Bei Schildern der Schulweghelden – hier an der Ecke Laiblache/Humboldtstraße – können sich Kinder treffen und gemeinsam bis zur Schule gehen.  Foto: Gern

Der Kreis zahlt nicht mehr für die Schülerbeförderung aus Thanheim nach Bisingen. Für die Leiterin der Bisinger Grundschule, Nicole Heyder, ein Unding: "Die Sicherheit muss im Vordergrund stehen."

Bisingen - Der Ton wird rauer: Nachdem der Landkreis die Zahlungen für die Beförderung der Schüler eingestellt hat, melden sich immer neue Beteiligte zu Wort. Aus dem Gemeinderat kommt Unverständnis – es ist so groß, dass die Gemeinde für das laufende Schuljahr selbst einspringt und die Kosten übernimmt.

 

Landratsamt und Polizeipräsidium Reutlingen schätzen den Schulweg als sicher ein. Für Rektorin Heyder nicht nachvollziehbar: "Ich finde die Straße viel zu gefährlich", sagt sie über die L 360. "Stellen Sie sich mal vor, dort sind Kinder mit kleinem Roller unterwegs, Erstklässler laufen dort entlang. Ich bin in Sorge." Zahlreiche Lkw, die Geschwindigkeit von 70 Stundenkilometern: Das passe nicht zu einem sicheren Schulweg. "Ob die Eltern selbst die Kosten für die Beförderung tragen würden, ob sie ihre Kinder bringen, ob die Schüler zu Fuß zur Schule gehen oder ob der Bus sie fährt: Das weiß ich nicht."

Schulweghelden, um den Verkehr zu beruhigen: "Und dann kommt so eine Entscheidung"

Heyder betont, nicht mehr Verkehr rund um die Schule sei das Ziel, sondern weniger. "Wir haben extra die Schulweghelden-Aktion gegen Elterntaxis gestartet. Und dann kommt so eine Entscheidung – das unterstützt nicht gerade." Schulweghelden sind Symbolfiguren für alle Bisinger Kinder, die zu Fuß zur Schule gehen oder mit dem Bus zur Schule fahren. Treffen sich die Kinder um 7:50 Uhr an den Schildern, die kleine Helden zeigen, und gehen dort gemeinsam los, kommen sie gegen 8 Uhr auf dem Schulhof an – kurz vor Unterrichtsbeginn. Diese Schüler können für ihre Wege Stempel einsammeln und dafür Belohnungen erhalten.

"Lassen Sie die Kinder da mal laufen, einer läuft vom Bordstein: Das ist mein Horrorszenario"

Auch im Schulwegeplan für Bisingen wird deutlich, dass zu viele Fahrten rund um die Schule vermieden werden sollen. Dort heißt es unter anderem: "Wenn Sie Ihre Kinder unbedingt bringen/holen müssen, benutzen Sie den Parkplatz entlang der Einbahnstraße vor der Schule."

Die Gemeinde hatte vor der Entscheidung zur Schülerbeförderung selbst massive Bedenken angemeldet. Die Stichworte lauteten Schwerlastverkehr, eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern sowie Zu-/Ausfahrten von Gewerbebetrieben. Es half nichts: Eine besondere Gefahrenlage wurde nicht erkannt.

Heyder aber sagt: "Der Schulweg ist nicht ungefährlich. Auch, wenn es dunkel ist. Lassen Sie die Kinder da mal laufen, einer läuft vom Bordstein: Das ist mein Horrorszenario."

Laut Bürgermeister Roman Waizenegger nutzen etwa 40 Schüler das Angebot, aus Thanheim mit dem Bus zur Schule zu kommen. "Wir bieten sogar ein Bustraining an", berichtet Heyder. In Klasse eins seien es die Kinder noch nicht gewohnt, mit dem Bus zu fahren. "Wir weisen auf Gefahrenpunkte hin und schauen: "Wie verhält man sich im Bus?" Das Fazit der Schulleiterin: "Ich wäre dankbar, wenn die Kinder weiter mit dem Bus fahren."

Der Ball liegt nun beim Landratsamt, das vor Kurzem mitteilte: Der Austausch mit der Gemeinde Bisingen laufe; möglicherweise komme es zu einer Neubewertung.