termin des Monats.
Ausnahmen gibt es weiterhin: Strahlentherapie, Radiologie und Kreißsaal haben ihre eigenen Prozesse – und Notfallpatienten werden weiterhin über die Zentrale Notaufnahme aufgenommen.