Vor zwei Jahren erinnerte anlässlich des Weltfrauentags eine Kunstinstallation auf dem Alten Markt an das Thema der Gewalt gegen Frauen. Die Mitarbeiterinnen des Autonomen Frauenhauses sehen die Gesellschaft in der Pflicht. (Archivfoto) Foto: Adrian Steineck

Die Mitarbeiterinnen des Autonomen Frauenhauses plädieren dafür, die Täter stärker zur Verantwortung zu ziehen.

Gewalt gegen Frauen sei bis heute ein „strukturelles Problem“ der Gesellschaft, hielten Caro Throm und Lina Faller beim Pressegespräch des Autonomen Frauenhauses Lörrach fest. Auf diese Tatsache machten die Frauenhaus-Mitarbeiterinnen im Jubiläumsjahr, in dem das 1985 eröffnete Frauenhaus sein 40-jähriges Bestehen feiern konnte, öffentlich aufmerksam.

 

Am 25. November, dem internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, stellten sie eine rote Bank in der Lörracher Innenstadt auf. Die Bank trägt die Aufschrift „Kein Platz für Gewalt gegen Frauen“ und Hinweise auf Hilfsangebote. Am 8. März, dem Internationalen Frauentag, erinnerten sie mit der Aktion „Rote Schuhe“ an die hohe Zahl der Femizide, also der gezielten Tötung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts, in Deutschland. Im Februar beteiligten sie sich am Verdi-Streik für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen gerade auch für Frauen in Pflege- und Fürsorge-Berufen.

Digitale Gewalt nimmt zu

Auch digitale Gewalt gegen Frauen sprachen Caro Throm und Lina Faller beim Pressetermin an. Junge Leute, für die es normal sei, per Handy ihren Standort zu teilen, würden die Gefahr der Überwachung unterschätzen: Gewalttäter würden Frauen oft durch Tracking verfolgen. Behörden wie Polizei und Jugendamt müssten Klagen von Frauen über digitale Verfolgung ernst nehmen, um körperliche Übergriffe durch den Täter zu vermeiden, appellierten sie.

Um Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen, müssen vor allem die Täter stärker zur Verantwortung gezogen werden. Darauf legten Caro Throm und Lina Faller Wert: Bislang fehlten Angebote, bei denen den Tätern ihr Verhalten bewusst gemacht werde.

Gefordert sei aber die Gesellschaft insgesamt: Die Haltung des Wegsehens müsse aufhören. Alle Männer müssten ihre Privilegien überdenken. Bildung, Geschlechtersensible Erziehung und Zivilcourage seien wichtig, außerdem eine Gesetzgebung nach dem Vorbild des „Spanischen Wegs“ und der Istanbul-Konvention zum Schutz von Frauen vor Gewalt, forderten die Beiden.

Angebote für Kinder fehlen

Laut dem spanischen Gesetz zur sexuellen Selbstbestimmung dürfen sexuelle Handlungen nur im Einvernehmen stattfinden nach dem Motto „Nur Ja heißt Ja“. Es regelt umfassend, was als sexueller Übergriff strafbar ist von der Belästigung bis hin zu sexueller Erpressung in den „Sozialen Medien“.

Für Kinder, die in ihrer Familie Gewalt erfahren hätten, fehlten bislang Angebote außerhalb des Frauenhauses, bedauerten Throm und Faller. Viele seien traumatisiert. Außerdem sei es wichtig, dass diese Kinder – die nächste Generation – andere Wege der Konfliktlösung kennen lernen.

Seit der Eröffnung des Frauenhauses im Jahr 1985 hat die Gewalt gegen Frauen nicht abgenommen - was gibt Caro Throm und Lina Faller trotzdem die Kraft, weiterzumachen? Die zunehmende Wertschätzung ihrer Arbeit bei den lokalen Medien und Behörden, zählen sie auf. Weiter nennen sie die Arbeit mit den Kolleginnen und vor allem mit den Bewohnerinnen des Frauenhauses, die den Schritt aus einer gewalttätigen Situation hinaus gewagt haben, „sei es nur für eine Nacht oder für immer.“