Welche Themen beschäftigen die Gemeinden 2026? Unsere Redaktion hakt bei Bürgermeistern nach. Matthias Litterst wünscht sich für Schuttertal ein entspannteres Jahr.
Die Sonne strahlt über Dörlinbach. Es ist frühlingshaft warm, also nimmt Bürgermeister Matthias Litterst unsere Redaktion mit auf einen Spaziergang zur Prinschbachhütte. Unterwegs analysieren wir die Ergebnisse der Landtagswahl. Hin und wieder stoppt der Rathauschef, grüßt die anderen Spaziergänger, hält Smalltalk mit ihnen. An der Prinschbachhütte setzt er sich auf die sonnenbeschienene Bank – und wir sprechen ihn auf die Themen Schuttertals an. Da schnauft er kurz durch. „So etwas braucht man nicht jedes Jahr“, blickt Matthias Litterst zunächst einmal zurück.
Damit bezieht er sich auf den Kampf um den Erhalt des Seelbacher Pflegeheims, den er gemeinsam mit Amtskollege Michael Moser am Ende erfolgreich geführt hat. Viele (abendliche) Telefonate, viele Gespräche seien nötig gewesen, um die Übergabe vom Caritasverband an die Firma Kenk schließlich zu ermöglichen.
Ganz im Gegensatz dazu stand das große – und überaus gelungene – Jubiläumsjahr in Dörlinbach. Mit den zahlreichen Veranstaltungen über das Jahr verteilt begeisterte es das ganze Dorf. Natürlich band die Organisation auch Kapazitäten in der Verwaltung, „aber ich habe ein tolles Team“, spricht Litterst seinen Mitarbeitern im Rathaus ein großes Lob aus.
Bürgermeister glaubt an neue Nahversorgung
Auf dieses Team kommen im Jahr 2026 einige Aufgaben zu, die es umzusetzen, anzustoßen oder zu koordinieren gilt. Eine der wichtigsten liegt allerdings in den Händen der Bürgerschaft: die Sicherung der Nahversorgung in Dörlinbach. Am Donnerstag hat der Arbeitskreis die Ergebnisse der Umfrage vorgestellt. Die Quintessenz: Fast alle Teilnehmer halten eine Einkaufsmöglichkeit vor Ort für essenziell, die meisten wünschen sich einen Laden mit Poststelle. Rund 100 Menschen erklärten ihre Bereitschaft, bei der Entwicklung eines neuen Konzepts mitzuhelfen.
„Ich bin zuversichtlich, dass wir eine gute Lösung finden“, erklärt Litterst. Ein kleiner Treffpunkt, ein kleines Café würde ihn sehr freuen. „Je schöner und größer desto besser.“ Ganz ohne Übergangszeit werde es allerdings wohl nicht gehen. IK Griesbaum schließt bereits Ende März, die Post dann Ende Juni.
In Schweighausen ist das größte Thema im diesem Jahr die Sanierung des Schulhauses. Fenster und Bodenbeläge müssen erneuert werden, ganz wichtig sei vor allem ein neues Dach. Dazu gilt es, einige Brandschutzmaßnahmen umzusetzen, sehr sichtbar werde eine zweite Fluchttreppe außen am Gebäude installiert. Insgesamt macht die Gemeinde dafür rund 700 000 Euro locker – hofft aber noch auf Fördermittel aus dem Ausgleichstock und der Schulbauförderung.
Wasserversorgung wird auf neuesten Stand gebracht
Auf den neuesten Stand gebracht wird auch die Wasserversorgung in Dörlinbach. Dort wurden die Baumaßnahmen in mehrere Abschnitte unterteilt – „bei der großen Ursprungsmaßnahme wären uns die Kosten davongelaufen“, so Litterst. Zudem habe man noch eine böse Überraschung erlebt, als man feststellte, dass der Unterbau der Straße kaum vorhanden war. Beim offen Graben habe es Rissbildungen und Setzungen an der Straße gegeben. Die Arbeiten an Wasserleitungen, weiß der Bürgermeister, bedürfen „besonders hoher Sorgfalt“. Schließlich gehe es um das wichtigste Lebensmittel. „Ganz ohne Einschränkungen wird es nicht gehen“, warnt Litterst die Dörlinbacher schon einmal vor, versichert aber, dass man sie frühzeitig benachrichtigen werde.
Informationen über anstehende Bauarbeiten will die Gemeinde künftig auch über die Sozialen Medien verbreiten. Aktuell hat Schuttertal keinen aktiven offiziellen Account, Litterst selbst verbreitet über seine Seite regelmäßig Einladungen zu Veranstaltungen. Doch „nützliche Informationen“ teilt die Gemeinde nicht auf Facebook, Instagram und Co. Das Potenzial erkannt habe er, als er einmal über einen Wasserrohrbruch in Schuttertal informierte und sich die Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitete, erzählt Litterst. Wann genau Kapazitäten der Verwaltung frei sind, einen Social-Media-Auftritt ins Leben zu rufen, stehe allerdings noch nicht fest.
Konzept für die Zukunft Schuttertals in Planung
Auf der Agenda hat der Bürgermeister dieses Jahr auch die Erstellung eines neuen Gemeindeentwicklungskonzepts. „Es geht ganz grundlegend um die Frage: Wo wollen wir in den kommenden Jahren hin?“, sagt Litterst. Konkrete Schritte für ihre Zukunft haben derweil die SG Schweighausen und der SV Dörlinbach eingeleitet. Dank der Zusammenarbeit der Vereine erhalten beide einen neuen Sportplatz. Der Bau des Kunstrasenplatzes könnte schon dieses Jahr abgeschlossen sein. In der Bauphase nutzen die Schweighausener den Dörlinbacher Platz, im kommenden Jahr ist es umgekehrt. Mehr noch: Die Erde, die in Schweighausen anfällt, kann in Dörlinbach verbaut werden und senkt so die Kosten erheblich.
Bleibt noch das Thema Windkraft. Hier wird sich Schuttertal in der zweiten Offenlage des Regionalplans gegen die übrig gebliebenen Vorranggebiete zur Wehr setzen, kündigt Litterst an. Mehr dazu werde in der kommenden Gemeinderatssitzung zu erfahren sein.
Die Agenda mag unterm Strich wieder gut gefüllt sein, viel spricht dennoch dafür, dass Littersts Wunsch in Erfüllung geht und 2026 etwas weniger aufreibend wird. Ganz ohne Pflegeheim-Drama.
Zur Person
Matthias Litterst stammt aus Ortenberg und ist der Sohn von Hermann Litterst, der dort 39 Jahre lang Bürgermeister war. Nach seiner Ausbildung als Verwaltungsfachangestellter bei der Stadt Offenburg arbeitete er zunächst in der Ortsverwaltung Zunsweier, dann in der Abteilung Recht und wechselte schließlich nach Hornberg. 2020 wurde er mit 98,5 Prozent der Stimmen zum neuen Bürgermeister von Schuttertal gewählt. Als Rathauschef der Gemeinde fühlt er sich seitdem sehr wohl, wie er erzählt.