Ein Landesprogramm hat das ambitionierte Ziel, die Zahl der Elterntaxis bis 2030 um die Hälfte zu reduzieren. Doch wie stellt sich die Situation in Rottweil dar, und welche Meinung haben Stadt, Schulen und Eltern dazu?
Bevor der Unterricht beginnt und nach der sechsten Stunde ist es ein alltägliches Bild: Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule oder holen sie damit ab. Dies führt vor allem zu Stoßzeiten zu erheblichen Verkehrsproblemen.
Das interministerielle Landesprogramm Movers will Schulen und Kommunen dabei unterstützen die Situation zu verbessern. Ressortübergreifend arbeiten das Verkehrs-, Kultus- und Innenministerium daran, die Zahl der sogenannten Elterntaxis innerhalb von fünf Jahren zu halbieren. Doch wie stellt sich die Situation in Rottweil dar?
„Das Thema Elterntaxis kommt bei fast jeder Sitzung des Gesamtelternbeirates zur Sprache“, sagt dessen Vorsitzende Anne Müller. Vor einigen Schulen sei die Verkehrssituation durch das hohe Aufkommen von Autos und das teilweise rücksichtslose Verhalten mancher Fahrer schlicht gefährlich – insbesondere für jüngere Schüler. Beschwerden darüber höre man von Eltern als auch von Schulverantwortlichen.
Ambitionierte, aber notwendige Ziele
Die Reduzierung der Elterntaxis sei richtig und wichtig, aber eine große Herausforderung. Die Gründe für das Elterntaxi-Problem seien vielfältig: Sie reichen von Sorgen um die Verkehrssicherheit einzelner Schulwege bis hin zur Bequemlichkeit mancher Eltern und Schüler. „Das Paradoxe daran ist“, so Müller, „dass einige Eltern ihre Kinder aus Angst vor dem hohen Verkehrsaufkommen mit dem Auto fahren – und dadurch selbst zu mehr Verkehr beitragen.“
Durch Sanierung hat sich Situation beruhigt
Der Schulleiter des Droste-Hülshoff-Gymnasiums, Stefan Maier, bestätigt die Problematik. Vor etwa fünf Jahren habe man eine größere Aktion dagegen ausprobiert, doch diese habe nur kurzfristig Erfolg gezeigt. Zurzeit habe sich die Situation an seiner Schule zwangsweise durch die Sanierung zum Teil beruhigt, da man deshalb an „einer halben Sackgasse“ liege. Die Landesinitiative hält er für sinnvoll und eine erste Aktion daraus seien das Aufstellen neuer Fahrradständer an der Schule.
Das ist ein konkretes Ergebnis, nachdem Movers-Mitarbeiter des Verkehrsministeriums und Vertreter der Stadt im vergangenen Frühjahr bei den Rektoren der Rottweiler Campusschulen waren. Nach Absprache mit den Schulvertretern sei man in die Komponenten Radwegeplanung und Radabstellanlagen eingestiegen, so der städtische Mobilitätsbeauftragte Horst Bisinger.
Radinfrastruktur soll verbessert werden
Das Programm wurde auch beim Jugendhearing 2024 vorgestellt, bei dem die Schüler bereits erste Vorschläge eingebracht haben. Ziel ist es, die Radinfrastruktur für Schüler attraktiver zu gestalten, insbesondere für diejenigen ab der fünften Klasse. Dadurch soll die Nutzung des Fahrrads auf dem Schulweg gefördert und die Elterntaxis reduziert werden.
Ein weiteres Ziel sei es, das städtische Radwegkonzept weiter zu verbessern. Aufgrund geänderter Förderbedingungen musste der Antrag zwischenzeitlich aktualisiert werden. „Wir sind aber weiterhin am Ball und sind zuversichtlich, dass wir Teile der Vorschläge mithilfe des Programms auch umsetzen können“, betont Bisinger.
Braucht Geduld bis Umdenken stattfindet
Man habe bei der Verbesserung der Rad- und Fußwege und der Busbeförderung im Stadtgebiet „insbesondere den Schülerverkehr im Blick“. Wie bei allen Veränderungen im Bereich der Mobilität sei auch hier Geduld gefordert. Bisinger meint, es dauere immer eine gewisse Zeit, „bis die Vorteile erkannt werden und ein Umdenken stattfindet und die neuen Angebote auch häufiger genutzt werden“.
Die Sicherheit der Schüler bewertet er insgesamt als gut. „Wir haben für eine Schulstadt mit über 8 000 Schüler nur sehr wenige Schulwegunfälle“, sagt der städtische Mobilitätsbeauftragte. Die Zahl liege im niederen einstelligen Bereich. Gemeinsam mit der städtischen Straßenverkehrsbehörde, den Straßenbaulastträgern und der Polizei arbeite man aber kontinuierlich daran, die Sicherheit weiter zu erhöhen.