Nach den Sachbeschädigungen zum Jahreswechsel hat der Gemeinderat der Stauseestadt beschlossen, dass an Silvester im Ortskern kein Feuerwerk mehr abgebrannt werden darf.
Als erste Kommune im Zollernalbkreis verhängt Schömberg ein komplettes Böllerverbot in seiner Altstadt. Anlass dafür waren Beschwerden von Anwohnern des Marktplatzes über Schäden, die in der Silvesternacht mittels Feuerwerkskörpern und -raketen an ihren Gebäuden angerichtet worden sind.
Schömbergs Ordnungsamtsleiterin Sabine Neumann hielt in der jüngsten Gemeinderatssitzung fest, während des Jahreswechsels 2024/2025 habe es deutlich mehr Schäden gegeben als in früheren Jahren. Die Gebäudeeigentümer klagten: „Irgendwas muss passieren. Wir wissen nie, wann das Haus abbrennt.“
Ein Foto zeigte ein Beispiel für die Vorfälle: Ein Knallkörper hat eine Fensterjalousie zerfetzt, Schwarzpulverschmauch klebt an der Scheibe. „Angesichts solcher Bilder“, kommentierte Bürgermeister Karl-Josef Sprenger, „fragt man sich schon, was die Leute sich dabei denken.“
Ob dieser und weitere Schaden mutwillig verursacht wurden oder „nur“ zufällig waren, ist schwer zu beweisen. Unter den Mitgliedern des Gemeinderats herrschte in der Diskussion aber Einigkeit in ihrer Unterstützung für die Betroffenen.
Auch teils persönlichen Beobachtungen nach sind an Silvester vorwiegend Jugendliche zugange gewesen, die Sachschäden billigend in Kauf genommen haben. Ein Wunder sei, dass noch niemand verletzt worden ist.
Von Rottweil, Tübingen und Reutlingen lernen
Deshalb wurde einstimmig eine Änderung der Altstadtsatzung beschlossen: Ab Silvester 2025 soll ein vollständiges Feuerwerksverbot gelten, das über die allgemeinen gesetzlichen Regeln hinausgeht.
Die Ordnungsamtsleiterin stellte allerdings die Frage in den Raum, wie diese Regelung umgesetzt, kontrolliert und durchgesetzt werden soll. Die Stadt selbst sei dazu nicht in der Lage, das zentrale Problem dabei die Überwachung: „Das kann sicher nicht der Gemeindevollzugsdienst, die Polizei oder die Feuerwehr machen.“
Die Verwaltung will sich nun bei Kommunen informieren, die bereits ein Böllerverbot angeordnet haben, wie diese das machen und welche Kontrollmechanismen erforderlich sind. Als Beispiele könnten etwa Rottweil, Tübingen oder Reutlingen dienen.
Wie das im beschaulichen Schömberg klappt, wird sich am 31. Dezember in der Praxis zeigen. Auf eines können die Einwohner der Stauseestadt aber schon jetzt stolz sein: Ihre gewählten Vertreter nehmen ihre Anliegen nicht nur ernst, sondern handeln auch.
Was sagen die Gemeinderäte?
Marc Schwarz erinnerte an einen Zwischenfall vor einigen Jahren, als ein durch Feuerwerk verursachter Brand in einem Blumenkasten gerade noch gelöscht werden konnte, bevor das Feuer auf die Fassade übergriff. Er kritisierte den fahrlässige Umgang mit Böllern heftig: „Sachschaden ist das eine, Verletzungen sind das andere.“
Frank Polich bestätigte die Beobachtungen der Anwohner des Marktplatzes am Silvesterabend: Schon um 20 Uhr habe man Sorge gehabt, überhaupt über den Platz zu gehen. „Jeder Anwohner hat da meine Unterstützung. Wir sollten das Böllerverbot angehen.“ Er erhofft sich dadurch vor allem eine bessere juristische Handhabe bei Beschädigungen.
Andreas Sauter hatte Bedenken, ob Gemeindemitarbeiter überhaupt etwas ausrichten können. Trotzdem plädierte er: „Wir müssen etwas tun. Feuerwerksverbot, Betretungsverbot - dann kann uns niemand vorwerfen, dass wir nichts gemacht haben.“
Schörzingens Ortsvorsteher Tommy Geiger unterstützte die Sorge mancher Gremiumsmitgliedern, dass ein räumlich begrenztes Verbot nur ein Weiterwandern bewirken könnte: Man dürfe die Maßnahmen nicht auf wenige Plätze beschränken, sondern müsse alle Möglichkeiten ausschöpfen.