Eine Erkrankung mit dem Hantavirus ist meldepflichtig. Gerade bei leichten Verläufen werden Infektionen aber gar nicht unbedingt diagnostiziert (Symbolfoto). Foto: ©crizzystudio - stock.adobe.com

Seit das Hantavirus auf dem Kreuzfahrtschiffs MV Hondius ausbrach und drei Passagiere starben, sind viele Menschen verunsichert. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Auf dem Kreuzfahrtschiffs MV Hondius ist das Hantavirus ausgebrochen. Drei Menschen sind gestorben, weitere mit dem Virus infiziert. Droht nun eine neue Pandemie oder ist alles nur Panikmache?

 

Das Landratsamt Calw und der Klinikverbund Südwest erklären, wie sich eine Erkrankung erkennen lässt, wie man sich schützen kann – und geben für die Region Entwarnung.

Was ist das Hantavirus?

Hantaviren sind behüllte RNA-Viren, schreibt das Robert-Koch-Institut (RKI). Der Name bezieht sich auf den koreanischen Fluss Hantan-gang.

Während des Koreakriegs erkrankten dort mehrere Soldaten erstmals an dem Virus. Seither hat es sich weltweit verbreitet und mehrere Typen herausgebildet. Diese trennen sich geografisch ab. Denn sie werden jeweils von unterschiedlichen Nagetieren übertragen.

In Asien herrscht der HTNV-Typ vor. Den SEOV-Typ soll es weltweit geben. In Nordamerika kommt vor allem der SNV-Typ vor, in Südamerika der ANDV-Typ. An letzterem sind auch manche Passagiere auf dem Kreuzfahrtschiff erkrankt.

In Deutschland herrschen die Typen PUUV, im Süden und Westen, sowie DOBV im Norden und Osten vor. Auch der TULV kommt laut RKI vor. Diese Variante mache aber selten krank.

PUUV werde vor allem über die Rötelmaus übertragen, die deutsche DOBV-Variante über die Brandmaus.

Wie kann man sich anstecken?

„Die Viren werden über Speichel, Urin und Kot der Tiere ausgeschieden und können in getrockneter Form längere Zeit in der Umwelt überleben“, erklärt der Pressesprecher des Klinikverbund Südwest Lukas Schult.

Eine Ansteckung erfolge meist durch das Einatmen von aufgewirbeltem Staub, beispielsweise bei Gartenarbeiten, beim Reinigen von Kellern, Schuppen, Dachböden oder Holzlagern. Auch der Kontakt verletzter Haut mit kontaminiertem Material oder verunreinigte Lebensmittel könnten ein Infektionsweg sein.

Beim ANDV-Typ ist auch die Übertragung von Mensch zu Mensch möglich.

Welche Symptome löst eine Erkrankung aus?

Die Symptome unterscheiden sich je nach Virus-Typ. „Häufig beginnt die Erkrankung mit grippeähnlichen Beschwerden wie hohem Fieber, Kopf-, Rücken- und Bauchschmerzen sowie starker Abgeschlagenheit“, so Schult zu den in Deutschland vorkommenden Varianten. Auch Übelkeit, Durchfall, Schüttelfrost oder Schwindel könnten auftreten.

In schwereren Fällen könne es zu Funktionsstörungen verschiedener Organe kommen, insbesondere der Nieren. Seltener seien auch Leber- oder Herzbeteiligungen möglich. Bei anhaltendem hohem Fieber oder starken Beschwerden empfiehlt Schult, ärztlichen Rat einzuholen, insbesondere wenn zuvor Kontakt zu möglichen Nagetierausscheidungen bestand.

Laut der Pressesprecherin des Landratsamtes Mara Müssle verursachten die in Amerika vorkommenden Virustypen hingegen eher das (Kardio)-Pulmonale Syndrom, also akute Atemprobleme.

Wie hoch ist das Risiko?

Im letzteren Fall liege die Sterblichkeit bei 25 bis 40 Prozent, so Müssle. Allerdings sei das Risiko bei den anderen Hantavirus-Varianten eher gering. „Die Sterblichkeit bei den in Deutschland vorkommenden Hantaviren ist eher niedrig. Beim Puumala-Virus liegt sie unter 0,1 Prozent“, sagt die Sprecherin.

Wie ist die Situation im Kreis Calw?

„Das auf dem Kreuzfahrtschiff gefundene Andesvirus kann man in Deutschland nicht bekommen“, beruhigt Müssle.

Bei den anderen Virusvarianten seien die Fallzahlen gering: „Im Kreis Calw wurden in den letzten zwei Jahren keine Hantavirus-Fälle gemeldet.“

In Baden-Württemberg gebe es in diesem Jahr bisher knapp 20 Fälle. Die Zahlen bewegten sich auf Vorjahresniveau. Die Zahlen schwanken je nach Jahr aber stark.

2021 habe es in Baden-Württemberg knapp 1200 Fälle gegeben, so Müssle. 2022 seien nur 38, 2023 dann 66, 2024 knapp 250 und 2025 wieder nur 69 Hantavirus-Infektionen registriert worden.

Müssle erklärt die Schwankungen mit dem Nahrungsangebot für die Rötelmaus, die der Hauptüberträger hierzulande ist. Alle drei bis sechs Jahre komme es zu einer Buchenmast. Dann gebe es in den Wäldern besonders viele Bucheckern. Die Rötelmaus vermehrt sich stark. Das Risiko steigt.

Eine Erkrankung ist meldepflichtig. Allerdings, so Müssle, würden wohl nicht alle Fälle erfasst. Denn bei leichten Verläufen werde meist vermutlich gar keine Infektion diagnostiziert.

Wer ist besonders gefährdet?

„Grundsätzlich kann eine Hantavirus-Infektion Menschen jeden Alters treffen“, sagt Schult. In Deutschland seien jedoch vor allem Männer zwischen 30 und 49 Jahren betroffen. Dies hänge damit zusammen, dass Männer häufiger in Land- und Forstwirtschaft tätig und dadurch einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt sind, schreibt das Landwirtschaftsportal Proplanta.

Kinder erkranken vergleichsweise selten, so Schult. Ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe bestehe insbesondere für ältere Menschen, immungeschwächte Personen oder Menschen mit schweren Vorerkrankungen. Allerdings kämen diese Personengruppen oft seltener mit virusbelastetem Staub oder kontaminierten Bereichen in Kontakt.

Wie kann man sich schützen?

„Der wichtigste Schutz besteht darin, den Kontakt mit Ausscheidungen von Nagetieren möglichst zu vermeiden“, erklärt Schult.

Räume wie Keller, Garagen, Schuppen oder Dachböden sollten vor der Reinigung gut gelüftet und nicht trocken ausgekehrt werden, um das Aufwirbeln von Staub zu verhindern. Er empfiehlt, feucht zu reinigen und dabei gegebenenfalls Handschuhe und eine Atemschutzmaske zu tragen.

„Natürlich sollte man potenziell kontaminierte Nahrungsmittel auch nicht zu sich nehmen und eine entsprechende Händehygiene wahren“, ergänzt Müssle.

Sind die Kliniken vorbereitet?

„Der Klinikverbund Südwest ist grundsätzlich gut auf die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit infektiösen Erkrankungen vorbereitet“, sagt Schult. An allen Standorten gebe es etablierte Hygienekonzepte und Isolationsmöglichkeiten, auch in Calw und Nagold.

„Gleichzeitig ist wichtig einzuordnen, dass Hantavirus-Infektionen in Deutschland insgesamt selten auftreten und nur in wenigen Fällen eine stationäre Behandlung erforderlich machen“, entwarnt Schult.