Seit kurzem hat die Stadt Calw zwei separate Internetauftritte. Einen für die Touristen und einen für die Bürger. Wie findet man sich auf den Seiten zurecht? Ist die Umstrukturierung gelungen? Wir haben den Test gemacht.
Calw - Einfach zu finden ist die Seite, zumindest jene für Touristen. Googelt man nach dem Suchbegriff "Calw" findet man gleich als erstes Suchergebnis die Website, die über Ausflugsmöglichkeiten in der Stadt und in der näheren Umgebung informiert. Touristen dürfen sich also freuen. Für Bürger hingegen beginnt erstmal das Rätselraten.
Denn wo ist der Internetauftritt des Rathauses? Mit dem Suchbegriff "Calw" kommt man auf jeden Fall nicht weiter. Auch die Kombination "Calw Rathaus" hilft nicht. Nur wer sich die Touristen-Seite genau anschaut, findet rechts oben die Schaltfläche "zum Bürgerservice" und zack: Schon kann man sich über alle Dienstleistungen der Stadt informieren. Alternativ kann man auch nach "Calw" und "Willkommen" googeln, aber das muss man auch erstmal wissen.
Es geht um Absprungraten und Verweildauer
Doch Oberbürgermeister Florian Kling beruhigt. "Das kommt daher, dass die Seite eine neue Domain hat und die Trefferliste in Google entsteht erst mit der Zeit." Früher oder später sollte sich das Problem also von alleine lösen.
Aber warum wurde beiden Seiten nicht einfach ein Portal vorgeschaltet, wo Nutzer dann zwischen der Tourismus- und der Rathausseite wählen können? Für Kling ist das keine Option. "Es ist wichtig, dass die Kunden sofort auf die Seite kommen." Das sei aktuell Standard im Internet. "Dabei geht es um Absprungraten und Verweildauer", weiß Kling.
Dabei nimmt der Oberbürgermeister auch in Kauf, dass die Hürden für die Bürger höher sind, als die für die Touristen. "Für Gäste wollen wir den einfachsten Zugang haben." Die Bürger müssten ohnehin suchen, wenn sie Informationen zu einem bestimmten Verwaltungsvorgang brauchen. "Das ist daher kein Problem", so Kling.
Auch sprächen die Nutzerzahlen für die Entscheidung. So seien schon vor der Umstellung 80 Prozent der Seitenaufrufe auf die Bereiche Kultur und Tourismus entfallen. Daher der Entschluss, für diese Bereiche eine ganz neue Seite zu gestalten.
Große Auswahl für Wanderfreunde
Und tatsächlich wird hier einiges geboten. Zum Beispiel bekommen Wanderer eine Vielzahl an Touren präsentiert. Dabei gibt es verschiedenste Streckenlängen zur Auswahl. Die Distanzen variieren zwischen sechs und 17 Kilometern. Das ist deutlich mehr, als der Nationalpark Schwarzwald auf seiner Internetseite zu bieten hat. Dort wird noch immer keine Wanderung mit mehr als sechs Kilometern Länge vorgeschlagen.
Auf der Calwer Seite hingegen finden Wanderfreunde nicht nur eine große Auswahl auch anspruchsvoller Touren, sondern gleichzeitig alles, was man für die Planung einer Tour braucht. Hier gibt es ausführliche Wegbeschreibungen, Karten und Parkplatzempfehlungen.
Allerdings wird bei den beliebtesten Touren oft auf die Parkhäuser in der Innenstadt verwiesen. Dabei wäre es doch interessant zu erfahren, wo man sonst noch in die Wege einsteigen kann. So könnte man dann vom Wald in die Stadt wandern und sich die überhöhten Parkgebühren sparen.
Da mittlerweile einige Wege regelrecht überlaufen sind, gibt es sogar Warnungen, wenn für einzelne Strecken ein besonders großer Andrang zu erwarten ist. Auch zeigt eine Grafik, zu welchen Jahreszeiten ein Weg genutzt werden kann. Gerade in den Wintermonaten ist das nützlich, wenn man schnell herausfinden möchte, welche Wege geräumt sind und welche nicht.
"Es gibt noch Verbesserungspotenzial"
Doch auch wen es statt in den Schwarzwald in die Stadt zieht, der findet hier Infos zu Museen und Führungen. Doch leider steht nirgends, wo und ob man sich für die Führungen anmelden kann. Zwar gibt es einen Link zu "weiteren Infos", hier landet man aber nur wieder auf der Überblicksseite. Klickt man noch mal auf die gewünschte Tour, landet man wieder am Anfang. Gerade wenn man unter Zeitdruck einen Ausflug plant, ist es ärgerlich, wenn man sich plötzlich in einer solchen Endlos-Schleife wiederfindet.
"Es gibt noch Verbesserungspotenzial", weiß auch Kling. Ihm sei es aber wichtig gewesen, möglichst schnell mit der Seite online zu gehen, anstatt zu warten, bis jedes Detail stimmt. Doch im Großen und Ganzen ist die Seite übersichtlich, elegant und macht mit vielen Bildern und sogar einigen Videos Lust darauf, der Stadt einen Besuch abzustatten. Und vor allem: Die neue Website ist für Smartphones optimiert. Vier von fünf Sternen gibt es dafür bei unserem Schwabo-Check.
Auf der Seite des Rathauses bleibt übrigens erstmal alles – bis auf die Startseite – beim alten. Dementsprechend geht es hier noch relativ unübersichtlich zu. Doch auch diese Seite soll in absehbarer Zeit neu gestaltet werden. Grund ist das sogenannte Onlinezugangsgesetz, welches Bürgern ermöglichen soll, Behördengänge im Internet zu erledigen. "Damit die Leute nicht mehr aufs Rathaus kommen müssen", erklärt Kling. Doch wann es soweit sein wird, ist noch offen, denn: "Das Land ist zuständig für die Umsetzung", so Kling.