Die geplante Bildungsreform der Landesregierung wird sich auch auf das Schulzentrum Pfalzgrafenweiler auswirken. (Archivfoto) Foto: Schulzentrum

An der Grund- und Werkrealschule Pfalzgrafenweiler steigt die Schülerzahl – und auch der Bedarf an ehrenamtlichen Lesepaten. An der Realschule gibt es ein anderes Problem, wie in den Berichten der Schulleiter im Gemeinderat deutlich wurde.

Die aktuelle Lage an der Grund- und Werkrealschule (GWRS) Pfalzgrafenweiler beleuchteten in der jüngsten Gemeinderatssitzung Rektor Lars Waffenschmidt und Konrektorin Michaela Schlünder. Waffenschmidt erfreuen die steigenden Schülerzahlen. Aktuell besuchen 407 Schulkinder die GWRS, davon 289 in zwölf Klassen der dreizügigen Grundschule und 118 in fünf Klassen der einzügigen Werkrealschule. 25 beziehungsweise 28 Schüler besuchen die große fünfte beziehungsweise sechste Klasse. 22 Schulkinder kommen aus Waldachtal, weitere 14 aus Spielberg und Egenhausen.

 

Die Vorbereitungsklasse der Grundschule besuchen aktuell 14 Schüler aus Ländern wie Syrien und Afghanistan. Konrektorin Michaela Schlünder sprach über das Bildungsproblem, insbesondere bezüglich der Lesekompetenz, da der Standard beim Lesen nicht erreicht sei. Im vergangenen Jahr unterstützten neun ehrenamtliche Lesepaten das Lesen in den ersten beiden Grundschulklassen. „20 Lesepaten wären toll“, so Schlünder.

Im laufenden Schuljahr werde in allen Klassenstufen von eins bis neun eine zusätzliche Mathe-Förderstunde angeboten. Das Förderprogramm „Lernen mit Rückenwind“ läuft zum Schuljahresende aus. Umgesetzt wurden mit Unterstützung von Kooperationspartnern eine Kunst-AG, Anfängerschwimmen in den Klassen zwei bis vier, Chor-AG und Bläserklasse. Mit den Vereinen wird eine Tennis- und eine Fußball-AG angeboten. Die Erstklässler erhalten eine musikalische Grundausbildung.

Schulgarten wird erweitert

An der Werkrealschule läuft seit einigen Schuljahren bereits die Berufsorientierung mit Kooperationspartnern. Wichtig ist aus Sicht von Schlüter auch die Gründung eines Schülerparlaments für die Grundschüler als Pendant zur SMV ab Klasse fünf. Zusammengehörigkeit wird deutlich durch einheitliche Shirts für die Grundschüler und Hoodies für die Werkrealschüler.

Der Schulgarten wurde im Frühsommer 2023 umgestaltet und besteht inzwischen aus mehreren Hochbeeten, Insektenhotels, einer Hütte, einem Bodenbeet, einem Teich sowie einem grünen Klassenzimmer und einer mobilen Grillstelle. Die Schulgarten-AG kümmert sich um das Pflanzen, Pflegen und Ernten. Im Berufsorientierungsprojekt KooBO werden Baumaßnahmen wie Igelhotel, Neuanlage eines Wegs und einer Erdbeerpyramide übernommen. Drei Bienenvölker samt Bienenweide werden von der Bienen-AG betreut. Im Frühjahr soll der Schulgarten erweitert werden. Geplant sind ein Gewächshaus, eine Benjeshecke, ein Steinwall, eine Kräuterspirale und ein Brotofen. Hinzukommen sollen ein weiteres Bodenbeet, ein Hühnerstall und Obstbäume.

