Das Reizthema Wolf, aber auch andere rote Tücher der Landwirte kamen bei einer Gesprächsrunde auf Einladung der CDU zur Sprache. Von links Stadtverbandsvorsitzender Josef Spiegelhalter, EU-Abgeordneter Andreas Schwab, Landtagskandidat Peter Schelshorn und Fraktionschef Matthias Kiefer. Foto: Gerald Nill

Für sesshafte Wölfe gibt es im Schwarzwald keinen Platz. Diese Botschaft überbrachte der Europa-Abgeordnete Andreas Schwab rund 40 Zuhörern auf Einladung der CDU in Zell.

Auch wenn sich Schwab in seinem Vortrag und im Diskussionsteil als großer Bauern-Versteher gab, sah sich der Politiker einer großen Skepsis und auch Kritik ausgesetzt. „Wir haben einiges zu verkaufen“, leitete Schwab seine Rede ein.

 

Schwab erinnerte sich noch sehr gut an eine hitzige Diskussion im Pfarrsaal von Zell vor einigen Jahren, als das Auftauchen des Raubtiers für große Unruhe sorgte. „Bürger sind gekommen, die einfach Angst hatten“, rief Schwab in Erinnerung. „Angst vor einem Tier, das kommt, um ein Gebiet zurück zu erobern.“

Damals war der Wolf ein geschütztes Tier. Der CDU-Politiker schreibt es seiner Partei zu, dass der Wolf jetzt ins Jagdrecht aufgenommen wird. In der vergangenen Woche habe der Bund in erster Lesung das Jagdrecht geändert mit dem Ziel, Tiere einfacher zu bejagen, die zum Problem werden. „Und zwar nicht erst, wenn er ein Nutztier gerissen hat.“ Schwab führte aus: „Der Wolf wird nicht so leicht wie ein Reh bejagt werden können.“ Der Wolf dürfe den Schwarzwald auch weiterhin „für die Durchreise“ nutzen, wie Schwab es ausdrückte.

Neue Verordnung

Sobald ein Tier aber Winterwanderern über den Weg laufe oder ein Mensch dem Wolf „auf der Landstraße gegenübersteht“, sieht Schwab den Gefährdungsfall bereits als erfüllt. In jedem Fall müsse aber eine Behörde zunächst den Abschuss genehmigen. Das werde bis zur Landtagswahl in einer neue Verordnung festgeschrieben, versprach der Europa-Politiker. Das sei „ein wichtiges Signal für die Menschen in der Region“. Ortschaftsrat Ralf Kleißler aus Gresgen wollte wissen, wie die neue Verordnung konkret umgesetzt wird.

Sicherheit geben

Schwab antwortete, indem der Wolf aus der Liste der geschützten Tierarten herausfällt. Die Schwelle sei bewusst niedrig angesetzt, um den Menschen im Schwarzwald Sicherheit zu geben. Die anwesenden Landwirte schwenkten bald zu ihrem Lieblingsthema: den von ihnen als Gängelung empfundenen Auflagen an Umweltschutz sowie die Bürokratie: „Bürokratie, das ist EU,“ hieß es. Schwab gab auch hier weitgehend recht: „Wir haben in Deutschland mehr [Auflagen], als wir bräuchten.“ Die Diskussion wurde wieder emotional. Ein anderer Landwirt meinte angesichts eines auf angeblich 67 Prozent gesunkenen Selbstversorgungsgrades in Deutschland und steigenden Vorschriften: „Dann können wir bald zumachen. Dann verhungern wir.“ Schwab stellte die CDU als diejenigen Partei dar, die die Bürokratie vereinfachen will. Der nächste Landwirt beklagte: „Wir können nicht mehr düngen.“ Er beschwor die vielzitierte Kulturlandschaft im Schwarzwald, ein Verdienst der Vorväter. „In einem FFH-Gebiet darf man nichts mehr machen.“ Schwab versicherte: „Wir sind auf dem Weg, die Dinge wieder einfacher zu machen.“ Er appellierte, Druck zu machen. Darauf Kleißler: „Den machen wir schon seit 40 Jahren.“

Schwabs Versuch, das Mercosur-Abkommen mit vier südamerikanischen Staaten als Chance für die deutsche Landwirtschaft zu verkaufen, ging nach hinten los. Dass in Lateinamerika die gleichen Standards wie hier eingefordert und auch kontrolliert würden, wurde mit Gelächter quittiert. Schwab ließ sich nicht beirren. Sein Credo: den Christdemokraten am 8. März die Stimme geben und alles wird besser.