Mit guten Sprachkenntnissen zur Einschulung. Diverse Programme sollen Kindern den Übergang von der Kita in die Grundschule erleichtern.
Das Leitbild „Bildungsregion“ des Landkreises richtet den Fokus auf frühkindliche Bildung mit besonderem Blick auf den Übergang vom Kindergarten in die Grundschule. Über Einzelheiten informierte Laura Rössler vom Landratsamt jüngst den Kreisjugendausschuss.
Das vom Kultusministerium Baden-Württemberg neu eingeführte Sprachförderkonzept „SprachFit“ – Auf den Anfang kommt es an“ sieht einen Ausbau von Sprachförderangeboten vor, die sowohl Kindertageseinrichtungen als auch Grundschulen betreffen.
Dazu gehört eine vierstündige Sprachförderung im letzten Kita-Jahr. Zusätzlich haben Kita-Träger die Möglichkeit, eine halbe Stelle für eine Fachkraft Sprache zu beantragen. Die „Bildungsregion“ unterstützt zudem das Programm „Alle dabei! Wir für die Kinder im Landkreis Lörrach“. Dabei geht es um die die Fortbildung pädagogischer Fachkräfte, etwa durch die Vermittlung von Praxisimpulsen.
Hinzu kommt eine inklusive Weiterentwicklung der Kindertageseinrichtungen unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Ausgangslagen. Im Jahr 2025 nahmen sieben Einrichtungen an diesem Prozess teil. Bei der Umsetzung hilft das Institut „chancengleich“ der Evangelischen Hochschule Freiburg.
Inklusion leben
Eine erste Auswertung hat gezeigt, dass gerade Leitungskräfte für den langfristigen Erfolg eine zentrale Rolle spielen. Es wird deshalb über eine Leistungscoaching als Vorbereitung auf das Programm nachgedacht. Am 13. Oktober fand im Landratsamt die Auftaktveranstaltung „Wir leben Inklusion – inklusiver Landkreis Lörrach“ statt. Mit dieser Veranstaltung wollte der Landkreis ein Zeichen setzen: Jedes Kind ist willkommen, unabhängig von Herkunft, Beeinträchtigung, Sprache oder sozialen Voraussetzungen. Nun geht es um eine gezielte Weiterentwicklung der Kitas zu inklusiven Lernorten. Ein Fokustag Ende September verfolgte das Ziel, neue Lösungsansätze und praxisnahe Werkzeuge für pädagogische Fachkräfte vorzustellen.
Die Themenschwerpunkte aus dem vergangenen Jahr – Inklusion, Vielfalt und Lesekompetenz – werden fortgesetzt. Eine für Kitas ausleihbare „Vielfaltsbox“ soll vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung unterstützen. Bald kommt eine Box zum Schwerpunkt MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) hinzu.
Unter dem Titel „Sei dabei! Lesen schafft Zukunft!“ ist nach den Osterferien eine Aktionswoche geplant. Das kostenlose Programm richtet sich an Kinder im Kita- und Grundschulalter und umfasst unter anderem Vorleseaktionen, eine Bücherausstellung, Kinofilme, Theatervorführungen und Bilderbuchkinos. Dabei sollen auch Quartierstreffs eingebunden werden.
Tropfen auf heißen Stein
Margarete Kurfeß (Grüne) hoffte, dass viele Kitas einen Antrag auf eine Fachkraft Sprache stellen. „Wir haben lange für eine Sprachförderung gekämpft“, erklärte sie und befürchtete, dass vier Stunden pro Woche nicht ausreichend sind. Kurfeß begrüßte darüber hinaus das verstärkte Engagement im Bereich Inklusion. Von einem „Tropfen auf einen viel zu heißen Stein“ sprach auch Gabriele Weber (SPD) angesichts einer erkennbaren Verarmung der Sprache, die keineswegs nur bei Kindern mit Migrationshintergrund zu beobachten sei.
Von einer Aufbauphase bis 2028, die man nun aushalten müsse, berichtete Laura Rössler. Es gehe um die Sprachkompetenz der Kinder, die eingeschult werden, betonte Sozialdezernentin Elke Zimmermann-Fiscella. Dazu hatte sie auch eine gute Nachricht für den Landkreis: Denn der liegt dank vieler Bemühungen mit etwa 23 Prozent der einzuschulenden Kinder, die einer intensiven Sprachförderung bedürfen, landesweit eher im unteren Bereich. Ein Wermutstropfen: „Die, die es am dringendsten bräuchten, werden von freiwilligen Angeboten oft gar nicht erreicht.“