Das PGT hat das frisch sanierte Schulgebäude erst vor rund zwei Jahren bezogen. Nun könnte der nächste Umzug bevorstehen. Foto: Benjamin Roth

Die potenzielle Umstrukturierung der Albstädter Bildungslandschaft hält Christian Schenk, Schulleiter am Gymnasium Ebingen, in Anbetracht der Gesamtumstände für richtig.

Es war ein durchaus überraschender Vorstoß, den die Stadtverwaltung Albstadt am Mittwochabend mit der Öffentlichkeit teilte. Bei einem Pressegespräch präsentierte die Verwaltungsspitze ihr Konzept, wie aus ihrer Sicht die vorhandenen finanziellen Mittel für die Bildungs- und Sportinfrastruktur bestmöglich eingesetzt werden könnten. Die Ideen der Stadt haben zuvorderst Auswirkung auf das Progymnasium Tailfingen (PGT) und die benachbarte Lammerberg-Realschule.​

 

Wie berichtet, soll auf den Neubau der Realschule verzichtet und die dadurch frei werdenden finanziellen Mittel anderweitig in die Bildungslandschaft Albstadts investiert werden. Mit der Folge, dass das PGT an das Gymnasium Ebingen umzieht und die neue Heimat der Lammerberg-Realschule das jetzige PGT-Gebäude wird. Dort sollen auch die Haupt- und Werkrealschüler der Schillerschule, deren Umzug an den Lammerberg beschlossene Sache ist, unterkommen.

Verkehrssituation entlasten

In den Haushaltsbüchern schlägt der Realschulneubau mit prognostizierten 27 Millionen Euro zu Buche. Durch die inzwischen gestiegenen Baukosten müsste wohl aber mit geschätzt 31 Millionen Euro gerechnet werden, wie Oberbürgermeister Roland Tralmer vorrechnete. Viel Geld, dass in eine Zwei-Feld-Turnhalle am Lammerberg investiert werden könnte. Dazu wäre Geld für eine Optimierung der Raumsituation an der Lutherschule sowie Investition in den Bildungscampus Onstmettingen da. Im Falle eines PGT-Umzugs müsste zudem am Gymnasium Ebingen angebaut werden. Zudem eine Ein-Feld-Sporthalle am Ebinger Gymnasium realisiert werden.

Abgesehen von emotionalen Gesichtspunkten, welche Vorteile könnten die Gedankenspiele der Stadt bringen? Da wäre zum einen die verkehrliche Situation am Schulzentrum Lammerberg, die Baubürgermeister Roland Schmidt vorsichtig als „suboptimal“ bezeichnet. Mitten im Wohngebiet gelegen, sei der Hol- und Bring-Verkehr für Eltern und Anwohner eine Belastung. Zieht das PGT um, würden weniger Elterntaxis am Lammerberg verkehren.

Schenk befürwortet Pläne

Zum anderen sei an die Realschüler zu denken, die derzeit im früheren Gollé-Haug-Gebäude unter nicht optimalen Bedingungen unterrichtet werden. Auf einen Umzug in den Neubau müsste wohl länger gewartet werden als auf einen Umzug in das sanierte PGT.

Von den Überlegungen der Stadt überrascht wurden offenbar auch die Schulvertreter. Informiert wurden die Betroffenen bei einer nicht-öffentlichen Veranstaltung am Mittwochabend. Christian Schenk, Schulleiter am Gymnasium Ebingen, sieht in den Plänen eine „rationale Entscheidung“, die die Vertreter des PGT sicherlich emotional enttäuschen werde. „In Anbetracht der Gesamtumstände hielte ich einen solchen Gemeinderatsbeschluss jedoch für mutig und gut“, so Schenk weiter.

Konstruktiv zusammenarbeiten

Er wäre bereit, die Fünftklässler des PGT bereits ab dem Schuljahr 2027/2028 in Ebingen aufzunehmen. Diese Vorgehensweise erachte er gar als sinnvoll, müssten dann perspektivisch weniger Jahrgänge des PGT nach Ebingen umziehen. In ihrem Zeithorizont spricht die Stadt – sollte alles nach Plan laufen – von einem potenziellen Umzug des PGT Mitte 2029. Platz für die zusätzlichen Fünftklässler habe das Gymnasium Ebingen, versichert Schenk.

Er appelliert, sollte der Gemeinderat einen Beschluss fassen, dass das PGT und sein Haus den Umstrukturierungsprozess konstruktiv mitgestalten. Für Grabenkämpfe oder Stadtteildenken sei kein Platz. Das PGT als separate Schule am Standort Ebingen einzugliedern, hält Christian Schenk für wenig förderlich. Doppelstrukturen in der Verwaltung und erwartbare Reibungen zwischen Schülern und Lehrern der beiden Schulen könnten die Folge sein. Stattdessen wolle er auf eine Namensänderung des Gymnasiums Ebingen in Gymnasium Albstadt hinarbeiten. Er betont: „Die Schülerinnen und Schüler wie auch die Lehrerinnen und Lehrer des Progymnasiums Tailfingen sind bei uns herzlich willkommen.“

Kommunikation wird gelobt

Zudem sieht er den Vorteil, dass das Gymnasium Ebingen mit den Schülern des PGT – in Ebingen würden dann wohl knapp 1100 Schüler unterrichtet – mehr Lernangebote schaffen könnte. Die Sorge, dass Lehrer des PGT ihren Arbeitsplatz verlieren könnten, teilt Schenk nicht. Es gebe genügend Lehrerbedarf in Ebingen. Die Schulleitungen des PGT und der Lammerberg Realschule waren bis Donnerstagnachmittag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Es werden wohl noch viele Gespräche nötig sein, sollte das Konzept der Verwaltung Wirklichkeit werden. Fest steht: Die Pläne stehen noch am Anfang, weder hat der Gemeinderat einen Beschluss gefasst, noch die Schulaufsichtsbehörden – Regierungspräsidium Tübingen und Kultusministerium – als letzte Glieder in der Kette grünes Licht gegeben.

Dennoch hat die Verwaltung bewusst den frühen Weg in die Öffentlichkeit gewagt und die Beteiligten miteinbezogen. Und erntet dafür Lob von Georgios, Schulleiter der Schillerschule. „Ich bin höchst erfreut über den kommunikativen Austausch der Stadt.“ Er sieht, dass nach den hitzigen Debatten um die Schließung der Haupt- und Werkrealschule in Onstmettingen ein Lerneffekt bei der Verwaltung eingesetzt habe. Nun gelte es, gemeinsam die konzeptionelle Neuausrichtung der Bildungslandschaft voranzutreiben und vor allem der Pädagogik eine gewichtige Rolle einzuräumen.