In Überauchen schlagen Eltern Alarm: Steigende Buskosten könnten Familien belasten – und mehr Elterntaxis, Stau und Unsicherheit zur Folge haben. Ein Ringen um Lösungen.
Vor Beginn der öffentlichen Gemeinderatssitzung am Donnerstag plädierten Eltern der Schüler in Überauchen an den Gemeinderat und die Verwaltung, die vollständige finanzielle Unterstützung für den sicheren Bustransfer der Grundschüler nicht vollständig streichen zu lassen, da dies erhebliche Auswirkungen auf die Brigachtaler Familien in Überauchen habe.
Eine Mutter erklärte, der Kreistag habe beschlossen, die bisherige Unterstützung für sie ersatzlos zu streichen. Als einzige Alternative biete Move derzeit das Jugendticket an für 45 Euro pro Monat, das wären 540 Euro pro Jahr und Kind. Bei zwei Kindern würden pro Jahr bereits 1080 Euro an Kosten entstehen. Die Kinder aber würden das Ticket ausschließlich für den Schulweg innerhalb des Ortes nutzen.
Mögliche Alternativen seien das Einzelticket im Bärentarif für etwa 50 Cent pro Fahrt, das entspreche etwa 16 Euro pro Monat oder 192 Euro pro Jahr und Kind. Als Nachteil nannten die Eltern den hohen Aufwand für den Busfahrer und die Verzögerungen im Fahrplan, da jedes Kind einzeln zahle. Und, wie sich später im Diskussionsverlauf herausstellen sollte: Die Möglichkeit besteht gar nicht mehr.
Eltern-Taxis bedeuten Chaos
Dann doch das Eltern-Taxi? Was das bedeutet, war allen klar: ein erhöhtes Verkehrsaufkommen rund um die Schule, mehr Chaos und ein deutlich höheres Sicherheitsrisiko für die Kinder. Die Bitte der Eltern an die Gemeinde: ein Bären-Ticket für die Grundschüler von sechs bis zwölf Jahren für 16 Euro pro Monat oder ein Jahresticket für 192 Euro zu ermöglichen, wobei die Gemeinde lediglich die Koordination der Zahlung zwischen Eltern und Verkehrsverbund übernehmen müsse und ein klares Zeichen pro Familie setze.
Diese Lösung sei auch ökologisch sinnvoll und bedeute keine Leerfahrten und weniger Individualverkehr. „Bitte schaffen Sie eine Lösung für uns“, schlossen die Eltern.
Keine Frage des Willens
Bürgermeister Michael Schmitt antwortete, dass der Bärenbus im kommenden Jahr nicht mehr vorhanden sei, sodass die 50 Cent-Variante entfalle. Der Kreis habe die Entscheidung über die Kosten der Fahrten, so Schmitt. „Wenn Sie die Gemeinde meinen, dann nehmen wir das auf als Gemeinderat bezüglich einer finanziellen Beteiligung. Zuschüsse durch die Gemeinde seien nicht eine Frage des guten Willens, denn auch die Gemeinde habe finanziell zu kämpfen, fuhr er fort. Die Gemeinde lege jährlich noch einen hohen Betrag im Millionenhöhe für die Kinder drauf.
Eine Mutter ergänzte noch, dass vor über 40 Jahren versprochen wurde, dass Kinder in Überauchen kostenlos zur Schule fahren können, das sei nicht vergessen.
Schmitt dankte den Eltern dafür, dass sie so offen gesprochen haben.
Einsparpotenzial?
Josef Vogt, ehemaliger Gemeinderat meldete sich noch zu Wort und bemängelte, dass die Beratungen des Haushalts zusätzlich in eine Sitzung geklemmt würden und keinerlei Fragen seitens des Gemeinderats gestellt wurden – dabei steige doch beispielsweise die Pro-Kopf-Verschuldung um die Hälfte. Und vielleicht habe die Verwaltung einige Einsparmöglichkeiten bei den Personalkosten, so Vogt.
Von Schmitt gab es quasi prompt die Absage: „Im Verwaltungshaushalt stehen fünf komplette Kitas, wenn wir unseren Haushalt hier um zehn Prozent kürzen, müssen wir eine Kita schließen. Wir haben im Entwurf des Haushalts für 2025 schon viel gekürzt.“
„Heute gibt es noch einmal Änderungen im Haushalt, aber wir schaffen es nicht, die Kommunen auf ein positives Ergebnis zu bekommen“, erklärte er im Vergleich zu anderen Kommunen. „Wir sind bisher gut mit dem Geld umgegangen, wir sind die Erfüller der Aufgaben, die uns von oben auferlegt werden“, auch sehe er die Unterbringung der Flüchtlinge beim Bund und nicht bei der Gemeinde. Die Schülerbeförderung sei gewährleistet, aber eben nicht kostenfrei, schloss er.