Immer wieder standen Kunden des Tally-Weijl-Shops im Schwarzwald-Baar-Center in Villingen-Schwenningen vor verschlossenen Türen. Das Unternehmen erklärt nun, was am Standort das Problem ist und gelobt Besserung.
10 bis 20 Uhr von Montag bis Samstag, 60 Stunden pro Woche - so haben die meisten Läden des Schwarzwald-Baar-Centers in VS geöffnet. Geschäfte wie Kaufland sind für ihre Kunden sogar wesentlich länger da. Im Gegensatz zum Modegeschäft Tally Weijl: Dort klappte es zuletzt nicht mal mit den selbst anvisierten 60 Stunden.
Der Grund: Nicht nur kleine Modegeschäfte kämpfen mit Personalproblemen. Auch große Modeketten wie das Schweizer Unternehmen Tally Weijl. Am Standort im Industriegebiet Herdenen fand sich zuletzt einfach nicht genug Personal.
Das erklärt Tobias Kronner im Gespräch mit unserer Redaktion. Er ist als Regionalleiter für mehrere Tally-Weijl-Shops in der Region zuständig. Seit etwa vier Wochen steht auch der Laden im Baar-Center unter seiner Verantwortung.
„Am Ende ist es mir als Arbeitgeber wichtiger, dass meine Mitarbeiter die Pausenzeiten und freien Tage bekommen, bevor ich Doppelschichten schieben lasse oder Sechs-Tage-Wochen mache“, erklärt Kronner.
Statt das bestehenden Personal auszubeuten oder nicht regelkonform zu behandeln, sei der Store in dem Villinger Einkaufszentrum halt immer wieder geschlossen gewesen.
Aber warum gab es an die Kunden keine Mitteilung - nicht mal einen Zettel am verschlossenen Eingang? Hierzu könne er nicht viel sagen, so Kronner: „Ich weiß nur, wie es war. Warum es so war, kann ich nicht sagen.“
Corona-Pandemie hat Spuren hinterlassen
Zurück zur Personalsituation. Zu Tally Weijl gehören laut Website weltweit mehr als 800 Stores. Warum finden sich da in Villingen-Schwenningen nicht genügend Mitarbeiter? „Es gibt mehrere Standorte, wo man nicht so leicht Personal findet. Und da gehört Villingen eben auch mit dazu“, berichtet Kronner. Der Tally-Weijl-Manager glaubt, dass immer mehr Menschen im Homeoffice arbeiten möchten und dass das einer von vielen Gründen sein könnte.
Ein weiterer möglicher Grund: Geschäfte mit Öffnungszeiten können auch nicht mit Arbeitsmodellen wie Gleitzeit dienen. Darauf weist Michael Heinle vom Handelsverband Baden-Württemberg hin. Hinzu komme der allgemeine Fachkräftemangel, der alle Branchen trifft, so der Verbandssprecher.
Der Personalmangel im Einzelhandel hat sich laut Heinle vor allem durch die Corona-Pandemie und die staatlich angeordneten Ladenschließungen zugespitzt. Während dieser Zeit hätten viele Mitarbeiter in andere Branchen gewechselt. Diese Leute zurückzugewinnen oder aber neues Personal zu finden, sei eine große Herausforderung. Vor allem, da der Einzelhandel durch die Pandemie einen großen Prestigeverlust erlitten habe. „Nicht systemrelevant“ zu sein, habe Spuren hinterlassen. Dabei habe der Handel viel zu bieten, ist Heinle überzeugt. Beispielsweise gebe es in kaum einer anderen Branche so schnelle Aufstiegschancen. Heinle: „Solche Aspekte müssen wir wieder mehr in den Vordergrund stellen.“
Tally Weijl glaubt an den Standort im Baar-Center
Indes hat sich die Personalsituation im Tally Weijl in Villingen verbessert. Er habe eine Festangestellte und zwei neue Aushilfen hinzugewinnen können, berichtet Tobias Kronner. „Tendenz steigend“, sagt der Manager und erklärt: „Ich möchte vorbereitet sein, wenn es etwa zu Krankheitsfällen kommt. Damit nicht wieder das ganze Geschäft stillsteht.“ Seit 15. Februar hält sich der Store im Baar-Center laut Kronner wieder an die regulären Öffnungszeiten.
An dem Shop im Schwarzwald-Baar-Center will Moderiese Tally Weijl auch in Zukunft festhalten. Kronner glaube „zu 100 Prozent“ an den Standort, da es nichts Vergleichbares in der Nähe gebe. „Ich denke, dass die Einkaufszentren die einzige Zukunft im stationären Einzelhandel sind“, sagt er. Die Innenstädte hingegen werden - so Kronners Überzeugung - nach und nach aussterben.