Hausach erlebte die Premiere des Formats „Schwabennacht“. Auf vielfältige Weise wurde das Publikum in der Stadthalle unterhalten.
Einen köstlichen Abend bereitete die Agentur Siedepunkt am Samstag dem überwiegend badischen Publikum in der fast voll besetzten Stadthalle bei der ersten „Schwabennacht“. Die Zutaten dieses komödiantischen Gaisburger Marschs bestanden aus einer großen Portion Comedy, vielen kleinen Bröckele Wortwitz, einer Portion Varieté, einer Prise Satire, etlichen gut abgelagerten Witzen aufgekocht in einer Brühe Klischee. Das Publikum konnte gar nicht genug bekommen davon.
Die schwäbischen Comediens wie die „Kächeles“, Leibssle, Karl-Heinz Dünnbier und Link Michl ziehen ihr Publikum offensichtlich aus einem großen Umkreis an und bombardierten die Gäste zwei Stunden lang abwechslungsreich in Viertelstunden-Häppchen, mit einem wahren Pointen-Feuerwerk.
Viele verschiedene Komponenten im Programm
Überraschend weiß Karl-Heinz Dünnbier gleich, auf welcher Seite die evangelischen und wo die katholischen Gäste sitzen. Geschickt spielt er er beide Seiten gegeneinander aus und sorgte so gleich für donnernden Applaus . Der Comedien begeistert mit seiner genialen japanischen Kehrwochen-Persiflage, jonglierend mit einem Strohbesen und zwei Stäbchen, mit verblüffender Ballon-Schwertschluckerei, einer aberwitzigen Zollstocknummer und dem BauchrednerDialog mit der Seniorin Käthe. Die schaltet ihr Rollator-Navi beim Gang zum Friedhof immer aus, um dort nicht hören zu müssen „Sie haben Ihr Ziel erreicht“- Varieté vom Feinsten.
Im Kontrast dazu der Link Michel, der sich und seine Mitmenschen mit scharfem Auge, spitzer Zunge und einer gehörigen Portion Selbstironie seziert. Den ins Alter gekommenen Mountainbiker, der „als Neon-Wurstpelle durch den Wald radelt, bis der Jäger ein Erbarmen hat“, genauso wie den „14-jährigen Oberchecker Alpha-Kevin“ im Supermarkt. In der Kleinstadt Neuffen, wo er her kommt, braucht es keinen Geheimdienst „man hat Nachbarn“.
Das eine oder andere Wortspiel braucht eine Weile, bis es beim Publikum ankommt. „Ein Nichtschwimmer ist kein Depp, wenn er nicht schwimmt. Wenn er schwimmt, kennt er den Grund.“ Seine Definition von Gemeinheit: Wenn man im Aufwachraum eines Krankenhauses einen Kalender von 2038 aufhängt. Einen liebevoll-ironischen Blick richtet Leibssle alias Eckhard Grauer auf die schwäbische Mentalität. Er spielt mit der Sprache, „vordenken ist gut, wer nachdenkt, kommt zu spät“, sinniert philosophisch über die größten Rätsel der Menschheit: „Wenn ein Mann allein auf dem Berg seine Meinung sagt und keine Frau hört zu, hat er dann trotzdem unrecht?“ Er erklärt plausibel, warum Gott die Zecken erfunden hat, „lässt sich nicht aus übertriebener Kenntnis seine Meinung verhageln“ und erklärt das „psychokeramische Syndrom“ – einen „Sprung in der Schüssel“.
Schwäbische Persiflage
Ute Landenberger und Michael Willkommen persiflieren als Kächeles das Klischee eines schwäbischen Ehepaars. Sie mit einer schwäbischen Schwertgosch, er als vermeintlich unterdrückter Ehemann, der ihr immer wieder pointenreich Kontra gibt und seiner Frau nach dem Tod einen schalldichten Sarg verheißt. Womöglich befolgt er den Rat eines Freunds und gibt ihr zwei Tropfen Sekundenkleber auf den Labello.