Dr. Richard Rebmann übergibt die operative Verantwortung, bleibt jedoch Verleger des Schwarzwälder Boten und Branchenstimme.
Nach knapp 40 Jahren zieht sich Dr. Richard Rebmann aus dem operativen Geschäft des Schwarzwälder Boten zurück. Zum 1. Dezember 2025 übernahm Dr. Gwendolin Gundlach die Geschäftsführung des Family Office Schwarzwälder Bote GmbH & Co. KG.
Richard Rebmann bleibt weiterhin Verleger der traditionsreichen Tageszeitung in Baden-Württemberg mit Sitz in Oberndorf am Neckar, behält den Vorsitz des Herausgeberbeirats der Süddeutschen Zeitung und seinen Sitz im Beirat der Neuen Pressegesellschaft (NPG) Ulm. Seit vergangenem August bündeln die NPG, die die Südwest Presse verlegt, die Zeitungsgruppe Stuttgart und der Schwarzwälder Bote ihre Kräfte in einem gemeinsamen Medienhaus. Der Zusammenschluss soll die regionalen Zeitungsmarken stärken und Synergien nutzen. „Ich halte dies für ein sehr zukunftsfähiges Modell“, unterstreicht Richard Rebmann.
Durch die Zusammenarbeit in den Bereichen Technik, Werbevermarktung und Zustellung könne man sich wieder ganz auf das Kerngeschäft konzentrieren und in die Publizistik investieren – in qualitativ guten Journalismus. „Ein Verlag braucht eine gewisse Größe, um auch in Zukunft erfolgreich sein zu können.“
„So eine Art Manufaktur“
Die Frage, wie man eine Tageszeitung langfristig am Markt positioniert, habe ihn seit 1988 – seinem Start beim Schwarzwälder Boten – nie wirklich losgelassen. „Der Druck, neue Produkte zu entwickeln, ist aufgrund der Digitalisierung immer da.“ Trotzdem seien zwei Dinge gelungen, die als Basis wichtig seien: „Erstens: Es gibt den Schwabo als Unternehmen mit rund 500 Arbeitsplätzen immer noch. Zweitens: Die Gesellschafter-Familien sind heute an der größten Regionalzeitungsgruppe in Baden-Württemberg beteiligt – und nicht mehr an einem Verlag mit überschaubarem Verbreitungsgebiet.“
Ende der 1980er-Jahre sei der Verlag ein mittelständisches Unternehmen mit den Produkten Tageszeitung und Anzeigenblatt mit Druckerei gewesen – „so eine Art Manufaktur, und aufgrund des großen Verbreitungsgebiets mit hohen Fixkosten belastet“. Die Lokalredaktionen von Pforzheim bis Lahr schickten ihre Manuskripte teilweise mit dem öffentlichen Nahverkehr ins Stammhaus nach Oberndorf, wo sie erfasst und schließlich gedruckt wurden.
„Die saisonale Umstellung des Fahrplans konnte schon mal dazu führen, dass die Redakteure auf Nägeln saßen, weil das Material später angeliefert wurde“, erinnert sich der Ur-Ur-Urenkel des Firmengründers.
„Das ganze Arbeiten war extrem geprägt durch den Erscheinungsrhythmus der Tageszeitung – in unserer heutigen Zeit, in der Nachrichtenkonsum rund um die Uhr möglich ist, kaum noch vorstellbar.“
Apropos Medienkonsum: Wie sieht der denn bei einem Verleger aus? „Ich lese mehrere Zeitungen sowie die ‚Bild‘ morgens digital und am Wochenende die ‚Süddeutsche‘, ‚Zeit‘ und den ‚Spiegel‘ zusätzlich auch noch in den Printausgaben. Im Radio läuft bei mir SWR Kultur, SWR Aktuell und meistens der Deutschlandfunk.“
Die Leidenschaft seiner Nachfolgerin ist das Radio. Gwendolin Gundlach war rund zehn Jahre lang Geschäftsführerin von Radio Mainwelle und antenne 1 Neckarburg Rock & Pop. Außerdem ist sie stellvertretende Vorsitzende und Vorstandsmitglied in der Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk. Nach ihrem Studium der Wirtschaftswissenschaften promovierte sie über die Finanzierung des dualen Rundfunkmarktes und war dann für die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) tätig.
Wunsch nach Gestaltung
Ihr Tätigkeitsfeld bei der Schwarzwälder Bote GmbH & Co. KG ist bemerkenswert vielfältig und lässt ihr gestalterischen Spielraum: Es reicht von der Betreuung der Gesellschafter über das Management der Start-up- und Radio-Beteiligungen, die Vermögensverwaltung der Immobilien und Geldanlagen bis hin zur Verbandsarbeit.
„Ich höre mehr, als ich lese“, beschreibt Gwendolin Gundlach ihren Medienkonsum. Klar, dass sie mit Radiosendungen in den Tag startet und „professionell“ hinhorcht: „In den moderierten Strecken bleibe ich hängen, vergleiche die Sender gerne – bei der Musik drehe ich das Radio eher leiser.“ Auch ist sie ein großer Fan von Podcasts. „Zeitungen lese ich verteilt über den Tag hinweg.“
Vor dem scheidenden Geschäftsführer Richard Rebmann liegt nun eine ruhige Adventszeit. Wahrscheinlich die entspannteste seit vielen Jahren: Die Geschäfte sind übergeben, die Aufgaben verteilt, der Kalender diktiert nicht mehr ganz so viele Termine, seine langjährige Assistentin wechselte bereits vor Wochen in den Ruhestand, und der Schreibtisch im vierten Stock des Verlagsgebäudes in der Kirchtorstraße ist geräumt.
„Ich werde nur noch auf Nachfrage tätig“, bietet Richard Rebmann seiner Nachfolgerin mit einem Lächeln an. Dafür werde er gerne vom Homeoffice in Stuttgart nach Oberndorf kommen. „Selbstverständlich werden wir für Sie hier immer einen Platz haben“, quittiert Gundlach, zuletzt Leiterin des Unternehmensbereichs Rundfunk bei der SWMH, sein Angebot gut gelaunt. Die zwei arbeiteten dort 15 Jahre lang zusammen und haben sich in dieser Zeit schätzen gelernt. Deshalb war es für den Verleger nur folgerichtig, der 45-Jährigen die Geschäftsführung im Family Office anzubieten.
Und ihre erste Reaktion? „Ein klares Nein. Niemand kann in die Fußstapfen von Richard Rebmann treten“, schildert Gwendolin Gundlach ihre damaligen Überlegungen. Aber dieser habe nicht lockergelassen: „Schlafen Sie mal drüber.“ Und nach nur einer (schlaflosen) Nacht kam die prompte Antwort: „Ich mach’s.“