Seit vergangener Woche besteht an den Grundschulen im Südwesten Maskenpflicht. In Horb und Umgebung wird die Maßnahme von den meisten aktepziert, aber eben nicht von allen. Kommt nach der Maskenpflicht bald auch die Testpflicht an den Schulen?
Horb -"Ich habe vereinzelte Stimmen vernommen, wonach sich Eltern gegen die Maskenpflicht aussprechen – teilweise leider recht vehement und ganz in der Manier der Corona-Gegner oder Querdenker", berichtet Götz Peter, Geschäftsführender Schulleiter der Horber Schulen mit Empfingen und Eutingen. Es gebe auch Eltern, die ihre Kinder nicht in den Präsenzunterricht schickten, weil sie die Maskenpflicht an den Grundschulen ablehnten. Peter: "Diese Fälle sind sehr selten, kommen aber durchaus vor." Die überwiegende Mehrheit der Eltern, Schüler und Lehrkräfte zeige jedoch "großes Verständnis" für die unlängst eingeführte Maskenpflicht an den Grundschulen.
Bis zu den Osterferien werden an den Grundschulen Tests nach Hause mitgegeben, die dort durchgeführt werden sollen. "Diese Praxis soll die Akzeptanz der Schnelltests erhöhen und die Durchführung nach den Osterferien in der Schule erleichtern. Ich hoffe, dass dann viele Eltern ihr Einverständnis erteilen.", so Peter.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte zuletzt die Einführung einer Testpflicht an den Schulen im Land nicht ausgeschlossen: "Wenn wir möglichst viel Präsenz ermöglichen wollen, brauchen wir eine hohe Teilnahmequote an den Tests". Kretschmann schloss dabei eine Testpflicht – wie es sie in Sachsen gibt – nicht aus. "Das loten wir rechtlich aus", so der Landesvater.
"Im Sinne des Infektionsschutzes bin ich ein Befürworter einer Testpflicht", sagt Peter und fügt hinzu: "Nur dann machen die Testungen meines Erachtens wirklich Sinn und können ihren Beitrag zur Gesunderhaltung leisten." Für den Fall, dass die Testpflicht an den Schulen kommen sollte, erwartet Peter "glasklare und umgehende Regelungen seitens des Kultusministeriums", das in dieser Sache "momentan bedauerlicherweise einen Schlingerkurs" fahre. Peter: "Im Sinne einer notwendigen gemeinsamen Kraftanstrengung, um der Pandemie endlich Herr zu werden, bin ich mir sicher, dass Schulen und Lehrkräfte in ihrer Funktion als Landesbeamte ebenfalls bereit sind ihren Beitrag zu leisten."
Wie Peter würde auch der Schulleiter des Horber Martin-Gerbert-Gymnasiums (MGG), Georg Neumann, die Einführung einer Testpflicht begrüßen: "Testen ist jedenfalls die richtige Strategie", sagt der Schulleiter. Er hält es auch für "sinnvoll, wenn systematisch getestet wird". Neumann würde es "begrüßen, wenn der Zugang zur Schule nur mit Tests" möglich wäre, und dabei Lehrer und Schüler gleich behandelt würden. Wer sich weigere sich regelmäßig testen zu lassen, könne dann am Fernunterricht teilnehmen, schlägt der Schulleiter des Horber Gymnasiums vor.
Etwas auseinander gehen die Meinungen von Neumann und Peter bei einer Forderung des Philologenverbandes. Dieser verlangte am Donnerstag vier zusätzliche Wochenstunden in allen weiterführenden Schulen über drei Jahre hinweg, um die Corona-bedingten Lernlücken aufzufüllen. "Die geplanten Lernbrücken in den Ferien reichen nicht, um die Defizite auszugleichen", sagte Ralf Scholl, Landeschef des Verbands der Gymnasiallehrer, am Donnerstag. An G8-Gymnasien seien zusätzliche Stunden zum Ausgleich der Lerndefizite zeitlich aber nicht unterzubringen. Deshalb fordert der Philologenverband einen "sofortigen Übergang" zum G9 an allgemeinbildenden Gymnasien ab September 2021.
"Sicher braucht es über die in den Sommerferien angebotenen Lernbrücken hinaus weitere Anstrengungen, um die Pandemie bedingten Defizite aufzuholen", reagiert Götz Peter auf die Forderung der Philologenverbands. Die Lernbrücken sieht Peter lediglich als einen "ersten Schritt". Darauf müssen Peters Ansicht nach zu Beginn des neuen Schuljahres breit angelegte Lernstandserhebungen und daraus resultierende Förderkonzepte folgen. Götz Peter: "Die Möglichkeit einer vorübergehenden Erhöhung der Wochenstundenzahl oder auch der Ausbau der Gymnasien, die G9 anbieten, kann durchaus mitbedacht werden."
Eine andere Ansicht vertritt Neumann. Das MGG ist eine G8-Schule. Die Forderung des Philologenverbands nach einem neunjährigem Bildungsgang an allgemeinbildenden Gymnasien ab September 2021 sei schlicht "unrealistisch, weil nicht umsetzbar", sagt Neumann. Außerdem fragt sich der Schulleiter des MGG, ob es wirklich "notwendig" sei, vier zusätzliche Wochenstunden zu investieren – und das über drei Jahre hinweg. "Wir arbeiten unter ordentlichen Bedigungen und können den Stoff auch gut vermitteln. Wir produzieren ja nicht nur Defizite", so Neumann – wenn es auch "nicht ganz von der Hand zu weisen" sei, dass auch Defizite entstünden.