Welche Teile der Kuh kann man essen? Mit ­diesem Spielzeug will Design-Studentin Katharina Karras Kindern die Herkunft von Lebensmitteln erklären. Das Tier ist bei einem Projekt des ­Studiengangs Spiel- und Lerndesign an der Kunsthochschule Halle entstanden. Foto: Karras

Fleisch? Kommt aus der Tiefkühltruhe. Dass dafür Tiere sterben müssen, ist heute vielen Kindern nicht mehr klar – auch, weil die Eltern das Gespräch scheuen. Aber wie spricht man über eine Schlachtung? Darum geht es beim Schultag auf der Slow-Food-Messe.

Stuttgart - Ein Hammerschlag zur Be­täubung. Dann schneidet Landwirt Dirk Lingens dem Kaninchen die Kehle durch, zieht ihm das Fell über die Ohren und ­entnimmt die Innereien. Die Schlachtung passiert mitten auf dem Schulhof. Vor den ­Augen einer fünften Klasse. Im Rahmen eines Schulprojekts sollen die Elfjährigen aus Schleswig-Holstein lernen, dass Fleisch nicht aus der Tiefkühltruhe kommt. Deshalb wird das ­Kaninchen auch gemeinsam ­verspeist.

Landwirt Lingens hat mit diesem ­­Ex­periment vor zwei Jahren eine Welle der ­Empörung ausgelöst – die er bis heute nicht verstehen kann. „Ich wollte nur zeigen, dass unser Fleisch nicht von ­ano­nymen Tieren kommt und das Töten Teil unseres Alltags ist, wenn wir Fleisch essen wollen.“ Die Kinder waren freiwillig dabei, die ­meisten hätten die Schlachtung als ­spannend empfunden. „Eklig ist nicht das Schlachten. Eklig ist es, ein halbe Wurst wegzuwerfen, für die ein Tier sterben musste“, sagt ­Lingens.

Auch Pädagogin Lotte  Rose ist überzeugt davon, dass Essen für den Menschen wertvoller wird, sobald er weiß, ­welche Arbeit für seine Herstellung not­wendig war. „Metzger war früher nicht ­umsonst ein hoch angesehener Beruf. ­Damals wusste man noch, was für eine grausame Arbeit er verrichten muss“, sagt die Professorin für Kinder- und Jugendpädagogik an der Fachhochschule Frankfurt.

Rose will beim Schultag auf der Slow-Food-Messe am Freitag, 12. April, mit Lehrern, Schülern und Eltern darüber ins Gespräch kommen, wie man das Schlachten wieder mehr ins Bewusstsein holt. Die Schulhof-Schlachtung von Landwirt Lingens hält sie für einen guten Ansatz. „Wenn man Kindern erklärt, was dabei abläuft, können sie das meist gut verkraften. Früher waren bei den Hausschlachtungen auch Kinder dabei.“ Heute setzten sich aber auch viele Erwachsene nicht mehr mit der Realität von Massentierhaltung und Schlachtung auseinander. „Das macht ihnen Angst, und diese Ängste übertragen sie auf ihre Kinder.“

„Jüngere Kinder stecken das nicht weg“

Auch beim Schlachtexperiment auf dem Schulhof in Schleswig-Holstein waren es nicht die Kinder, die empört reagiert haben, sondern ihre Eltern. Allerdings, räumt Landwirt Dirk Lingens ein, hätten die Lehrer sie auch zu spät – nämlich erst nach der Schlachtung – darüber informiert. „Das sollten Lehrer natürlich anders machen. Aber dann kann ich das Experiment nur weiterempfehlen.“

Bei Metzger Hans-Peter Miller aus ­Babenhausen bei Memmingen löst diese Empfehlung Kopfschütteln aus. „Im ­Tierschutzgesetz steht, dass Kinder unter 14 Jahren bei Schlachtungen gar nicht anwesend sein dürfen“, sagt Miller, der ebenfalls an der Diskussion auf der Slow-Food-Messe teilnehmen wird. Diese Alterseinschränkung hält er für zwingend notwendig. „Jüngere Kinder stecken das nicht weg.“

Vor einigen Wochen stand ein Zehnjähriger in seiner Metzgerei und wollte sehen, wie seine Lieblingswurst, die Gelbwurst, hergestellt wird. „Der Bub wollte auch beim Schlachten zuschauen, aber ich habe ihm nur die Wurstproduktion gezeigt“, sagt Miller. Man müsse Kinder langsam an brutale Abläufe heranführen – und zunächst nur ein leeres Schlachthaus und die Werkzeuge zeigen. „Ich finde es richtig, jungen Menschen wieder zu erklären, woher ihr Essen kommt und wie es hergestellt wird. Aber insbesondere ein Stadtkind, das kaum mehr mit einer lebendigen Kuh in Berührung kommt, kann nicht gleich eine Schlachtung verkraften.“

Freitag ist Schultag auf der Slow-Food-Messe Stuttgart

Beim Schultag auf der Slow-Food-Messe Stuttgart haben Kinder und Jugend­gruppen am 12. April freien Eintritt wenn sie in Begleitung eines Erwachsenen kommen  und  sich vorher anmelden (www.messe-stuttgart.de/marktdesgutengeschmacks). Von 12.45 Uhr bis 13.30 Uhr können Schüler (Klasse 7 bis 10) in Halle 3 auf der Forumsbühne erfahren,  wie Fleisch auf den Teller kommt (Anmeldung: kinderkommission@slowfood.de). Von 15.15 Uhr bis 16.15 Uhr gibt es dort ein Podiumsgespräch „Kinder, Tiere und das ­Töten“.

Eine Übersicht über weitere Frühjahrsmessen bekommen Sie hier.