Schule kann auch anders sein: Das Kommunale Kino und das Gymnasium Trossingen haben zum wiederholten Male mit dem Projekt „199 kleine Helden“ zusammengearbeitet.
Fast acht Jahre ist es nun her, als der Film „Nicht ohne uns – 199 kleine Helden“ erstmals vom Kommunalen Kino Trossingen im Lindensaal gezeigt wurde. Der Schauspieler Walter Sittler, Co-Produzent des Films, den seine Frau und Regisseurin Sigrid Klausmann-Sittler drehte, war damals persönlich anwesend.
Das Koki-Team präsentierte für die Besucher eine sehr informative Ausstellung über die Hauptdarsteller des Films, nämlich einige der 199 kleinen Helden aus den unterschiedlichsten Ländern. Gefertigt hatte diese Ausstellung die damals 16-jährige Lisa Liedtke, Auszubildende der Firma Mikko als Projektarbeit.
Schulkinowoche
Wie wertvoll diese Arbeit war, zeigt sich bis heute, denn zum wiederholten Male kam Peter Armbruster, stellvertretender Schulleiter des Trossinger Gymnasium und Geographielehrer, mit 25 Schülerinnen und Schülern der Klassen fünf und sechs im Rahmen der jährlichen Schulkinowoche des Kommunalen Kinos Trossingen in den Lindensaal zum Unterricht. „Die Veranstaltung findet im Rahmen unser Modul- und Thementage statt“, klärte Peter Armbruster auf.
Das Gymnasium Trossingen habe seit einigen Jahren von der früheren Projektwoche umgestellt auf Projekttage, die verteilt über das Jahr zwei Mal an zwei Tagen und einmal an einem Tag stattfinden. „Das hat sich so erfolgreich etabliert“.
Die Welt entdecken
„Habt einfach Lust darauf, die Welt zu entdecken“, weckte Peter Armbruster die Freude der Unterstufenschüler am Projekt von Walter Sittlers und Sigrid Klausmann-Sittlers. Walter Sittler, der die Idee hatte, Kinder weltweit auf ihren Schulwegen zu filmen, war sich mit seiner Frau einig, dass diese Kinder kleine Helden sind, denn alle haben eine Vision. Bereits im Jahr 2010 wurden die ersten Porträts gedreht. Von insgesamt 27 Porträts sind 16 zum Film zusammengestellt worden, 16 Kinder aus 15 Ländern und fünf Kontinenten. Aufgebaut ist der knapp anderthalb Stunden lange Film aus den Interviews mit den neun- bis zwölfjährigen Protagonisten und präsentiert „die Vielfalt, die Schönheit, die Kraft und die Klugheit der Kinder“. So sagt der elfjährige Enjo vom schweizerischen Walensee: „Ich habe nicht den blassesten Schimmer, wieso ich in diese Welt hineingeboren wurde“. Der gleichaltrige Vincent aus Österreich, der als einziges Kind hoch oben am Berg lebt und täglich mit der Materialgondel zur Schule fährt, weiß: „Am Berg hat man seine selige Ruhe“. Als seine Freunde betrachtet er übrigens seine Eltern.
Kinderarbeit statt Schule
Ganz anders ist es bei der elfjährigen Alphonsine, die mit Oma und Tante an der westafrikanischen Elfenbeinküste lebt. Ihre Mutter ist gestorben, den Vater hat sie nie gekannt. Sie steht morgens um vier Uhr auf, um zu arbeiten. „Wenn ich müde werde und nicht mehr weiter arbeiten kann, schlägt mich meine Oma.“
Alle kleinen Helden erzählen von ihren Gefühlen, ihren Ängsten, den Träumen und ihren Hoffnungen auf eine gute Zukunft. Zunächst durften sich die jungen Trossinger Gymnasiasten auf den Stellwänden jeweils ein Kind aussuchen, dessen Leben sie näher betrachteten. Um die Wohnorte der kleinen Helden geographisch einzuordnen, lag auf dem Boden vor der Bühne eine riesige Weltkarte, gefertigt aus einer Lkw-Plane, auf denen sie die jeweiligen Heimatländern suchten und die Karte mit dem Namen des porträtierten Kindes hinlegen konnten.
Riesige Weltkarte
Anke Weier, die Vorsitzende des Koki Trossingen, hatte den Schulkinotag wie immer perfekt vorbereitet und auch zwei Eimer, gefüllt mit Ringen, mitgebracht. So konnten die zehn- bis zwölfjährigen Gymnasiasten einmal selbst testen, wie schwer es die elfjährige Alphonsine von der westafrikanischen Elfenbeinküste hat, die nicht mehr zur Schule gehen darf, stattdessen auf einer Kakaoplantage arbeiten muss und Essen für die Schüler über eine lange Strecke zur Schule auf dem Kopf trägt. Die Atmosphäre im Lindensaal hatte alles andere als Schulzimmercharakter, doch die Gymnasiasten schauten bereits den ersten Teil des Filmes hochkonzentriert aus den eigens für diesen Schulkinotag aufgestellten Liegestühlen an.
Die Regisseurin Sigrid Klausmann-Sittler wäre an diesem Tag liebend gerne vor Ort gewesen. „Sie hat leider einen anderen Termin in Stuttgart“, erklärte Anke Weier, doch in einer Videoschaltung beantwortete sie gerne die Fragen der Trossinger Schüler. Und nicht zuletzt dank Getränken und Pizza, serviert von Lindenwirt Antonio Trisacari, war es für alle ein perfekter, etwas anderer Schultag.
„Ein tolles Projekt“
„Ein tolles Projekt mit einer super Regisseurin“ resümierte Peter Armbruster. „Wir haben nur zwei Stunden Geographie pro Woche, in Zukunft wird dies nur noch eine Stunde sein.“ Durch dieses Projekt lernten die Unterstufenschüler die Welt kennen und erhielten einen Eindruck davon, wie hart sich manche Kinder den Zugang zu Bildung erkämpfen müssen. „Schule kann auch anders sein“, war auf dem Aufsteller des Kommunalen Kinos zu lesen.
„Wir werden den heutigen Tag nochmals drei Stunden lang nacharbeiten“, betonte Peter Armbruster – nicht zuletzt mit Blick auf den interaktiven Globus, und mit Astronaut Max noch einmal in die USA, nach Japan oder Argentinien fliegen, und die noch einmal mit den Schulwegen und den Lebensumständen der einzelnen Kinder beschäftigen.