Ortsvorsteherin Dagmar Frenk sieht die Entwicklung der Gemeinde Schwanau und die Zusammenarbeit zwischen den Ortsteilen positiv. Nonnenweier hätte als eigenständige Gemeinde irgendwann Probleme bekommen. Foto: Köhler

Vor 50 Jahren gaben die vier Schwanauer Ortsteile ihre Eigenständigkeit auf, um zu fusionieren. Nonnenweiers Ortsvorsteherin Dagmar Frenk hält dies für den richtigen Schritt. Die Zeiten, als die Dörfer "verfeindete Nachbarn" waren, seien vorbei.

Nonnenweier - Für Nonnenweiers Ortsvorsteherin Dagmar Frenk sei es selbstverständlich gewesen in der Gemeinde Schwanau aufzuwachsen. Geboren wurde sie 1971 – ein Jahr vor der großen Fusion. Dass Nonnenweier einmal selbstständig war, sei für sie erst im Jahr 1994 Thema geworden, als sie in die Kommunalpolitik einstieg.

Wahrgenommen habe sie jedoch schon früh eine "natürliche Rivalität mit Ottenheim". Diese sei jedoch heute nicht mehr so ernst. "Man foppt sich eher", sagt Frenk. "Man zieht sich immer wieder hoch, aber meistens mit Sarkasmus oder Ironie. Wir haben die Zeiten überwunden, dass wir verfeindete Nachbarn sind", so die Ortsvorsteherin. Zumindest nehme sie das so wahr und sie hoffe auch, dass es tatsächlich so ist.

Nonnenweier wäre alleine an Grenzen gestoßen

Mit Blick auf die Fusion denkt Frenk, dass die Nonnenweierer eher zurückhaltend waren und sich durchaus zugetraut hätten, eigenständig zu bleiben. Man hatte gerade mit der Kanalisation begonnen und mit dem Wald, dem Diakonissenhaus, dem Frenk eine hohe Strahlkraft auch über die Grenzen Schwanaus hinaus bescheinigt, und mehreren Betrieben mit einigen Arbeitsplätzen sei man "gesund aufgestellt" gewesen. "Viele Gemeinden mit Nonnenweiers Größe sind selbstständig geblieben", verweist Frenk auf beispielsweise Rust oder Ringsheim.

Trotz dieser Möglichkeiten – "es wäre keine gute Entscheidung gewesen", ist sich die Ortsvorsteherin sicher. Schule, Wasser, Abwasser oder die weiteren Grundfunktionen einer Gemeinde – Nonnenweier wäre irgendwann an seine Grenzen gestoßen, hätte der Ort versucht, dies alleine zu stemmen. Frenk bringt zu diesem Thema auch die verschiedenen Zweckverbände ins Spiel, die beweisen, dass sogar mehrere Kommunen bei bestimmten Themen zusammenarbeiten.

Der Zusammenschluss zu Schwanau sorgte jedoch auch für einige Konflikte. Viele Nonnenweierer hätten sich gewünscht, dass ihr eigenes "prächtiges Rathaus" Sitz der Verwaltung wird. Schließlich ist auch Nonnenweier geografischer Mittelpunkt der Gemeinde. Außerdem mussten aufgrund von Dopplungen einige Straßen umbenannt werden. Die Nonnenweierer wollten gerne ihre "Rheinstraße" behalten, mussten jedoch Ottenheim klein beigeben. So wurde daraus die "Neue Rheinstraße", wie auch aus der "Hauptstraße" die "Nonnenweierer Hauptstraße" wurde. Erst bei der Fusion entstand auch der Name Ludwig-Frank-Grundschule. Denn beim Zusammenschluss musste jede Schule einen Namen erhalten, erklärt Frenk.

Zusammenarbeit auf vielen Ebenen

Nonnenweier war der Ortsteil, der als erstes "seine Geschenke eingesammelt hat" – nämlich den Bau der Burkhard-Michael-Halle im Jahr 1974. "Der TuS wollte sowieso eine Halle bauen, darauf hat Bürgermeister Wolfgang Wübker aufgebaut", erzählt die Ortsvorsteherin. Als wiederum die Ottenheimer Halle eingeweiht wurde, sei auch das Konkurrenzdenken wieder zum Vorschein gekommen. Diese wurde nämlich mit einem Festakt eröffnet, als auch Nonnenweierer Vereine eine Veranstaltung geplant hatten. Für Frenk ein exemplarisches Beispiel dafür, dass es gegenseitige Rücksichtnahme braucht. "Die Vereine sind der Sensor", schildert sie. Diese würden spüren, wenn irgendwas in eine Richtung ungerecht läuft.

Heute gebe es auf vielen Ebenen eine Zusammenarbeit zwischen den Orten. Seien es Vereine, die Kirchen, die Landwirte oder auch einfach Freundschaften, die ortsteilübergreifend bestehen. "Wir haben in 50 Jahren ganz schön viel geschafft", urteilt Frenk. Gerade Nonnenweier sei inzwischen ein "attraktiver Wohnort", in dem das Gesamtpaket stimme. "Wir können hier alles bekommen in Sachen Nahversorgung. Wir haben eine wahnsinnig tolle Natur und haben gemerkt, wie gut wir hier leben können", beschreibt die Ortsvorsteherin ihr Dorf. Gehe man die Herausforderungen an – Frenk zählt dazu vor allem die Themen Schule, Kindergarten und ÖPNV – "haben wir eine gute Chance, dass wir eine attraktive Wohngemeinde bleiben. Dafür werden Kooperationen nötig sein", so Frenk.

Schwanau-Serie

Die Lahrer Zeitung stellt in der Serie zum Schwanauer Jubiläum die Perspektive jedes Ortsteils vor. In den einzelnen Teilen geht es darum, wie das Stimmungsbild in jedem Ortsteil bezüglich der Fusion vor 50 Jahren war und welche Vor- und Nachteile sich aus dem Zusammenschluss für den jeweiligen Ort ergeben haben.