Eine Bürgerinitiative macht sich für alternative Entscheidungswege für schulpolitische Fragen stark. Was sie mit einer Petition erreichen wollen.
Erneut sammelt eine Bürgerinitiative aus Lehrkräften, Eltern und Schülern Unterschriften, um eine „Bildungswende zum Wohl aller Kinder und Jugendlichen“ an den Schulen in Baden-Württemberg zu erreichen. Das Projekt läuft unter dem Titel „Neue Lernkultur – jetzt!“ und lehnt sich namentlich an die Volksantragsinitiative „G9 jetzt!“ an. Diese hat wegen ihrer großen Resonanz bei den Bürgern letztlich den Anstoß für die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium in Baden-Württemberg gegeben.
Schulen sollen von Lehr- zu Lernorten werden
Anders als das Vorbild, das mit seinem Volksantrag ein sehr klar beschriebenes politisches Ziel verfolgt hat, trommeln die Initiatoren um die ehemalige Lehrerin Dagmar Schäfer für eine andere Lernkultur, bleiben aber eine konkrete Beschreibung schuldig, was sie genau darunter verstehen.
Schulen müssten angesichts des heutigen Bildungsnotstands „vom Ort des Lehrens zum Ort des Lernens“ werden, heißt es in einer Pressemitteilung der Initiative. In den Schulen herrsche aber Dauerstress; die starre Taktung und der Zeitmangel machten den Schulbetrieb „zunehmend dysfunktional“.
Initiativ pocht auf überparteiliche Entscheidungen
Die Initiatoren wollen offenbar, dass schulpolitische Fragen nicht mehr im demokratischen Verfahren im Zusammenspiel von Landesregierung und Parlamentsmehrheit entschieden werden, sondern fordern eine „gemeinsame und überparteiliche“ Herangehensweise. Sie setzen sich für eine Enquete-Kommission zur Vereinbarung eines gemeinsamen Bildungsbegriffs ein, der Praktiker und Betroffene angehören sollen. Außerdem fordern sie, Organisationsstruktur und Arbeitsweise des Kultusministeriums durch ein externes Beratungsunternehmen zu begutachten.
Das Ziel der Gruppe ist, eine Petition auf den Weg zu bringen. Ab diesen Mittwoch läuft eine sechswöchige Frist. Dagmar Schäfer und ihre Mitstreiter wollen in dieser Zeit mindestens 10 000 Unterstützer finden. Das ist die Voraussetzung dafür, dass der Petitionsausschuss des Landtags binnen sechs Monaten eine Anhörung im Landtag zu diesem Thema durchführt.
Korrekturhinweis: In einer früheren Version dieses Textes ist die Mitinitiatorin der Petition Dagmar Schäfer irrtümlich mit den falschen Vornamen Bärbel und Barbara bezeichnet worden. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.