Wohin geht es nach der Grundschule? Die neue Grundschulempfehlung soll auch in St. Georgen helfen, diese Frage zu beantworten. Rektor Hannes Rath beleuchtet das Verfahren.
Die Sommerferien haben begonnen und auf Viertklässler wartet die wahrscheinlich mitunter aufregendste Zeit ihres bisherigen Lebens – der Wechsel zur weiterführenden Schule. Für manche war die Frage vor der Anmeldung im März, wo die Reise nach der Grundschule weitergeht, einfach zu beantworten.
Geht die beste Freundin oder der beste Freund auf die eine Schule, oder wird an einem bestimmten Gymnasium ein besonderes Augenmerk auf beispielsweise musische Fächer gelegt, dann war das Ziel recht klar: Dorthin soll’s gehen.
Arbeitet man auf den Hauptschulabschluss, die Mittlere Reife oder doch auf das Abitur hin? Das ist eine Frage, die künftig einfacher beantwortet werden soll – seit April diesen Jahres gibt es wieder eine verbindliche Grundschulempfehlung, auf welche Schule ein Viertklässler schließlich wechseln soll.
Hannes Rath, Rektor der Robert-Gerwig-Schule, erklärt unserer Redaktion, aus was sich dieses sogenannte „Neue Aufnahmeverfahren Klasse 4 in Baden-Württemberg“ (NAVi4 BW) erschließt und wie er die neuen Regelungen selbst wahrnimmt.
Auch wenn Lehrer bis zuletzt noch unverbindliche Empfehlungen aussprachen, lag die Entscheidung, auf welche weiterführende Schule das Kind gehen soll, seit dem Schuljahr 2012/2013 vollständig bei den Eltern – diese Regelung hat das Kultusministerium in diesem Jahr geändert. Durch ein bestimmtes Verfahren, das die Viertklässler durchlaufen, soll geprüft werden, ob sich die Kinder für das Gymnasium eignen, oder ob die Real- oder Werkrealschule empfohlen wird.
Prüfung schon im November
Das NAVi4 BW ergibt sich aus folgenden Bausteinen, erklärt Rektor Rath: Erstens, die Entscheidung der Klassenkonferenz. Von wichtiger Bedeutung seien dabei die schulischen Leistungen in allen Fächern der vierten Klasse, so Rath. Zweitens gibt es den sogenannten „Kompass 4“-Test, welcher für alle Schüler verpflichtend ist. In Mathematik und Deutsch werden die Kinder durch bestimmte Tests geprüft. Dabei werden verschiedene Niveaustufen ermittelt, die ausschlaggebend für die Empfehlung sind.
„Ich bin gespannt – ‘Kompass 4‘ wird im November angesiedelt, das ist schon etwas früh für die Kinder. Aber wegen der Beratungsgespräche im Januar und der Anmeldungen an den weiterführenden im März ist es anders nicht möglich“, sagt Rath. Eine Schwierigkeit, der sich die Kinder des ersten „Kompass 4“-Tests stellen mussten, war der Mathematiktest. „Der Test war eindeutig zu schwer. Das weiß man aber jetzt, letztendlich sind wir ja noch in einer Art Pilotphase“, ordnet der Rektor ein.
Reicht das Ergebnis nicht wie gewünscht für das Gymnasium aus, besteht noch die Möglichkeit, einen Potenzialtest durchzuführen – dieser ist im Gegensatz zum „Kompass 4“ nicht verpflichtend, sondern findet nur auf Nachfrage und nach entsprechender Anmeldung statt.
Auch wenn die Grundschulempfehlung in Bezug auf die Anmeldung am Gymnasium von größerer Bedeutung ist als zuvor, wünscht sich Rath auch mehr Verbindlichkeit bei der Anmeldung an der Realschule und der Werkrealschule.
Sind die Empfehlungen wirklich nützlich?
Im Allgemeinen ist Raths Haltung zum NAVi4 BW eher durchwachsen. „Einerseits ist es gut, weil es Kinder davor schützen kann, nach dem Schulwechsel an die weiterführende Schule zu scheitern. Die Grundschulempfehlung schiebt da eine Art Hürde zugunsten des Kindes vor.“
Aber: „Lehrerinnen und Lehrer hatten auch vor der Einführung von NAVi4 BW die Expertise, einzuschätzen, wo sie das Kind nach der Grundschule sehen“, schätzt Rath ein. „Man muss den Kolleginnen und Kollegen das Vertrauen schenken und ihre Empfehlungen ernst nehmen. Sie sehen die Kinder jeden Tag und wissen, wie sie lernen.“