Christiane Maschajechi lieferte den frech-frivolen Beweis dafür, dass es schwäbische „Eroddik“ tatsächlich gibt. Foto: Katja Weiger-Schick

Die fünf Protagonisten der Ebinger „Schwabennacht“ feierten in der ausverkauftem Festhalle ihren Dialekt – und legten den Finger in die wohlbekannten Wunden der schwäbischen Kollektivseele.

Es war ein fulminanter Angriff auf die Zwerchfelle – mit dezenten, aber gezielt gesetzten Spitzen gegen alle, die „Maultäschle“ und „Ofaschlupfer“ nur vom Hörensagen kennen – und das Rezept so einfach wie genial: Fünf Akteure, die sonst als Solisten auftreten, hatten sich auf Initiative von Marc Michl von der Balinger Agentur Siedepunkt auf der Bühne der Ebinger Festhalle eingefunden und boten Kabarett, Musik und Witz beim fröhlichen Stelldichein. Das Ergebnis war eine rasante Revue, die der schwäbischen Mundart – nein, der schwäbischen Weltsprache! – variantenreich, mal laut, mal leise, mal gesprochen, mal gesungen die Reverenz erwies. Ein stimmiges Humor-Mosaik, dessen pausenlos nach Luft schnappende Gäste am Ende eingestehen mussten: „Genau so isch’s am Spätzle-Äquator!“

 
Wolfgang Heyer, Meister der verbalen Akrobatik, ließ bei seinem Auftritt die Silben hüpfen. Foto: Weiger-Schick

Angekündigt waren Fünf: das legendäre Ehepaar Kächele (Ute Landenberger und Michael Willkommen), der „Link Michel“ (Michael Klink), Martin Leibssle (Eckhard Grauer) und Christiane Maschajechis „Schwäbische Erotik“. Versprochen ist versprochen, und ein fieser Magen-Darm-Virus den armen Leibssle niedergestreckt hatte, wie Käthe Kächele berichtete – „Und des au no als Ma!“ – , sprang ein alter Bekannter für ihn ein, nämlich Wolfgang Heyer, Albschreiber der Literaturtage 2024.

Abgrundtiefe Einblicke in die schwäbische Seele

Vom Sofa weg, wie er berichtete, wofür der Wortakrobat prompt mit Beifall der Stufe zehn, als dem Maximum dessen, was das Applausometer zu bieten hat, begrüßt wurde. Der „Zwuckl-Wellerman“ aus Oberschwaben gewährte einen abgrundtiefen Einblick in die schwäbische Seele: Seine Landsleute würden nur eine Autowaschstraße kennen – „und die heißt Regen“ – und seien auch in linguistischer Hinsicht stets zum Sparen aufgelegt. Der hochdeutsche Satz „Würdest Du den Zwetschgenkuchen bitte in gleich große Stücke schneiden?“ laute auf Schwäbisch „Dädsch da Datschi teila?“ Zarte Lautmalerei, die sich hervorragend als gesungener Gassenhauer eignet!

Jawohl! Wenn Käthe und Karl-Eugen Kächele nebeneinander im Urlaubsflieger sitzen, bleibt kein Auge trocken. Foto: Weiger-Schick

Die Kächeles hielten die Schlagzahl hoch. Käthe, die Frau mit den unverschämt hohen, roten Lackpumps, und Karl-Eugen, der Mann mit den weltschönsten Hosenträgern, debattierten über Vereine für unterdrückte Männer, Urlaubsflüge, unförmige Schrankwände und schalldichte Langzeitunterbringung – und das Publikum musste anerkennen, dass ihm das alles nicht ganz unbekannt aus den eigenen vier Wänden war.

Wenn der „Link Michel“ zum Elternabend muss

Danach ließ der „Link Michel“, ein feiner Mann mit Weste, Karohose und Schiebermütze, an einem Alltag teilhaben, der in Sachen absurder Skurrilität schwerlich zu überbieten sein dürfte. Ob ungeliebte Elternabende, weihnachtlicher Lichterkettenwahnsinn oder neonschrille Mountainbike-Mode – der „Link Michel“ hat’s drauf. Und das Stadt-Land-Fluss-Spiel auch, das gewinnt er mit heimischen Tierarten wie den Granufinken.

„Link Michel“ Michael Klink war in der Ebinger Festhalle in seinem Element. Foto: Weiger-Schick

Den frivolen Schlusspunkt setzte mit Glamour, Glitzer, Schokolade, Netzstrümpfen und „Schwäbischer Erotik“ Christiane Maschajechi, die charmant, mit Wortwitz und Selbstironie ein Feuerwerk aus Kabarett, Gesang und Tanz zündete. „Eroddik isch dia Balance überm Gürtel“ lautet eine ihrer Maximen, „Jeder Tag ohne Zettel am Zeh ist ein guter Tag“ eine andere. Wo sie recht hat, hat sie recht.