Die Schulen im Gäu wurden bisher weitgehend von Corona verschont. Aber nun häufen sich die positiven Tests. Einige Rektoren äußern sich im Gespräch mit unserer Redaktion zur Teststrategie, dem Umgang mit Infektionen und Zukunftshoffnungen.
Gäu - Mit dem Testen sei es inzwischen "wie mit dem Händewaschen", meint der Rektor der Realschule Althengstett Stefan Eiding zur seit 10. Januar geltenden verschärften Teststrategie der Landesregierung in den Schulen. Es sei fast "erschreckend, wie schnell man sich an das Testen gewöhnt". Vorerst müssen sich laut der Pressemitteilung des Landes vom 5. Januar bis 25. Februar alle Schüler drei Mal pro Woche testen lassen, wenn sie nicht geboostert sind und jeden Tag, wenn es einen Corona-Fall in der Klasse gibt.
Wie funktioniert das Testen?
Elke Ruf, Rektorin der Gemeinschaftsschule Althengstett lobt, dass es "die Kinder sehr, sehr gut machen", aber dennoch "geht viel Zeit fürs Testen drauf". Karin Rittig, Rektorin der Schlehengäuschule Gechingen pflichtet ihr bei: Das Testen dauere schon jedes Mal mindestens zehn Minuten. Diese Unterrichtszeit fehle natürlich. In der Grundschule Ostelsheim habe man sich deshalb etwas Besonderes ausgedacht, erklärt Rektor Stefan Klüppel. Dort hätten sich 16 Eltern bereit erklärt, an zwei von drei Tagen die Schüler beim Testen zu beaufsichtigen. Wenn allerdings ein Test positiv sei, so bringe das laut Eiding bei ihm in der Realschule in Althengstett erhebliche Unruhe mit sich. "Ein positiver Test schmeißt den ganzen Tag um, da die Schüler dann nur noch im Klassenverband unterrichtet werden". Normalerweise würden Schüler zum Beispiel im Fach Religion mit Schülern aus anderen Klassen zusammen unterrichtet. Bei einem positiven Test müsse man dann morgens unter Umständen den ganzen Tag umorganisieren.
Wie viele Coronafälle gab es?
Ruf, Rittig und Klüppel berichten, dass sie bisher von Coronafällen weitgehend verschont geblieben sind. Lediglich Eiding vermeldet, dass in seiner Realschule in Althengstett zur Zeit eine Klasse in Quarantäne sei. Doch wegen der neuerlichen Regeländerung, nach der laut Pressemitteilung des Landes vom 2. Februar nun selbst "bei größeren Ausbruchsgeschehen [...] künftig nicht mehr ganze Klassen und Kitagruppen in Quarantäne" müssen, komme diese Klasse nun in den Präsenzunterricht zurück.
Seit dieser Woche häufen sich jedoch die Fälle: "Wir kämpfen gerade", meint Rittig. In Gechingen seien schon zwei Kindergärten geschlossen worden. Nachdem sich nun viele Kindergartenkinder infiziert hätten, würden sich nun sicher in den nächsten Tagen deren ältere Geschwister anstecken. Daher werden in Gechingen Maßnahmen ergriffen, die in den anderen von der Redaktion angefragten Schulen noch nicht geplant sind. Man wolle ab nächster Woche die Klassen in Kohorten unterrichten, so Rittig.. Das heißt, die Klassen bleiben immer in derselben Zusammensetzung und werden nur von ihren Klassenlehrern betreut. So unterrichte Rittig, die normalerweise in sechs Klassen lehre, ab nächster Woche nur noch in zwei Klassen.
Zum Glück agierten die Eltern sehr sorgfältig. Denn wenn ein Kind, das noch in den Kindergarten gehe, Anzeichen einer Erkrankung zeige, ließen sie auch die älteren Geschwister, die bereits in die Schule gingen, zu Hause. Allerdings sei man, gibt Eiding zu bedenken, wegen der Überlastung der Gesundheitsämter eben auch auf die Ehrlichkeit der Eltern angewiesen. Wie viele Kinder wirklich positiv sind, könne man daher gar nicht angeben. Ähnliches berichten auch die anderen Schulleiter.
Was, wenn viele Kinder in Quarantäne sind?
Hybridunterricht, bei dem die in Quarantäne befindlichen Kinder von zu Hause aus über Videokonferenzen am Unterricht teilnehmen, während der Rest der Klasse in Präsenz unterrichtet wird, sehen die Schulleiter eher kritisch. Man sei zwar digital super ausgestattet, erklärt Ruf stolz, aber "das Klassenzimmer ist ein geschützter Raum". Daher gäbe es an ihre Schule, ähnlich, wie auch die anderen Schulleiter berichten, nur im Ausnahmefall Hybridunterricht.
Wie wirkt sich die erhöhte Inzidenz auf die Lehrer aus?
Letztlich "steht und fällt alles mit den Lehrern", so Rittig, "denn dafür bekomme ich keinen Ersatz". Ruf ergänzt, dass dann eben alle anderen Lehrkräfte mehr arbeiten müssten, um das Fehlen der erkrankten auszugleichen. "Wir waren sehr sorgfältig", ist sich Rittig sicher. Alle hätten den ganzen Tag FFP2-Masken getragen, dennoch hätte sich in Gechingen nun ein Lehrer infiziert, in Althengstett seien es laut Ruf vier. Insgesamt sei die Zahl der Ausfälle an Lehrern laut Eiding vergleichbar mit denen vor der Pandemie zu dieser Jahreszeit. Verschärfungen bringen eher Regelungen wie die, dass Lehrerinnen, sobald sie schwanger sind, sofort ins Homeoffice müssen. Aber auch dafür gebe es bei ihm in Althengstett eine Lösung. Zwei schwangere Lehrerinnen würden ihre Klassen von zu Hause aus unterrichten. Das entlaste das Kollegium, denn er brauche lediglich eine Aufsicht in diesen Klassen.
Wie geht es jetzt weiter?
Zum einen habe es einen großen Digitalisierungsschub durch die Coronakrise gegeben, meint Ruf. Statt Tafelaufschrieben benutze sie nun ein Tablet dafür. Die Arbeit damit mache Spaß und die Aufschriebe könne man schwächeren Schülern schicken, die nicht so schnell abschreiben können. Zum anderen sei man durch Coaching-Gespräche, die an Gemeinschaftsschulen Lehrer mit den Schülern führen, nah an den Kindern dran, meint Ruf. Sie ist sich sicher: "Corona hat etwas mit den Kindern gemacht, aber ich denke, wir sind eine starke Gemeinschaft."
Das Förderprogramm "Lernen mit Rückenwind" vom Kultusministerium sorge dafür, dass Lernrückstände ausgeglichen werden können. Rittig ist es nun wichtig, die Schule nicht zu schließen, das habe man bei schlimmen Grippewellen auch nicht gemacht. Für Ruf steht jetzt an erster Stelle, die Kinder zu stärken. Das könne man als Schule, denn die "Schule ist ein sicherer Anker, wo Menschen sind, die Halt geben."