Nicht viel leichter als das erste war das zweite Corona-Jahr für die Mitarbeiterinnen des Diasporahauses Bietenhausen, die in Meßstetten Schulsozialarbeit leisten. Das Hin und Her hat den Schülern offenbar zu schaffen gemacht.
Meßstetten - "Viel ins Freie verlegt" haben Ina Kästle-Müller und Karina Homodji, die im Gemeinderat Meßstetten über die Schulsozialarbeit an der Burg- und der Wilhelm-Busch-Schule im Jahr 2021 berichtet haben. Von Januar bis zu den Pfingstferien hatten sie sich hauptsächlich auf Einzelfallhilfe und Notfallbetreuung beschränken müssen, aber auch Online-Angebote gemacht – und waren überrascht, wie offen die Jugendlichen diesen gegenüberstanden. Ein kurzes Sommer-Hoch ohne Einschränkungen mit Gruppenangeboten wurden von schärferen Corona-Bestimmungen seit den Herbstferien abgelöst – Ausflüge und größere Angebote waren dann abermals passé.
Die Zahl der Einzelfallberatungen steigt
An der Burgschule haben die beiden inzwischen mehrere Kandidaten, die "gar nicht mehr in die Schule kommen – sie haben es sich durch Corona abgewöhnt", berichteten sie. Auch die Zahl der Einzelfälle sei angestiegen, und viele Schüler brauchten Förderung, Zeit und Zuwendung. "Viele wichtige Erfahrungen konnten sie in den vergangenen zwei Jahren nicht machen", so die Sozialarbeiterinnen. "Die Kinder und Jugendlichen ziehen sich zurück, es fehlt an Konfliktfähigkeit, Selbstvertrauen und Lösungsstrategien."
Stark frequentiert ist die Gruppe "Bueloch aktiv", die sich montags für zwei Stunden trifft und ihr Programm gemeinsam erarbeitet. Die Sorge der Schulsozialarbeiterinnen betrifft besonders die Kinder, die verhaltensauffällig seien, was durch mangelnde Deutschkenntnisse noch erschwert werde. Unterstützung, etwa für Ausflüge mit Kindern aus dem Wohngebiet Bueloch, erhält das Diasporahaus von der Stiftung Kinderland.
Tag der Demokratie – diesmal ganz groß
Die Wohngruppe Meßstetten und die Kreisjugendpflege haben hingegen die Organisation der Veranstaltung zum Tag der Demokratie am 15. September im Rahmen des Wochenmarkts unterstützt. In diesem Herbst soll ein deutlich größerer Rahmen gesetzt werden – verschiedene Vereine und Schulen hätten schon zugesagt, und auch Frank Schroft, der Bürgermeister, sei dabei.
Die Schulsozialarbeit an Realschule und Gymnasium hat andere Herausforderungen, wie Mailin Zivo erklärte. Für die höheren Klassen gebe es keine Regelmäßigkeit und grundsätzlich stünden die Themen Klassengemeinschaft, Konfliktklärung, respektvoller Umgang, Mobbing und Cybermobbing, der Umgang mit Sozialen Medien und mit Gefühlen ganz oben auf der Agenda.
Essstörungen und Panikattacken
In den Einzelberatungen ist sie immer mehr mit Themen wie Essstörungen, Panikattacken, selbstverletzendem Verhalten und Konflikten mit Gleichaltrigen konfrontiert, wobei die Jugendlichen meist von selbst auf sie zukämen – in 80 bis 90 Prozent der Fälle. Insgesamt liegen die Einzelberatungen mit einem Anteil von 44 Prozent aber noch unter der Gruppenarbeit mit 56 Prozent. Doch nicht nur Schüler – auch Eltern und Lehrer beraten die Schulsozialarbeiterinnen, unterstützen bei Projekten, begleiten Ausflüge und etablieren Klassenräte.
"Abenteuerlich und vielfältig ist laut Karina Homodji die Schulsozialarbeit an den Grundschulen, wo der Austausch mit Lehrern ebenfalls eine wichtige Rolle spielt.
Stadt lässt sich die Hilfe viel kosten
161 794 Euro hat sich die Stadt 2021 die Schulsozialarbeit kosten lassen, wobei auf die Burg-, die Wilhelm-Busch-Schule und die Grundschule Bueloch der Löwenanteil entfällt: 112 557 Euro. Bezuschuss werden die Kosten vom Land mit 22 962 Euro und vom Zollernalbkreis mit 16 700 Euro, so das 112 131 Euro bei der Stadt bleiben – 5000 Euro mehr als im Vorjahr.
Außerdem trägt die Stadt die Miet- und Telefonkosten für den Interkulturellen Familientreff in der Wohnsiedlung Bueloch – 4602 Euro im vergangenen Jahr.