50 Prozent starten in Beruf

Schulleiter Waffenschmidt freut es, dass rund 50 Prozent der Werkrealschüler nach Beendigung ihrer Schulzeit eine Ausbildung starten. Auf Nachfrage aus dem Gemeinderat ergänzte Konrektorin Schlünder, dass das zehnte Schuljahr an der Werkrealschule an Attraktivität verloren habe. Wegen des großen Ausbildungsplatzangebots wollten die jungen Menschen arbeiten gehen, ergänzte Waffenschmidt.

Mit Blick in die Zukunft hofft die Schulleitung auf die Stärkung und den Erhalt der Werkrealschule sowie die weiterhin gute Zusammenarbeit mit der Realschule. Stärkung der Basiskompetenzen, Digitalisierung und KI sowie Demokratiebildung wurden ebenso als Ziele aufgeführt wie die Nutzung von Mehrsprachigkeit der Schüler. Neue Tische und Stühle seien für den Pavillon vorgesehen, die Zahl der iPads soll steigen. In diesem Schuljahr wird ein Frühlingsfest mit Sponsorenlauf stattfinden. Im nächsten Schuljahr ist ein Zirkusprojekt, bei dem alle Schüler mitwirken, geplant.

Die Lage an der Realschule

An der Realschule Pfalzgrafenweiler werden aktuell 309 Schüler in 13 Klassen von 22 Lehrkräften unterrichtet. Ein Lehrermangel bestehe, so Rektor Marco Held in seinem Bericht, im Fach Musik, wodurch in den Klassen fünf und sechs aktuell kein Musikunterricht stattfinden kann.

Mit 49 Fünftklässlern konnten die Anmeldezahlen auf einem stabilen Niveau gehalten werden. 40 Schüler absolvierten in den vergangenen beiden Jahren erfolgreich den Realschulabschluss. Die Einrichtung eines schuleigenen Servers stehe unmittelbar bevor, und in den Jahren 2026 bis 2031 sollen sukzessive alle 14 Klassenräume der Realschule mit neuen Tischen und Stühlen ausgestattet werden, so Held.

Appell an die Eltern

Held erläuterte die zum Schuljahr 2025/26 vom Kultusministerium skizzierte Bildungsreform. Laut Gesetzesentwurf soll die Orientierungsphase an der Realschule um ein Jahr verkürzt, auf das fünfte Schuljahr begrenzt werden. Danach entscheide die Leistungsfeststellung, wer ab der Klassenstufe sechs auf Hauptschul-Niveau (G-Niveau) oder mittleren M-Niveau, das zum Realschulabschluss führt, weiterlernt.

Aus Helds Sicht sind Schüler auf dem grundlegenden G-Niveau an der Realschule „Versuchskaninchen“ und könnten Opfer der Bildungsreform werden. Da bislang nur drei junge Menschen auf diesem Niveau unterrichtet wurden, seien die Kinder besser in der GWRS aufgehoben. Um ein Scheitern der Kinder zu vermeiden, appellierte er an die Eltern, „eine vernunftorientierte Entscheidung“ zu treffen.

Schulverbund mit GWRS nicht gewollt

Held erläuterte auch die mögliche Option eines Schulverbunds. Das würde bedeuten, dass es in Werkrealschule und Realschule nur noch eine Leitung und ein Kollegium gibt. Dies, so Held, finde von Realschulseite keine Mehrheit. Ergänzend sprach er über die Möglichkeit, mit einer anderen Realschule in zumutbarer Erreichbarkeit zu kooperieren. Die Realschulen sollten sich darauf verständigen, an welchem Standort künftig auf beiden Niveaus (G und M) unterrichtet und wo nur das M-Niveau angeboten werde.

Zur Frage von Susanne Kolenko (FWV) zum Wegfall des Musikunterrichts verwies Held auf die zurückgegangene Attraktivität des Lehrerberufs. Rechtsansprüche auf Unterricht könnten nicht erfüllt werden, wenn Lehrkräfte fehlen. Lehrerstellen in künstlerischen Fächern seien in der Stadt begehrter als auf dem Land.