Hier wartet noch Arbeit (von links): Thomas Mutschler, Siegfried Dölker und Simone Huß. Foto: Schwind Foto: Schwarzwälder Bote

Bildung: Kleine, feine Schule im feinen, kleinen Örtchen / Engagiertes Team für eine Familienklasse

Sulz-Hopfau (hs). Virologin, IT-Expertin, Organisatorin, Krisenmanagerin und dann war ja auch noch das Kerngeschäft mit der Beschulung von 25 Schülern: So sieht momentan der Berufsarbeitstag einer kommissarischen Grundschulleiterin in einem 700-Seelen-Dorf aus.

Und trotzdem hört es sich nicht nach Frust an, was Simone Huß als kommissarische Schulleiterin der Grundschule Hopfau/Dürrenmettstetten bei einem Pressegespräch mitteilt.

So etwas funktioniert natürlich nur mit viel Engagement ihres Lehrerteams, bestehend aus vier Teilzeitkräften und dem Pfarrer für vier Stunden. Die 25 Schüler zählen im Kultusministerium als eine Familienklasse mit einem Lehrauftrag, im nächsten Jahr werden es noch einmal drei Schüler weniger sein, erklärt Simone Huß. "Aber dann geht es aufwärts – und wir werden mit mehr als 30 Schülern auch wieder zwei Lehraufträge bekommen", erklärt die Pädagogin.

Die geringeren Schülerzahlen eröffnen dafür Räume für einen engen Bezug –­ nicht nur zu den Schülern, sondern auch zu den Eltern. Und gerade dieser pädagogische Bezug und die Einbindung der Eltern ist Huß sehr wichtig. Der Erfolg gibt ihr recht.

"Wir brauchen keine Ganztagsgrundschule oder verlässliche Grundschule, die Eltern sind froh und zufrieden, wenn unsere Schule am Ort erhalten bleibt. Wir kommen jeden Tag sehr gerne hierher und sind halt eine kleine, feine Schule", erklärt die Lehrerin. Der Hopfauer Ortsvorsteher, Thomas Mutschler, ergänzt noch: "In einem kleinen feinen Örtchen."

Simone Huß pflegt einen engen Kontakt zu den beiden Ortsvorstehern, in Hopfau Thomas Mutschler und in Dürrenmettstetten Siegfried Dölker.

Die Corona-Situation habe eine Masse von Förderprogrammen in Gang gesetzt, informiert Huß. Für den Digitalpakt eins, der bis ins Jahr 2024 laufe, sei ein sogenannter Medienentwicklungsplan erforderlich. "Darin muss alles genau begründet werden, um bewilligte Gelder dann auch abrufen zu können", sagt Simone Huß. Die Kommune habe einen Eigenanteil in Höhe von 20 Prozent der Investitionskosten zu tragen.

Aus dem Sofortausstattungsprogramm hat die Hopf­auer Grundschule 16 iPads inklusive passender, kindgerechter Hüllen erhalten. Für Lehrer gibt es Leihgeräte. Eine Riesenaktion sei die Verlegung der Netzwerkverkabelung im ganzen Haus gewesen. Wegen der Strahlung sei das Wlan nur bei Bedarf angeschaltet, zudem wäre die Lan-Verbindung auch stabiler erklärt Huß.

Leinwände, Beamer und ein leistungsfähiger Drucker stehen jetzt ebenfalls für die Schule zur Verfügung. So ist die Hopfauer Grundschule doch relativ gut im digitalen Bereich aufgestellt. Dass das aber so ist, macht die Schulleiterin neben den Zuschüssen vor allem daran fest, dass sich Uli Weigold bestens eingebracht hat. Ein großer Anteil habe ebenso der ehemalige Schulleiter, Karl Stephan, der mit seiner Sparsamkeit mehr als 20 Jahre ein nicht unerhebliches Kapital angehäuft habe, das jetzt sinnvoll eingesetzt werden konnte, freut sich Simone Huß.

Für die Lehrerin steht aber auch fest: "Wir werden niemals, zumindest nicht in der Grundschule, dahin kommen, dass nur am iPad gelernt werde. Die Grundschüler müssen händisch lernen."

Aus dem Corona-Budget wurden Raumluftfiltergeräte, die aber vorwiegend im Winter zum Einsatz kommen sollen, und Kohlendioxid-Ampeln angeschafft. Im Schulhof wartet noch ein Haufen Hackschnitzel, der recht spontan angeliefert wurde, wie Thomas Mutschler erklärt. Er müsse unter der Sitzgruppe verteilt werden. Ein Hochbeet samt Insektenhotel sollen den Schulhof aufwerten.

Einem zufriedenen Ortsvorsteher Thomas Mutschler gebührte dann das passende Schlusswort: "In Krisen Chancen sehen und da sind wir jetzt dabei."

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