Die Campingplätze sind dicht - das schreckt aber nicht jeden ab. (Symbolfoto) Foto: jeroenb93/pixabay

Die Campingplätze sind dicht, nachts herrschen in Baden-Württemberg Ausgangssperren. Das scheint einige Camping-Fans aber nicht abzuschrecken: Sie übernachten "wild" am Straßenrand oder in der Natur.

Aktuelle Informationen zur Corona-Lage in unserem Newsblog

Höfen an der Enz/Oberndorf - Jasmin Rapp ist Campingplatz-Betreiberin in Höfen an der Enz. Trotz Lockdown bekommt sie täglich Anfragen von Campern, die gerne ihren Müll loswerden und die Campingtoilette leeren möchten. Rapp spricht von etwa zehn Anfragen jeden Tag. Und das seien nur die Wildcamper, die einen Umweltgedanken haben, ist die Besitzerin überzeugt. Viele würden ihre Hinterlassenschaften einfach in der Natur abladen, so Rapp. 

Rapp kämpft seit Wochen vergeblich für die Öffnung ihres Platzes. Deshalb hat die Betreiberin auch Verständnis für Wildcamper. "Ich verstehe jeden, der am Straßenrand steht, das sage ich selbst als Campingplatz-Besitzerin." Dass die Natur unter der Situation leidet, will Rapp jedoch nicht akzeptieren. Sie hat sich dazu entschlossen, ihre Ver- und Entsorgungsstation bei Anfragen zu öffnen. "Wir können nicht weiter zusehen, wie Wildcamping zum Umweltproblem wird", so die Betreiberin.

Nationalpark-Ranger setzen auf Aufklärung

Dass es im Schwarzwald ein Problem mit Wildcampern gibt, bestätigt auch Urs Reif. Derzeit würden viele Leute das Wildcampen für sich entdecken, berichtet der Ranger im Nationalpark Schwarzwald. Es gebe deutlich mehr Fälle als noch 2019. Die Ranger würden morgens und abends durch den Park gehen und kontrollieren. Anzeigen kassieren die Übernachtenden in der Regel jedoch nicht. Die Ranger setzen stattdessen auf Aufklärung, um Verstöße gegen das Naturparkgesetz vorzubeugen. So werden die Lager inklusive Lagerfeuer immer wieder auch in Totholz-Bereichen aufgeschlagen, wo die Waldbrandgefahr hoch ist. Und auch Tiere werden von den Campern gestört: Gerade jetzt sei es für die teils trächtigen Waldbewohner eine sensible Zeit, in der sie nachts ihren Rückzugsraum benötigten, so Reif.

Die Polizei stellt indes keine Zunahme von Anzeigen wegen Wildcampens fest. Frank Weber vom Polizeipräsidium Pforzheim spricht von "sehr wenig Fällen" in den vergangenen zwölf Monaten. "Bei uns im Präsidiumsbereich hat die Problematik von illegalem Campieren kein größeres Ausmaß", sagt er. Zu einem ähnlichen Urteil kommt auch Jochen Denker, Pressesprecher vom Naturpark Schwarzwald. Seit der Naturpark sechs offizielle Trekking-Camps zum Übernachten anbietet, gebe es relativ wenig Probleme. Die Camps haben normalerweise von Mai bis Oktober geöffnet. Dem Saison-Start der Camps macht Corona aber auch einen Strich durch die Rechnung. Nichtsdestotrotz hält Denker Wildcamping aktuell für kein "Massenphänomen".

Problem des Wildcampens ist nicht neu

Dem entgegen steht die Einschätzung von Wolfgang Weiler, Sprecher der Schwarzwald Tourismus GmbH. Das Problem des Wildcampens sei "immer groß" gewesen, führt er aus. Und nicht erst seit der Corona-Pandemie. Weiler stellt fest, dass die Tendenz seit Jahren "dahin geht, dass man außerhalb von Campingplätzen übernachtet". Die Nachfrage sei deutlich gestiegen, zudem seien mehr junge Leute im Wald unterwegs als früher.

Dass sich die Situation nicht an Anzeigen messen lassen kann, könnte auch an einer speziellen Verkehrsregel liegen. So ist in ganz Deutschland Wildcamping zwar verboten. Um die Fahrtüchtigkeit wiederherzustellen, darf allerdings auch mal eine Nacht im Wohnmobil am Straßenrand verbracht werden. Und das auch während der Corona-Ausgangssperren. 

Wildcampern drohen Bußgelder

Zwar geht das baden-württembergische Gesundheitsministerium davon aus, dass sich die Fahrer so organisieren können, "dass die allgemein bekannten Zeiten der Ausgangssperre berücksichtigt werden und eine Kollision schon von vorneherein vermieden wird". Pressesprecher Pascal Murmann führt aber aus: "Sollte es im Einzelfall aber dennoch während der Ausgangssperre dazu kommen, dass die Fahrtüchtigkeit außerhalb der Wohnung wiederhergestellt werden muss, ist die Wiederherstellung zur Vermeidung von Gefahren für andere Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer abzuwarten. Wo dies konkret geschieht, ist letztlich unerheblich."

Bei einer Kontrolle geht es also um die Frage der nachvollziehbaren Erläuterung. Das erklärt ADAC-Verkehrsexperte Christian Schäfer. Wer kontrolliert werde, müsse sich sicher die Frage gefallen lassen, warum man überhaupt so lange in einem Wohnmobil unterwegs war. Schließlich appelliere die Bundesregierung, nicht notwendige Reisen zu unterlassen. Schäfer glaubt allerdings nicht daran, dass Wildcamper des Platzes verwiesen werden. Die Beamten könnten schwerlich feststellen, ob die Fahrtüchtigkeit vorliege oder nicht. Ein Bußgeld drohe je nach Situation aber schon, schätzt der Abteilungsleiter für Mobilität und Technik beim ADAC Württemberg. "Je nachdem, wie ein Polizist vor Ort das bewertet."

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: