Vorbereitet wurde der Tag in Frommern von Lucien Smarsly vom Landesjugendbeirat sowie den Lehrkräften Sandra Ade-Heiner und Fabian Kaupp. Ebenso wie die Gäste unterstrichen sie die Bedeutung der Jugendbeteiligung. Foto: Andrea Maute

Was bewegt junge Menschen? Was sind ihre Wünsche, Forderungen und Anliegen? Eine Jugendkonferenz am Schulverbund Frommern gab Aufschluss.

Die Jugend von heute interessiert sich nicht für Politik und hat allgemein wenig Motivation, Dinge in der Gesellschaft zu verändern? Weit gefehlt! Lässt man junge Menschen zu Wort kommen, schenkt ihnen ein offenes Ohr und nimmt sie – vor allem – ernst, dann kann dieses Klischee rasch widerlegt werden.​

 

Die Jugendkonferenz, die als Format des Kultusministeriums am Schulverbund Frommern veranstaltet wurde, hat genau das getan: Sie hat Schülern eine Stimme gegeben, sie zu Wort kommen lassen. Doch all das wäre wirkungslos ohne die Adressaten, die ihnen aufmerksam zuhören.

Denn ihre Wünsche und Forderungen haben die Achtklässler anschließend nicht nur an die Schule weitergegeben, sondern auch an Vertreter des Landkreises und der Stadt Balingen – konkret an Landrat Günther-Martin Pauli, Oberbürgermeister Dirk Abel, Bürgermeister Ermilio Verrengia, Ortsvorsteher Stephan Reuß und Jochen Brendle vom Kinder- und Jugendbüro.

Nach der World-Café-Methode

Eine Halle, viele Tische. Jeder von ihnen mit weißen Papierbahnen bestückt. Einfach mal zum Stift greifen und den Weißraum mit Ideen und Gedanken füllen? Was sonst undenkbar wäre, ist bei der World-Café-Methode, nach der die Jugenddiskussion durchgeführt wurde, sogar ausdrücklich erwünscht. Die Intention, die dahintersteckt: (Junge) Menschen zusammenbringen und in „Caféhaus-Atmosphäre“ eine Diskussion anstoßen, im Laufe derer sich die Teilnehmer Aspekte der Gespräche auf den Tischdecken notieren.

Bevor der Austausch seinen Anfang nahm und zum Stift gegriffen wurde, gab es im Rahmen des soganannten Speed-Cafés einen Überblick über die Themen, die anschließend im Deep-Café, wie der Name schon sagt, vertieft wurden.

Die Stadt gemeinsam gestalten

Was haben die Schüler im Hinblick auf Bereiche wie Jugendbeteiligung, Demokratie und Staat, Politik, Wirtschaft, Beruf, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sowie Schule, Bildung, Sicherheit und eine attraktive Stadt auf dem Herzen? In der von den Schülersprechern Giulietta Klatt und Nico Tscheschlock moderierten Runde kam dies buchstäblich auf den Tisch. Unter anderem wurde etwa der Wunsch nach einem Schulstart um 8 Uhr laut. Ebenfalls auf der Liste: Spezielle Sitzungen für Jugendliche und mehr Entscheidungsrechte. Der Gedanke an einen Jugendgemeinderat ist in der Eyachstadt indes nicht neu. Wie Dirk Abel zu bedenken gab, seien die Zeiten für Kommunen momentan allerdings schwierig und Ressourcen für ein weiteres Gremium nicht vorhanden. Er ermunterte die Schüler jedoch ausdrücklich, in die Sitzungen des Gemeinderats zu kommen, der – ebenso wie der Ortschaftsrat – viel für die Jugend tun könne. Dass das Mitentscheiden von Jugendlichen in Balingen kein Fremdwort ist, machte Ermilio Verrengia deutlich, der an die Planung des Jugendhauses erinnerte. Das „Leuchtturmprojekt“ in den Eyachauen sei im Rahmen einer beispielhaften Jugendbeteiligung entstanden, ebenso ein weiteres „sehr erfolgreiches“ Beteiligungsprojekt, das Stephan Reuß hervorhob: der Dirtpark in Frommern.

Und auch künftig soll die Jugend sich einbringen dürfen; etwa, wenn der Spielplatz an der Schule in Frommern neu gestaltet wird. Im Zuge dessen könnte dort eine Aufenthaltsmöglichkeit für die Schüler entstehen – ein weiterer Wunsch der Achtklässler.

Was wäre, wenn der Unterricht an allen Schulen im Landkreis um 8 Uhr beginnen würde? Diese Frage stellte Günther-Martin Pauli in den Raum. „Dann hätten wir ein logistisches Problem“, konstatierte er. Denn an diesem Punkt hänge nicht weniger als der Busverkehr.

Kritischer Blick auf KI

Relativ kritisch, so wurde bei der Veranstaltung deutlich, stehen die Jugendlichen der Künstlichen Intelligenz gegenüber. Ein Pflichtfach, das über KI aufklärt und die Forderung, dass weniger Berufe durch sie ersetzt werden, standen deshalb ebenfalls auf der Liste. Künstliche Intelligenz als Hilfestellung, ja. Aber dabei das eigene Denken nicht vernachlässigen – das befürwortet auch Jochen Brendle. Ebenfalls ein Thema, das bei den Schülern hohe Priorität hat, ist eine kostenlose Busverbindung am Wochenende. „Wir würden das gerne machen, aber das kostet richtig Geld“, verdeutlichte der Landrat; Geld, das dann an anderer Stelle fehlen würde.

„Kommt auf uns zu“

Dass die Erneuerung der Schultoiletten ein berechtigtes Anliegen ist, darin waren sich alle einig. Allerdings mahnten die Gäste auch einen sorgsamen Umgang mit den Dingen an. Großes Verständnis hatten diese ebenfalls für den häufig geäußerten Wunsch nach mehr Klamottenläden für Jugendliche in der Innenstadt. Wie Dirk Abel wissen ließ, werde er diesbezüglich schon bald Gespräche führen und versuchen, etwas zu erreichen. Sich für die Anliegen der Jugendlichen einzusetzen – das verbindet alle, die in der Jugendkonferenz Rede und Antwort standen. „Wenn Ihr Ideen habt, behaltet sie nicht für Euch, sondern kommt auf uns zu“, wandte sich Jochen Brendle an die Schüler. Und auch Günther-Martin Pauli und Stephan Reuß ermunterten sie dazu, mit den Ansprechpartnern in ins Gespräch zu kommen. Denn „Eure Stimme“, machte Ermilio Verrengia deutlich, „ist wichtig für die Stadt.“