Für mehr als 1000 Viertklässler im Kreis Rottweil steht eine entscheidende Frage an: Welche weiterführende Schule sollen sie künftig besuchen? Der Trend ist eindeutig. Und was ist mit G9?
Im Schuljahr 2023/2024 entsprach das Übergangsverhalten der Viertklässler im Kreis Rottweil etwa dem der Vorjahre. Demnach drängten die meisten Viertklässler in die fünften Klassen an den Gymnasien. 442 Schüler entschieden sich für diesen Bildungsweg. 325 Kinder schlugen den Bildungsweg zur Realschule hin ein, 168 wählten die Gemeinschaftsschule, lediglich 148 besuchten fortan eine Werkreal-, beziehungsweise Hauptschule.
Nun müssen sich die aktuellen Viertklässler und ihre Familien entscheiden. Wir haben mit der Leiterin des Staatlichen Schulamtes in Donaueschingen, Susanne Cortinovis-Piel, über die aktuelle Situation im Schulamtsbezirk gesprochen, der die Landkreise Schwarzwald-Baar und Rottweil umfasst.
Welche Auswirkungen haben die Pläne zu G9?
Wie sieht sie die Entwicklung und die kommenden Herausforderungen? Und wie wird sich beispielsweise der Plan zur Rückkehr zum G9 auf die Übergänge ans Gymnasium auswirken? Die Schulamtsleiterin sagt: „Das ist schwer zu prognostizieren, da die Schulwahl von sehr unterschiedlichen Faktoren abhängt.“ Neben der Verweildauer auf dem Gymnasium seien Notendurchschnitt, Lern- und Anstrengungsbereitschaft, Begabung, Konzentration und Merkfähigkeit, Arbeitsweise und Motivation, Sozialverhalten des Kindes weitere ausschlaggebende Kriterien.
Wie ist die personelle Lage an den Schulen?
Da stellt sich die Frage, ob dies personell zu schaffen ist? Schließlich herrscht jetzt schon Lehrermangel. „Es ist zu vermuten, dass sich in diesem Bereich der Stellenbedarf erhöht, sagt Cortinivis-Piel.
Akuell fehlen laut der Schulamtsleiterin im Sekundarbereich besonders Lehrkräfte bestimmter Fächer: Zum Beispiel suchen wir Physik- und Chemie, aber auch Französischlehrerinnen und Lehrer. „Im Primarbereich ist unsere Situation angespannt und zugleich stabil. Situativ herausfordernd sind Ausfälle an sehr kleinen Schulen, weil die jeweils ausfallende Lehrperson zugleich ein erheblicher Teil des Kollegiums darstellt.“
Und wie kann neues Personal gewonnen werden? Die Schulamtsleiterin ist optimistisch: „Gerade im Primarbereich ist die Zahl der Studierenden besonders hoch, so dass wir zuversichtlich sind, in den nächsten Jahren viele junge Lehrerinnen und Lehrer auch in unserer Region begrüßen zu können.“ Zugleich müsse man alles dafür tun, dass die Schulen pädagogisch-fachlich so attraktiv für junge Menschen sind, dass sie hier gerne leben und arbeiten wollen.
Derweil wirke sich der Lehrermangel natürlich auch auf die Klassengröße aus, erklärt sie auf Nachfrage. „Wenn an einer Schule Lehrkräfte fehlen, ist es auch schon einmal notwendig, etwas größere Klassen zu bilden.“ Hier werde jedoch durch gezielte Differenzierungsmaßnahmen, zum Beispiel zusätzliche Förderstunden eine bestmögliche Förderung sichergestellt, versichert sie.
Integration der Flüchtlinge eine Herausforderung
Eine weitere Herausforderung stellt die Integration der Flüchtlinge dar. Wie kann dies gelingen? Das könne auf unterschiedliche Art und Weise geschehen, so die Schulamtsleiterin. „Zum einen werden die Kinder und Jugendlichen in Vorbereitungsklassen sprachlich auf die Integration in den Schulbetrieb vorbereitet, zum anderen ist eine direkte Integration mit Zusatzförderung in den Klassen möglich.“
Während sich das Staatliche Schulamt also auf die verschiedenen Herausforderungen vorbereitet, haben die Viertklässler und ihre Eltern atktuell die Qual der Wahl.
Auch Berufliche Gymnasien bieten viele Möglichkeiten
Und nicht nur diese: Für die Älteren läuft derzeit auch an den Beruflichen Gymnasien im Kreis Rottweil die Anmeldefrist. Sie spielen im Bildungsgefüge eine wichtige Rolle und bieten de facto schon immer das G9 – in Kombination mit dem vorangegangenen Realschulabschluss an einer anderen Schule – an. Und das mit ganz verschiedenen, individuellen Schwerpunkten.
Die Anmeldefristen
Für Schüler nach der Grundschulempfehlung sind die Anmeldetage an den weiterführenden Schulen von Dienstag, 5. März, bis Freitag, 8. März.
Die Bewerbung um einen Schulplatz an einem Beruflichen Gymnasium erfolgt landesweit seit 23. Januar über das Online-Portal BewO. Für eine fristgemäße Bewerbung müssen die Unterlagen bis spätestens 1. März der Schule vorgelegt werden.