Eine eigene Währung, Flagge und ein Parlament – Das OHG Nagold verwandelt sich in einen Staat. Das letzte Mal sorgten Schüler fast für einen Polizeieinsatz.
Wie ist es eigentlich, einen eigenen Staat zu führen? Dieser Frage stellen sich die Schülerinnen und Schüler des Otto-Hahn Gymnasium Nagold bei ihrem diesjährigen Planspiel „Schule als Staat“. Bei dem Projekt, welches zuletzt im Jahr 2012 veranstaltet wurde, wird die Schule in einen Staat mit eigener Flagge, Währung, einem Rechtssystem mit Verfassung und einem Parlament mit verschiedenen Parteien umgewandelt.
Geplant und durchgeführt wird das Projekt hauptsächlich von Komitees, bei welchen sich die Schülerinnen und Schüler selbst eintragen konnten. Offizieller Start des Projekts ist in den letzten Wochen vor den Sommerferien, allerdings müssen zuvor noch einige Dinge vorbereitet werden.
Ein Staat mit eigener Flagge und Verfassung
Der neu gegründete Staat soll, angelehnt an Otto Hahn „Hahnover“ heißen. Passend dazu trägt die eigene Währung den Namen „Küken“. Die Währung soll sowohl als Bargeld, als auch digital mithilfe von QR-Codes einsetzbar und nur innerhalb des Staatsgebiets gültig sein.
Schon im letzten Jahr konnten die Schülerinnen und Schüler außerdem über eine gemeinsame Flagge abstimmen.
Auch eine Verfassung wurde bereits von Gemeinschaftskunde Leistungskurs beschlossen, welche von gewählten Richtern und Polizisten verteidigt werden soll und auf der alle Parteien des Parlaments fußen müssen. Für die Staatskasse haben der Förderverein 5000 Euro und der „Sparda Impuls“ 2000 Euro zur Verfügung gestellt.
Die Parteien treten im Wahlkampf an
Bis Februar müssten alle Schüler, die eine eigene Partei gründen wollen, diese bei den Komitees eingereicht haben, erklärt Komiteemitglied Johannes Stahl. Anfang März stellen dann alle Parteien ihr Wahlprogramm vor und starten in den Wahlkampf. In der Woche vor den Osterferien soll dann das Parlament gewählt werden.
Zeitgleich gründen die restlichen Schüler Betriebe und werben Mitarbeiter an. Diese Betriebe verkaufen dann zum Beispiel Waffeln oder Handgebasteltes im Austausch gegen die „Küken“. Ziel sei vor allem, dass sich auch Schüler aus verschiedenen Stufen gemeinsam in einem Betrieb organisieren, berichtet Stahl.
Beinahe Polizeieinsatz während des Planspiels
Besonders die Geldfälschung stellt für das Planspiel eine Herausforderung dar. Da die Währung während des Planspiels tatsächlich zum Kauf von Waren genutzt werden kann, kann eine Fälschung dieser eine reale Straftat darstellen. Beim letzten „Schule als Staat“ habe sich deshalb beinahe die richtige Polizei eingeschaltet, erzählt Lehrerin und Mitgestalterin des diesjährigen Projekts Christiane Zug. Dies konnte jedoch im letzten Moment abgewendet werden. Deshalb sei man dieses Jahr aber besonders vorsichtig, was Geldfälschung anginge, erklärt sie.
Ein wichtiger Teil der Demokratiebildung
Das Ziel des Projekts „Schule als Staat“ sei Demokratie- und Wirtschaftsbildung, meint Zug. Die Schülerinnen und Schüler sollen die Abläufe und Herausforderungen eines demokratischen Staats kennenlernen. „Learning by doing“, meint Johannes Stahl. Außerdem soll das Projekt die Schulgemeinschaft stärken, indem alle Stufen gemeinsam zusammenarbeiten und neue Kontakte knüpfen können. „Letztes Mal war der Schulleiter bei der Schülerfirma eines Fünftklässlers angestellt“, erzählt Christiane Zug schmunzelnd.
Auch für die Eltern und andere Außenstehende soll das Projekt etwas bieten. Am Ende des Projekts soll es einen Öffentlichkeitstag geben, an dem alle Bürger Nagolds in „Hahnover“ einreisen dürfen. An der Tür tauschen die Besucher ihr Geld gegen Küken ein, wie an einer richtigen Ländergrenze. Drinnen können sie dann bei den Betrieben der Schüler Essen, Trinken und Handgebasteltes kaufen. Auch ein Kino und ein Theaterstück sind geplant. Das große Ziel ist neben der ganzen Politik nämlich vor allem eines: Spaß haben.