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Schwarzfahren in Stuttgart 60 Euro Strafe beeindruckt die Sünder wenig

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Kontrollen in der Stadtbahn: Und wer hat eine Fahrkarte? Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Der 27-Jährige hatte wohl allen Grund davonzurennen. Als er an der Stadtbahn-Haltestelle Stadtbibliothek in eine Schwerpunktkontrolle von Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) und Polizei geriet, gab er sofort Fersengeld – und versuchte im Tunnel Richtung Hauptbahnhof zu entkommen. Allerdings kam er nicht weit. Mit Hilfe der SSB-Kontrolleure konnte die Polizei ihn rasch dingfest machen. Der 27-Jährige war nicht nur geflüchtet, weil er keinen Fahrschein hatte. Nach ihm war wegen Diebstahlsdelikten gefahndet worden. Mit Fahrschein wäre er wohl nicht aufgefallen.

Diese Schwerpunktkontrolle am letzten Februar-Wochenende dieses Jahres schien ein voller Erfolg zu sein. Nicht nur wegen des festgenommenen Straftäters – sondern auch, weil in dieser Nacht die Fahrgäste des öffentlichen Nahverkehrs offenbar besonders ehrlich unterwegs waren. Nur 216 Menschen hatten keinen gültigen Fahrschein dabei – ein rekordverdächtiger Tiefstand. Drei Monate zuvor hatte es noch ganz anders ausgesehen: Fast jeder zehnte Fahrgast war ein Schwarzfahrer – es hatte mehr als 550 Sünder unter 5600 Fahrgästen gegeben.

Wenn der Kontrolldruck nachlässt...

Doch die Freude währte nicht lange. Denn seither geht es wieder bergauf. Bei der nächsten Aktion in der Nacht zum 1. Juli waren es schon wieder 448 Schwarzfahrer. Und am vergangenene Wochenende 559. Der zweithöchste Wert der vergangenen Jahre – im Schnitt lagen die Zahlen da zwischen 400 und 500. „Wir hatten eine Zeitlang einen Rückgang und dann auch weniger Kontrollen“, heißt es im zuständigen Bereich der Stuttgarter Straßenbahnen. Doch ohne Kontrolldruck geht nichts. „Wenn der nachlässt, gehen die Zahlen sofort wieder nach oben.“ Das belegt die Schwerpunktaktion.

Dabei sollten härtere Strafen doch eigentlich abschrecken. Im Juli 2015 war das sogenannte erhöhte Beförderungsentgelt von 40 auf 60 Euro verteuert worden. SSB-Sprecherin Birte Schaper kann jedenfalls keinen deutlich sichtbaren Effekt erkennen: „Ob und welchen Einfluss die Erhöhung hatte, können wir nicht feststellen“, sagt sie. Noch deutlicher wird die Bahn AG: „Die Erhöhung hat bei uns keine signifikante Reduzierung der Schwarzfahrerquote gebracht“, so ein Stuttgarter Bahnsprecher.

In der Polizeistatistik bessert sich die Lage

Beim Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) sieht man es so: Im Jahr 2014, vor der Einführung des höheren Bußgelds, lag die Schwarzfahrerquote bei 2,9 Prozent. Im Jahr 2016 betrug sie 2,7 Prozent. „So gesehen ist die Quote also leicht gesunken“, sagt VVS-Sprecherin Pia Karge. Man könnte es auch anders sehen: Gegenüber 2015 ist die Quote wieder gestiegen. Da lag sie bei 2,5 Prozent.

Nur bei der Polizei, die dann eingreifen muss, wenn es um die Feststellung der Personalien oder Ermittlungen gegen Mehrfachtäter geht, scheint sich die Lage gebessert zu haben – zumindest statistisch. Im vergangenen Jahr gab es 5155 Fälle des Betrugsdelikts der sogenannten Leistungserschleichung – das sind 21 Prozent weniger als im Jahr 2015 und der niedrigste Wert der letzten zehn Jahre. Bei der Bundespolizeiinspektion Stuttgart sanken die Zahlen im vergangenen Jahr ebenfalls – um 22,6 Prozent auf 5660 Fälle. Im Jahr 2015 waren es noch 7311 Anzeigen gewesen. Doch dieser scheinbar deutliche Rückwärtstrend täuscht: Im Jahr 2015 habe es eine große Migrationswelle mit Flüchtlingen gegeben, sagt Bundespolizei-Sprecher Daniel Kroh: „Und da war ja praktisch jeder Geflüchtete auch als Schwarzfahrer unterwegs.“ Diesen Faktor gebe es derzeit eben nicht mehr.

Die Wirkung einer SSB-Uniform

Laut SSB-Sprecherin Birte Schaper gebe es eben viele Faktoren, die auf Schwarzfahrerzahlen einen Einfluss haben. Dazu zählt beispielsweise die elektronisch auslesbare Polygo-Karte. Durch das automatisierte Abo kann es beispielsweise nicht mehr passieren, dass zum Monatswechsel die neue Wertmarke vergessen wird. Bei den Fachleuten der SSB wird allerdings bezweifelt, dass die Regelung, bei Linienbussen grundsätzlich vorne einsteigen zu müssen, die Schwarzfahrerquote senken konnte. „Der Busfahrer kann doch bei vollem Betrieb nur eine grobe Sichtkontrolle machen“, sagt ein Mitarbeiter. In der Region, wo schon lange beim Busfahrer vorne eingestiegen werden muss, liege die Schwarzfahrerquote mit fünf bis sieben Prozent erheblich höher als in Stuttgart mit knapp drei Prozent.

Wirklich wirksam scheint eine ganz andere Maßnahme zu sein: Etwa 70 Beschäftigte sind als sogenannte Kombifahrer unterwegs – und unterstützen in ihrer Uniform als Springer die 70 Kollegen vom Prüfdienst. Zwar sind sie von Schwarzfahrern in ihrer Uniform leicht auszumachen – doch der Effekt ist ein anderer: „Für den Fahrgast kann nun jeder der uniformierten Fahrdienstbeschäftigen auch ein Prüfer sein“, sagt ein SSB-Mitarbeiter, „und das ist ein Abschreckungsfaktor, der wirklich wirkt“.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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