Marcel Zahlen stellte dem Gemeinderat das Luftreinigungsgerät vor. Foto: Geisel

Bis zu den Sommerferien sind Jettingens Schulen kostenlos mit Luftreinigern ausgestattet. Marcel Zahlen, Geschäftsführer des Anbieters, erläuterte jetzt im Gemeinderat, was es mit den Geräten auf sich hat und was sie bewirken.

Jettingen - Das Corona-Virus hat dem Thema Luftreinheit eine ganz neue Dynamik verliehen. Wie bekommt man das Virus aus der Luft, um eine Ansteckung zu verhindern? ProActiveAir setzt nicht auf Filter, sondern auf ein eigenes System, wie Geschäftsführer Marcel Zahlen erklärte, das bereits von diversen deutschen Instituten auf seine Wirksamkeit hin getestet worden sei. Die Luftreiniger würden deutlich mehr bewirken als Filter. Sie setzen an zwei Punkten an: Ein "elektrostatisches Schutzgitter" sorge dafür, dass Partikel wie Viren, aber auch Staub und Pollen, direkt nach unten stürzen. Sie landen also auf dem Boden oder Oberflächen. Dort würden sie durch aktivierten Sauerstoff unschädlich gemacht. Es dauere nur wenige Minuten, bis der Schutz im Raum aufgebaut sei. Zudem sei der Effekt messbar, sodass man schnell nachweisen könne, dass der Schutz aktiv ist. Im Automatikmodus steuert das Gerät selbst, wie intensiv es arbeiten muss.

Anders als bei Filtersystemen sammle man dadurch den "Dreck" nicht in der Anlage, fuhr Marcel Zahlen fort, sondern beseitige die Partikel am Entstehungsort. Eine Vorfiltration finde sich zwar auch in seinen Geräten, die erfordere allerdings keinen Filtertausch, sodass die laufenden Kosten mit etwa 30 Euro für Verbrauchsmaterial pro Jahr sehr gering sind. Der Stromverbrauch halte sich ebenfalls in Grenzen. Bei acht Stunden Betriebszeit an 260 Tagen im Jahr fallen hierfür jährlich etwa 34 Euro an.

Große Investition für Gemeinde

Ein Erwerb der Geräte ist derzeit zwar nicht geplant, allerdings bleibt abzuwarten, wie sich die Pandemie entwickelt. Bei 3000 Euro pro Gerät sei es günstiger als ein Luftfilter, bemerkte Marcel Zahlen. Bei der Menge an benötigten Geräten würde das aber dennoch eine große Investition für die Gemeinde bedeuten.

Das Gremium nutzte die Gelegenheit noch für einige weitere Rückfragen. Unter anderem kam zur Sprache, wie viel Raumvolumen ein Gerät partikelfrei halten kann. Die Antwort: 160 Quadratmeter bei zweieinhalb Metern Raumhöhe, was 400 Kubikmetern entspricht. Ebenfalls Thema war der Geräuschpegel. Der ließ sich einfach demonstrieren, denn das aufgebaute Ausstellungsstück im Sitzungssaal war kaum zu hören, schon gar nicht im Vergleich zum Lüfter des Beamers. Selbst auf höchster Stufe hielt sich der Geräuschpegel in Grenzen.

In Summe etwa 140 Geräte

Aktuell sind alle Klassenzimmer in Jettingen – also in der Gemeinschaftsschule, der Grundschule Unterjettingen und der Grundschule Oberjettingen – mit den Geräten ausgestattet. Das gilt auch für die Lehrerzimmer, die Mensa und größere Flure. In der Summe ergibt das etwa 140 Geräte. Auf Nachfrage aus dem Gremium sollen ab nächster Woche noch weitere in den Kindergärten dazukommen. Bis zu den Sommerferien dürfen die Jettinger Einrichtungen die Geräte kostenfrei nutzen.

Die Gemeinschaftsschule hat das Pilotprojekt mit dem Herrenberger Unternehmen vereinbart. Gemeinsam mit der KIT-Initiative und Unterstützung aus der Forschung führen die Schüler ein eigenes Projekt zum Thema gesunde Luft durch. Eventuell sogar mit prominenter Unterstützung. Bereits in der nächsten Woche ist ein Vor-Ort-Termin mit Politikern der Landesregierung geplant, da auch hier starkes Interesse an den Möglichkeiten dieser Technik besteht.

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