Corona hat bei vielen Kindern und Jugendlichen für psychische Belastungen gesorgt. Das macht sich auch in der Schule bemerkbar. Foto: © littlewolf1989 – stock.adobe.com

Ängste, Depressionen, Essstörungen: All das scheint im Schatten der Pandemie bei Kindern und Jugendlichen häufiger geworden zu sein. Klar ist: Die Probleme sind gewachsen. Das berichten auch zwei Schulsozialarbeiter, die seit Frühjahr neu geschaffene Stellen in Calw besetzen.

Calw - Frustration ertragen, mit Rückschlägen fertig werden und in schwierigen Situationen nicht sofort aufgeben – so oder ähnlich definiert sich der Begriff Frustrationstoleranz. Eine Fähigkeit, die Simona Luz und Markus Nack bei den Kindern, mit denen sie tagtäglich arbeiten, in geringerem Maß als früher vorfinden. Hinzu kommen wachsende Unsicherheit, soziale und kognitive Defizite.

Die beiden sind Sozialarbeiter in Calw, füllen seit diesem Frühjahr zwei neu geschaffene 50-Prozent-Stellen aus, die durch Fördermittel des Aktionsprogramms "Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche" ermöglicht wurden. Nack ist seit 1. März an der Seeäckerschule in Stammheim, Luz seit 1. April an der Grundschule Hirsau tätig.

Bereits seit einiger Zeit steht fest, dass die Corona-Pandemie und insbesondere die damit einhergehenden Beschränkungen das Leben von Kindern und Jugendlichen massiv beeinträchtigt haben. Lernrückstände stehen auf der einen, psychosoziale Belastungen auf der anderen Seite.

Anstieg bei Depressionen und Angststörungen

Gerade letzteres bestätigt auch eine Erhebung unter den eigenen Versicherten der Krankenkasse DAK, über die unter anderem "n-tv.de", der Internetauftritt des Kölner Nachrichtensenders, vor wenigen Tagen berichtet hatte. Laut der Studie registriere die Krankenkasse unter anderem einen starken Anstieg bei Essstörungen, Angststörungen und Depressionen, insbesondere bei Jugendlichen.

Um diesen Entwicklungen entgegenzutreten, hat die Bundesregierung das Aktionsprogramm "Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche" in Höhe von zwei Milliarden Euro für die Jahre 2021 und 2022 ins Leben gerufen.

Auch die Stadt Calw bewarb sich und erhielt den Zuschlag für die zwei halben Schulsozialarbeiterstellen, die bis Ende Juli mit einem Gesamtbetrag von rund 29 000 Euro gefördert wurden. Ab dem Schuljahr 2022/2023 erfolgt die Förderung aus Landesmitteln.

Acht bis zehn Einzelfälle – an einer kleinen Grundschule

Und der Bedarf, da sind sich Nack und Luz einig, der ist da. "Ganz oben steht natürlich das Wohl des Kindes", berichtete Luz, die jüngst im Kultur- und Bildungsausschuss einen Überblick über ihre Arbeit gab. Acht bis zehn Einzelfälle, so erzählte die Schulsozialarbeiterin, betreue sie derzeit. Zudem sei sie auf dem Schulhof präsent, berate Eltern wie Schüler oder vermittle bei Bedarf passende Ansprechpartner anderer Institutionen. Wenig zu tun habe sie sicher nicht.

Auch Nack bestätigte, dass seinem Eindruck zufolge "alles ziemlich auf Kante genäht ist". Mit anderen Worten: Viel mehr Arbeit und Fälle dürften es nicht mehr werden, sonst komme er nicht mehr hinterher. Zumal, wie er anhand eines Beispiels erläuterte, gerade der Faktor Zeit teils entscheidend sei, weil es genau diese brauche, bis manche Kinder sich öffneten und Vertrauen aufgebaut sei. Auch die Zahl der Elterngespräche habe zugenommen.

Mehr Personal nötig?

Oliver Höfle (Gemeinsam für Calw) empfand es als "erschreckend", dass es selbst an einer so kleinen Einrichtung wie der Hirsauer Grundschule so viele Fälle gebe. Wie Udo Raisch (CDU) fragte er sich, ob nicht personell nachgebessert werden müsste.

"Das höre ich gerne, dass sie zu neuen Stellen bereit wären", meinte dazu Thomas Seifert, Leiter der Abteilung Bildung bei der Stadt. Andererseits sei es aber auch nicht so, dass es bislang noch keine Sozialarbeit an Schulen gegeben habe. An den weiterführenden Schulen sowie projektbezogen durch das Jugendhaus an Grundschulen sei bereits seit längerem eine Betreuung gegeben. Bei den beiden neuen Stellen habe die Stadt vielmehr bereits schnell reagiert, Fördermittel genutzt und dort eingesetzt, wo es derzeit am meisten geboten erscheint.

Ob in Sachen Schulsozialarbeit dennoch weiter nachgebessert wird, könnte indes an diesem Dienstag Thema im Gemeinderat sein. Unter anderem stehen Haushalt und Stellenplan 2023 der Stadt auf der Tagesordnung.