Der Abriss und Neubau der Lammerbergrealschule wird erheblich teurer – zu teuer, wie die CDU-Fraktion im Gemeinderat findet. Quelle: Unbekannt

20 Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant kostet die Sanierung des Schulzentrums Lammerberg nach aktuellem Stand. Überplanen, in der Hoffnung auf eine Preissenkung oder durchziehen, so schnell es geht?

Albstadt-Tailfingen - Dass der Neubau der Lammerbergrealschule nicht günstig werden wird, das ist bekannt. Doch in der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend nannten Hans-Ulrich Kilian und Alice Botzian vom Stuttgarter Architektenbüro Kilian und Partner neue Zahlen, bei denen es den Gemeinderäten schwindelig wurde. Die gesamte Sanierung des Schulzentrums Lammerberg, das in zwei Teilprojekte unterteilt ist – die Erneuerung des Progymnasiums sowie der Abriss und Neubau der Realschule plus drei Einfeldhallen – wurde ursprünglich mit 52 Millionen Euro veranschlagt. Nun stehen unter dem Strich aber schon 70 Millionen Euro.

Die Rohstoffpreise sind explodiert

Die Sanierung des Progymnasiums nebst Umbau der Sporthalle zur Mensa ist fortgeschritten; die Fertigstellung ist für Frühsommer geplant – wegen der Coronapandemie und Lieferschwierigkeiten allerdings später als ursprünglich festgesetzt. Und auch die Baukosten machen Probleme, vor allem die Rohstoffpreise sind derweil explodiert. Botzian korrigierte die Kostenrechnung von 28,7 Millionen Euro für den ersten Bauabschnitt nach oben: Nachdem die Nachträge der involvierten Baufirmen eingegangen sind, liege die aktuelle Hochrechnung bei 30,75 Millionen Euro – Mehrkosten von gut zwei Millionen Euro beziehungsweise sieben Prozent. Doch laut Architekt Kilian sei man in puncto Progymnasium noch mit einem blauen Auge davongekommen.

Lammerbergrealschule kostet 14,6 Millionen Euro mehr

Der fatale Preissprung hingegen liegt nämlich im zweiten Bauabschnitt, dem Abriss und Neubau der Realschule inklusive dreier Einfeldhallen. 40 Millionen Euro stehen da mittlerweile im Raum – 14,6 Millionen Euro zusätzlich zu den veranschlagten Kosten von 26,4 Millionen Euro.

"Ich habe so etwas noch nie erlebt", erklärte der erfahrene Architekt. Die Preissteigerung im Bausegment liege aktuell bei rund 30 Prozent binnen eines Jahres. Allein drei Millionen Euro der Mehrkosten ließen sich aber auf die wiederholte Verschärfung der Erdbebennormierung zurückführen. Ursprünglich waren die zwei Vollgeschosse in Holzbauweise geplant, doch nun müssten sämtliche statisch relevanten aussteifenden Bauteile in teurerer Stahlbetonbauweise erfolgen; hinzu kämen auch energietechnische Veränderungen, die auf der aktuellen Energiesituation fußen.

Kein Geld mehr für andere Projekte

Die CDU-Fraktion wollte diese Mehrkosten so nicht hinnehmen und stellte einen entsprechenden Antrag. Mit Blick auf die anstehenden Haushaltsberatungen befürchtet Fraktionsvorsitzender Roland Tralmer durch die enormen Kostensteigerungen Einschränkungen des finanziellen Spielraums für anderweitige, ebenfalls wichtige Maßnahmen; die entsprechende Zusatzverschuldung bei steigenden Zinsen täten ihr Übriges. Zudem bekundete er seinen Vertrauensverlust in die Bauverwaltung, da der Gemeinderat in der Vergangenheit einigen Projekten mit günstigeren Konditionen zugestimmt hat, als die Abrechnung am Ende zeigte. "Wir erwarten eine nochmalige Prüfung aller Aspekte, um eine erhebliche Kostenreduzierung herbeizuführen", resümierte der Fraktionsvorsitzende. Und das sollte möglichst schnell erfolgen. Die CDU-Fraktion erwartet Ergebnisse bis zum Frühjahr, um sie in der Gemeinderatssitzung am 2. Februar zu diskutieren.

Standardausstattung und kein Luxus

Einsparpotenzial, das konnte Baubürgermeister Udo Hollauer schon vorweg sagen, gebe es kaum. Der Grundriss sei schon kompakt und wirtschaftlich geplant, man setze auf die Standardausstattung und verzichte auf jeglichen Luxus. Lediglich in Kleinigkeiten, beispielsweise im Außenbereich, könnte man sparen. Doch das seien Peanuts in so einer Größenordnung. Oberbürgermeister Klaus Konzelmann sieht nur nennenswertes Einsparpotenzial, wenn man anstatt drei, nur zwei Einfeldhallen baut. "Aber damit würden wir unseren Vereinen in der jetzigen Hallensituation schaden", stellte er klar. "Wir müssen weitermachen, Stillstand wäre in diesem Fall ein Rückschritt." Eine Überplanung bis zum Februar zu realisieren, das sei nicht nur ambitioniert, sondern gar unmöglich. Konzelmann rechnet vielmehr mit einer Verzögerung von zwei Jahren, der Architekt mit mindestens einem halben Jahr. Sowohl Konzelmann und Hollauer als auch Kilian beteuerten, dass man kontinuierlich bemüht sei, Kosten zu optimieren.

Am Ende steht ein Kompromiss

In den Statements der Fraktionen zeigte sich, dass diese durchaus geteilter Meinung sind. Guten Gewissens könne keiner den hohen Mehrkosten zustimmen. Die einen kündigten an, es nicht zu tun, die anderen zähneknirschend, weil es voraussichtlich nicht günstiger wird, das Gebäude aber gebraucht werde.

Am Ende der zweieinhalbstündigen Diskussion stand ein Kompromiss: Man einigte sich darauf, den Beschlussvorschlag der Verwaltung zu modifizieren und den Antrag der CDU-Fraktion zurückzunehmen, mit dem Ziel, keine Zeit zu verlieren und dennoch die Kosten im Blick zu behalten und idealerweise zu senken. Damit konnten fast alle Stadträte leben: Mehrheitlich stimmten sie zu, dass die Planung fortgeführt und mit einem Kostencontrolling unter Einbeziehung des Gemeinderats im ersten Quartal 2023 begleitet wird.