In einem Workshop befassten sich Schülerinnen und Schüler der Ergenzinger Gemeinschaftsschule mit abrahamitischen Religionen. Foto: Klaus Ranft

Gegen Rassismus im Allgemeinen und um die abrahamitischen Religionen im Besonderen ging es in der Mensa bei einem Workshop für die Neuntklässler der Gemeinschaftsschule im Gäu.

Eingebettet in das Rottenburger Schulprojekt „gegen Rassismus“ hatte Pietro Scalera vom Integrationsbeirat der Großen Kreisstadt vor Beginn des Workshops die Schüler auf diesen Morgen vorbereitet. Letztere zeigten sich auch gut informiert. Gleich bei der ersten Frage von Stephanie Krauch vom Abrahamischen Forum in Deutschland, wer schon einmal etwas von abrahamitischen Religionen gehört habe, schnellten mehrere Hände in die Höhe und sie wurde dann auch von einer Schülerin richtig beantwortet. Dazu gehörten Christen, Juden und Muslime, sagte sie, was ihr ein Lob der Referentin einbrachte. Krauch, bekennende evangelische Christin hatte mit dem jüdischen David und dem Muslimen Tuncay noch zwei Protagonisten mitgebracht, die das abrahamitische Trio komplettierten.

 

Dann erfuhren die Schülerinnen und Schüler zunächst einmal, dass in Deutschland 84 Millionen Menschen leben, von denen 40 Millionen Christen sind, rund 20 Prozent evangelisch, 25 Prozent katholisch. Dazu gesellen sich rund 200.000 Juden und rund 5,6 Millionen Muslime.

Letztlich hätten aber alle Glaubensrichtungen ihre Probleme. Die Zahl der Christen nehme zwar weltweit zu, deren Kirchen hätten aber insbesondere in Deutschland viele Austritte zu verzeichnen. Juden und Muslime fühlten sich vielerorts und vor allem derzeit, zumindest kritisch angesehen.

Frage- und Antwortstunde

Es folgte eine muntere und interessante Frage- und Antwortstunde, in der sich die drei „Vertreter der Weltregionen“ auch outeten. Der Jude David, der vor vielen Jahren von Amerika nach Deutschland gekommen war sagte, er und auch die meisten jüdischen Mitbürger kleideten sich nicht traditionell, weil sie nicht als solche erkannt werden wollen. Seit dem Gaza-Krieg müssten Versammlungsorte und Synagogen bewacht werden, antwortete er auf Nachfrage. Der Krieg selbst sei eine menschliche Tragödie. Immer wieder hätten Terroristen das friedliche Zusammenleben der beiden betroffenen Völker – Palästinenser und Juden – verhindert. Über Israels Ministerpräsident Netanjahu verlor er kein gutes Wort.

Als Muslim habe er nicht viel gute Erfahrungen gemacht, sagte Tuncay. Ein Bartträger lasse auch nicht darauf schließen, dass man Muslim sei. Er habe sich auch nie sichtbar als solcher gezeigt. Dennoch sei er beispielsweise in Lokalen immer wieder angestarrt worden. Die Frage nach der Verschleierung beantwortete dieser mit der These, dass es viele Formen dafür gebe. Sogar in modernerem Stil. Mit der Gründung seiner Familie habe sich auch sein Verhalten in Sachen Bekleidung geändert, zumal seine Gattin sich salopp bedeckt anziehe. Dass Frauen ohne Kopftuch, die dann noch Müller oder Maier heißen, bevorzugt einen Arbeitsplatz bekämen, könne er nicht ausschließen, so Tuncay.

Von Stephanie Krauch erfuhr man, dass sie gerne in Heidelberg die evangelische Kirche besuche, sich schon immer für andere Religionen interessiert habe und sich daher auch beruflich damit befasse.

Puzzle zu Religionen

Am Schluss der Veranstaltung durften sich die Schüler an einer Art Puzzle beteiligen. Sie mussten bestimmte Utensilien, die auf einem Tisch lagen, einer bestimmten Religion zuordnen. Alles in allem gesehen erlebten die Schüler einen offenen und zugleich kritischen Meinungsaustausch, an dem sie sich rege beteiligten. Vor allem aber auch lernten sie, dass sich ohne Demokratieverständnis im interreligiösen Dialog nichts bewege.