Ein umfangreiches Hochwasserschutzprojekt soll in den kommenden Jahren in Sulz umgesetzt werden, um den Schutz vor extremen Wetterereignissen zu gewährleisten. Das sind die nächsten Schritte.
In der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschuss wurde der aktuelle Planungsstand des Hochwasserschutzprojekts in der Kernstadt Sulz präsentiert.
Andreas Klaus vom Planungsbüro BIT Ingenieure AG und Daniel Elsässer vom Regierungspräsidium Freiburg stellten die Fortschritte vor und gaben einen Ausblick auf die kommenden Schritte.
Auf der Zielgeraden
Das Hochwasserschutzprojekt befindet sich auf der Zielgeraden der Genehmigungsplanung. Besonders wichtig war die Bürgerbeteiligung zur Ufergestaltung im Bereich Wöhrd, deren Ergebnisse in die aktuelle Planung eingearbeitet wurden. In der nächsten Sitzung des Gemeinderats, die am Montag, 21. Oktober, stattfindet, soll die finale Abstimmung erfolgen.
Die Genehmigungsphase wird voraussichtlich ein Jahr dauern, so dass der Baubeginn für das Jahr 2027 vorgesehen ist. Die Bauzeit soll mindestens drei Jahre betragen. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf 13 Millionen Euro, von denen die Stadt Sulz 30 Prozent trägt.
Schutz vor 100-jährigem Hochwasser ist vorgeschrieben
Vor etwa 70 Jahren wurden bereits Hochwasserschutzmaßnahmen in Sulz umgesetzt, die sich aus Sicht der Stadtverwaltung als effektiv erwiesen haben. Seither habe es kein Hochwasserereignis gegeben, das diese Schutzvorkehrungen überfordert hätte, hieß es in der Sitzung. Allerdings seien die heutigen Anforderungen höher. Ein Hochwasserschutz, der auf ein sogenanntes 100-jähriges Hochwasser ausgelegt ist, ist mittlerweile gesetzlich vorgeschrieben.
50 Zentimeter fehlen
Andreas Klaus erklärte, dass Sulz bisher zwar von einem 100-jährigen Hochwasser verschont geblieben sei, jedoch wäre das Stadtzentrum bei einem solchen Ereignis heute großflächig mit bis zu zwei Metern Wassertiefe überflutet.
Um dies zu verhindern, wurden verschiedene Maßnahmen in der Planung berücksichtigt. Unter anderem fehlt es an einigen Stellen an einer Höhe von bis zu 50 Zentimetern beim bestehenden Hochwasserschutz. Ein Sicherheitszuschlag von weiteren 50 Zentimetern soll in die Planungen einfließen.
Das Stadtbild wird beeinflusst
Vorgesehene Maßnahmen umfassen die Verstärkung und Erhöhung bestehender Dämme und die Sanierung von Ufermauern. Diese baulichen Veränderungen könnten zwar das Stadtbild beeinflussen, jedoch gibt es laut Klaus Möglichkeiten, die neuen Mauern ansprechend zu gestalten.
Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerökologie
Ein weiterer wichtiger Aspekt des Projekts sind Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerökologie, insbesondere im Bereich zwischen dem oberen Wehr und dem Holzsteg. Hier sollen Strömungen angepasst und die Binnenentwässerung sowie der Hochwasserschutz durch den Einbau von Durchlässen optimiert werden für den Fall von Starkregen.
Im Bereich des Kurparks Wöhrd soll die Freianlage neu gestaltet werden. Die aktuelle Situation umfasst grasbewachsene Böschungen, einen Damm mit Stützmauer und diverse Freizeitangebote wie einen Wasserspielplatz und einen Wohnmobilstellplatz.
Nach umfangreichen Diskussionen in vergangenen Sitzungen hatte sich der Sulzer Gemeinderat für die Variante mit einem natürlichen Ufer entschieden. Hierbei wird die Hochwasserschutzlinie nach hinten verlegt, so dass der Park bei einem 100-jährigen Hochwasser ebenfalls überflutet werden kann. Fußwege müssen dann über oder durch den Deich führen. Die Auswirkungen dieser Maßnahmen auf bestehende Anlagen, wie beispielsweise Bäume, werden noch geprüft, hieß es.
Auch die Zugänglichkeit des Wohnmobilstellplatzes und des Kiosks soll erhalten bleiben. Andreas Klaus schlug vor, Übergänge oder mobile Hochwasserschutzmaßnahmen wie ein Deichtor einzurichten. Am Kiosk könnte eventuell eine Plattform als Schutzmaßnahme dienen.
Baubeginn in drei Jahren
Abschließend gab Klaus einen zeitlichen Ausblick: Die Genehmigungsplanung soll bis Mitte 2025 abgeschlossen sein. Danach folgt eine etwa einjährige Genehmigungsphase, so dass ab Mitte 2027 mit der Ausführungsplanung und dem Bau begonnen werden kann.