Das Thema Ausbildung steht beim Interview bei der Firma Schuler Rohstoffe mit Firmenchefin Bettina Schuler Kargoll, Ausbildungsleiter Jannis Gritzis und Auszubildenden im Mittelpunkt. Foto: Siegmeier

Viele Ausbildungsstellen sind noch unbesetzt, viele junge Menschen fühlen sich mit dem Thema Berufsorientierung überfordert. Bei Schuler Rohstoffe in Deißlingen hat die Ausbildung einen sehr hohen Stellenwert. Von ihren Erfahrungen berichten drei Auszubildende und ein junger Mann, der seine Ausbildung bereits abgeschlossen hat.

Rottweil/Deißlingen - Der Übergang von der Schule ins Berufsleben ist für junge Menschen ein wichtiger Schritt. Vieles gibt es hier im Vorfeld zu überlegen und zu beachten – in Zeiten der Pandemie ist das nicht gerade einfach. IHK-Vizepräsidentin und Unternehmerin Bettina Schuler-Kargoll weiß um die Problematik, ist aber zuversichtlich.

 

Ausbildungsplätze sichern

"Wir hatten einige Bewerbungsgespräche und konnten auch auswählen", freut sie sich. Doch sie weiß, dass das nicht überall so ist und in vielen Unternehmen Ausbildungsstellen gestrichen werden. Das müsste nicht so sein, betont sie, denn das Bundesprogramm "Ausbildungsplätze sichern" wurde verlängert.

Es soll Ausbildungsbetriebe und Azubis in der Coronakrise schützen. Mit dem zweiten Maßnahmenpaket des Bundeskabinetts wurden Ausbildungs- und Übernahmeprämien verdoppelt und Zuschüsse zur Vermeidung von Kurzarbeit verbessert. Ausbildungsleiter Jannis Gritzis, drei Auszubildende und ein junger Mann, der seine Ausbildung bereits abgeschlossen hat, berichten beim Interview von ihren Erfahrungen.

Vanessa Bösch ist 17 Jahre alt und im ersten Lehrjahr. "Ich bin sehr umweltorientiert und bei meiner Suche nach einem Ausbildungsplatz bin ich auf Schuler Rohstoffe gestoßen", erzählt sie. Sie habe sich daraufhin beworben, habe nach dem Bewerbungsgespräch probegearbeitet und habe dann den Ausbildungsplatz bekommen. "Und die Entscheidung war absolut richtig. Es macht mir viel Spaß", sagt sie freudig.

Die 20-jährige Nathalie Storz wohnt im Nachbarort, hatte zuletzt die Kaufmännische Schule besucht, und kannte das Unternehmen. So habe sie sich auf den Ausbildungsplatz zur Groß- und Außenhandelskauffrau beworben. Die Entscheidung sei genau richtig gewesen. Sie ist mittlerweile im zweiten Lehrjahr und auch ihr macht die Ausbildung Spaß.

Dass man auch mit Umwegen ans Ziel kommen kann, berichtet der 21-jährige Marco Burger. Er absolviert sein drittes Lehrjahr, hat aber bereits eine abgeschlossene Ausbildung als Koch. Während der ersten Ausbildung hatte er gemerkt, dass die Kochausbildung doch nicht das richtige für ihn ist. Er schloss die Lehre aber dennoch ab, bewarb sich dann bei Schuler, absolvierte ein Praktikum und alles passte perfekt. "Ich hatte mich umgeschaut, wo ich eine kaufmännische Ausbildung in einer interessanten Branche absolvieren kann. Und Rohstoffrecycling ist eine Zukunftsbranche. Das hat mich motiviert, mich zu bewerben", erzählt er. Und die Entscheidung sei absolut richtig gewesen. Das bestätigt auch Bettina Schuler-Kargoll.

Probearbeiten öffnet Türen

"Wenn man eine zweite Ausbildung beginnt, dann muss man sich schon sicher sein, dass es die Richtige ist", sagt sie. Es sei auch immer gut, eine Ausbildung abzuschließen, statt sie vorzeitig abzubrechen, motiviert sie.

Für Ausbildungsleiter Jannis Gritzis ist es wichtig, dass die jungen Leute, die sich für das Unternehmen interessieren, zunächst ein Praktikum absolvieren und Probearbeiten, um zu sehen, ob es für sie, aber auch für den Betrieb passt. So könne ein Praktikum ein Türöffner für die spätere Ausbildung sein.

Der 21-jährige Jonas Müller hat seine Ausbildung im vergangenen Jahr abgeschlossen und wurde vom Unternehmen übernommen. "Jeder Azubi bekommt bei uns zunächst mal einen Jahresvertrag", betont die Firmenchefin. So könnten sich die Leute orientieren. "Und für die, die nicht bleiben möchten ist es gut, wenn sie sich ungekündigt bewerben können. Das ist immer eine bessere Voraussetzung", sagt sie. Jonas Müller blieb, entschied sich für den Bereich Logistik und ist sehr zufrieden mit seiner Wahl. "Mein Wunsch hat sich erfüllt, es war genau die richtige Entscheidung meine Ausbildung hier zu machen", sagt er.

Auch wenn am Tisch zufriedene Azubis sitzen, ist nicht alles rosig, denn es sei gar nicht so einfach, die Ausbildungsstellen zu besetzen, informiert Schuler-Kargoll, die gerne auch zusätzliche Ausbildungsstellen anbieten würde. Wo sind die Hürden für die Schulabgänger? Die Hemmschwelle direkt bei den Unternehmen nachzufragen sei hoch, betonen die Azubis übereinstimmend. Eine Mail zu schreiben, sei den meisten lieber, als das direkte Gespräch zu suchen. Das bestätigt auch der Ausbildungsleiter.

Auch das Alter der Schulabgänger sei schwierig, sagt Grätzis. "Mit 16 oder 17 wissen viele einfach noch nicht, wo die Reise hingehen soll". Zudem sei zu wenig über die Vielfalt der Berufe bekannt.