Frankreichs Präsident hat viele Schulden angehäuft – konnte er etwa nicht anders? Foto: /ZUMA Press Wire/Sadak Souici

Emmanuel Macron ist für mehr als ein Viertel des seit Jahrzehnten angehäuften Schuldenbergs Frankreichs verantwortlich. Damit stürzt er alle gemäßigten politischen Kräfte des Landes in Nöten, meint unser Paris-Korrespondent Stefan Brändle.

In Frankreich laufen die Finanzen aus dem Ruder. Und jetzt wird in Paris auch gefragt, warum. War die spendable Linke schuld? Nein, sie war seit sieben Jahren nicht mehr an der Macht. Verantwortlich ist erstaunlicherweise ein liberaler Präsident: Emmanuel Macron, auch „Jupiter“ genannt, weil er sich keine Grenzen auferlegte, hat die Staatsschuld seit seiner ersten Wahl im Jahr 2017 von gut 900 auf 3200 Milliarden Euro getrieben. Mehr als ein Viertel der seit Jahrzehnten angehäuften Schulden seines Landes gehen also auf sein Konto.

 

Dass er in der Covid- und der Inflationszeit gar nicht anders konnte, zieht als Begründung nicht: Andere EU-Länder haben diese Krisen besser überstanden. Die Hausökonomen des Staatschefs, die Macronomics, stehen schlecht da. Allen voran Bruno Le Maire, der sieben Jahre Wirtschaftsminister war und sich nun auf eine Professur in der Schweiz absetzte.

Fatal ist dieses megalomane Missmanagement auch politisch. Die gemäßigten Kräfte verlieren gegen die drohenden Rechts- und Linkspopulisten ein wichtiges Argument: das der ökonomischen Vernunft. Jedes Mal, wenn besonnene Stimmen vor der gefährlichen Wirtschaftspolitik einer Marine Le Pen oder eines Jean-Luc Mélenchon warnen, kommt nun als Frage das Echo zurück: Hat uns ein Mittepolitiker wie Macron tatsächlich zu belehren? Wer ehrlich ist, muss zugeben: Nein, hat er nicht.