Die Initiatoren der GRS Villingendorf setzen auf konkrete Begegnungen statt digitale Distanz: Nachhaltige Berufsorientierung braucht echte Erfahrungen, so soll es umgesetzt werden.
Dass handwerkliche Berufe Zukunft haben, zeigt ein aktuelles Beispiel aus der Region. Durch eine enge Kooperation mit Betrieben des Handwerks konnte ein Abschlussschüler der GRS Villingendorf erfolgreich in eine Ausbildung zum Maurer vermittelt werden.
Diese Erfahrung hat die Beteiligten darin bestärkt, die Zusammenarbeit weiter auszubauen. Denn im Schulalltag wird immer deutlicher, dass in vielen Schülern handwerkliche Talente schlummern. Und solche Stärken offenbaren sich vor allem im praktischen Tun. „Nachhaltige Berufsorientierung findet nicht passiv und digital vor Bildschirmen statt“, betonte Claudia Seifried.
In ihrer Funktion als Schulsozialarbeiterin hatte sie gemeinsam mit Petra Schneider zu einem ersten Sondierungstreffen eingeladen. Die Schneider Hausbau GmbH verfügt über ein breites Netzwerk zu Partnerbetrieben, das bei der Suche nach Praktikums- und Ausbildungsstellen sowie zum Aufbau geeigneter Kooperationen genutzt werden soll.
Die berufliche Vielfalt soll sichtbarer werden
Gleichzeitig zeigt sich ein strukturelles Problem. Aufgrund des zurückhaltenden betrieblichen Engagements im Rahmen der schulischen Berufsorientierung, das mehrheitlich auf zeitliche sowie personelle Verpflichtungen zurückgeführt werden kann, bleibt vielen Jugendlichen die enorme Vielfalt und Attraktivität handwerklicher Berufsbilder verborgen. Entsprechende Talente werden nicht erkannt, können sich nicht entfalten und Chancen –etwa über berufliche Praktika– bleiben ungenutzt.
Gemeinsam ans Ziel
Um dem entgegenzuwirken, wollen die GRS Villingendorf sowie die Unternehmen Schneider Hausbau GmbH und Huonker GmbH & Co. KG nun gemeinsam aktiv werden. Dabei könne man nicht einfach etwas übers Knie brechen. Ziel sei es vielmehr, auch weitere örtliche und regionale Handwerker für kleine Projekte verstärkt an die Schule zu holen und dadurch „Leuchttürme“ zu setzen.
Interesse soll wieder wachsen
„Erfolgreiche Ideen und Aktivitäten binden unsere Jugendlichen unmittelbar mit ein und haben eine enorme Strahlkraft nach außen“, sagte Torsten Zühlsdorff, Koordinator des BO-Teams an der Schule. Auf diese Weise solle das allgemeine Interesse an handwerklichen Berufsbildern und entsprechenden Praktika wieder wachsen. „Indem wir uns aktiv in die schulischen Maßnahmen einbringen, könnte sich mittelfristig auch die Nachwuchssituation etwas entspannen“, ergänzte Schneider.
Alle an einem Tisch
Ein erster Schritt ist nun getan: Bei dem gemeinsamen Treffen legten Seifried und Zühlsdorff zusammen mit Schneider, Yannik und Udo Huonker sowie dem Schüler Daniel den Grundstein für eine neue Initiative. Herzstück der weiteren Planung ist zunächst ein Vernetzungsmeeting, bei dem die Akteure möglichst viele Vertreter aus dem örtlichen und regionalen Handwerk an einen Tisch bringen möchten.
Gespräche auf Augenhöhe
In ungezwungener Atmosphäre will man bei diesem „Handwerkervesper“ miteinander ins Gespräch kommen, Erfahrungen teilen und Kooperationen anstoßen. Niederschwellig, praxisnah und auf Augenhöhe – so lautet das Konzept. Die Initiatoren erhoffen sich dadurch auch ein stärkeres gegenseitiges Verständnis. „Wenn Schule und Handwerk pragmatisch zusammenarbeiten, profitieren alle Beteiligten, vor allem aber die Jugendlichen“, hob Schneider hervor.
Das geplante Handwerkervesper solle daher den Auftakt für ein langfristiges und tragfähiges Engagement bilden, die dem Handwerk und der beruflichen Bildung in der Region neue Impulse verleiht. Erste konkrete Vorschläge, die zeitnah in die schulische Umsetzung und Erprobung gehen könnten, liegen bereits vor. „Praktisch, kompakt und zielgerichtet – jetzt geht es darum, unsere Expertisen und Erfahrungen zu bündeln“, fasste Huonker die Aufbruchsstimmung dieser interdisziplinären Runde zusammen.