Der namhafte französische Sportartikelhersteller Decathlon streckt seine Fühler nach dem Schwarzwald-Baar-Center aus. Foto: Murat

Sportartikel-Händler könnte sich Einzug in Einkaufscenter vorstellen.

Nachdem Real das Aus der Filiale im Schwarzwald-Baar-Center verkündet hatte, gibt es für die Fläche bereits erste Interessenten. Der Sporthersteller Decathlon hat ein Auge auf das Einkaufszentrum geworfen. Wie sich das Unternehmen zu den derzeitigen Überlegungen äußert, lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

 

Villingen-Schwenningen - Der Schock bei der Real-Belegschaft angesichts der endgültigen Schließung des Standorts im Schwarzwald-Baar-Center dürfte noch nicht überwunden sein, da wird im Hintergrund bereits an der zukünftigen Nutzung der Fläche gefeilt. Nun hat der Schwarzwälder Bote erfahren: Der namhafte französische Sportartikelhersteller Decathlon streckt seine Fühler nach dem Schwarzwald-Baar-Center aus.

Stefan Kaiser, Decathlon-Expansionsleiter für Süddeutschland und Österreich, bestätigt auf Nachfrage unserer Zeitung das Interesse an einem Standort im Raum Villingen-Schwenningen und auch tatsächlich konkret im Schwarzwald-Baar-Center.

Region länger im Blick

"Wir haben die Region schon länger im Blick", erklärt Kaiser im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. Im Jahr 2015 habe es bereits erste konkrete Überlegungen gegeben, sich im Bad Dürrheimer Gewerbegebiet niederzulassen.

Damals hatte es auch das OK des Gemeinderats für eine Filiale im Gebäude des dortigen Edeka gegeben. Gebunden war die Genehmigung allerdings an die Bedingung, dass der Lebensmittelhändler seine Fläche verkleinert. "Letztendlich sind wir uns dort mit dem Eigentümer nicht einig geworden", lässt Kaiser die damaligen Bemühungen Revue passieren.

Seitdem sei nun Villingen-Schwenningen und im Speziellen das Gewerbegebiet Neuer Markt in den Fokus geraten. Möglich sei für den Hersteller und gleichzeitig Händler von Sportartikeln grundsätzlich ein Neubau mit einer Verkaufsfläche von rund 2000 Quadratmetern. "Für uns war eine Standalone-Lösung immer eine Möglichkeit", erklärt Kaiser mit Blick auf ein eigenständiges Gebäude im Umfeld des Schwarzwald-Baar-Centers. Allerdings habe es hier bislang baurechtlich Schwierigkeiten gegeben, wie der Expansionsleiter berichtet. Kaiser: "Die Stadt sollte sich baurechtlich ein bisschen bewegen."

Mitten in die Überlegungen, wie eine Ansiedlung im Oberzentrum möglich gemacht werden könnte, platzte nun die Nachricht herein, dass Real sich im Herbst zurückziehen wird und es auch keinen Übernahme-Interessenten aus der Branche der Lebensmittelhändler gibt.

"Das Schwarzwald-Baar-Center ist hier eine Möglichkeit, die wir aktuell diskutieren", bestätigt der Expansionsleiter.

Douglas bleibt im Center

Inwieweit diese Diskussionen oder Verhandlungen mit dem Centermanagement vorangeschritten sind, ist bislang aber unklar. Man habe allerdings auch keine Eile. "Es gibt keine Deadline und wir haben keinen großen Druck – wir wollen aber auch keine Kompromisse", macht Kaiser deutlich. Für Decathlon sei das "bestmögliche Projekt" entscheidend.

Dass die Region dabei eine große Rolle spielt, daraus macht das Unternehmen keinen Hehl. Schließlich seien die nächsten Niederlassungen einige Kilometer entfernt – im Süden in Singen, im Norden in Böblingen, im Westen in Offenburg sowie auf französischer Seite in Colmar und in Richtung Osten müssten Käufer gar bis nach Ulm fahren. "Das hier ist einfach eine Sportregion, hier möchten wir hin – und je schneller, umso besser", betont Kaiser.

Was das Schwarzwald-Baar-Center betrifft, so gibt es eine weitere positive Nachricht zu vermelden. Befürchtungen, wonach sich die Parfümerie Douglas dort zurückziehen wird, haben sich nicht bewahrheitet. Eine Unternehmenssprecherin erklärte auf Anfrage, dass "der Standort in Villingen-Schwenningen von den Schließungen nicht betroffen ist".

Die Parfümeriekette verkleinert derzeit eigenen Angaben zufolge ihr Filialnetz und schließt nach derzeitigem Stand europaweit 500 Standorte, davon alleine 60 in Deutschland.