Die Kinder steigen an der Spitalhöhe in den Bus ein. Foto: privat

Wie zuverlässig ist der Schulbusverkehr in Rottweil? Das fragt sich mancher Elternteil und wählt lieber die sichere Variante: das Eltern-Taxi.

Überfüllt, verspätet oder schon weg – wessen Kind mit dem Bus zur Schule und wieder nach Hause fährt, der braucht Nerven, muss abrufbereit sein oder plant die Fahrt als Eltern-Taxi gleich mit ein. So jedenfalls schildern Eltern und Großeltern ihre Erfahrungen mit der Rottweiler Schülerbeförderung – vor allem an die Maximilian-Kolbe- Schule (MKS) in Hausen.

 

Diese wird etwa von der sechsjährigen Enkelin eines Rottweilers besucht. Der 68-Jährige unterstützt seine Tochter, wenn diese morgens zur Arbeit muss und bringt die Enkelin zu Fuß zur etwa 20 Minuten entfernten Bushaltestelle Spitalhöhe, damit es das Mädchen pünktlich in den Unterricht schafft.

Ständig zu spät

Die Familie lebt im Wohngebiet am Krummen Weg. Die Bushaltestelle an der Auferstehung- Christi-Kirche liegt eigentlich geschickter. Das Geschwisterkind geht in den dortigen Kindergarten – die selbe Strecke.

Allerdings kommt der Bus, der dort um 7.27 Uhr losfahren soll, derart verspätet an der Kolbe-Schule an, dass der Unterricht bereits begonnen hat. Ankunftszeit laut Fahrplan der Linie 4 wäre 7.43 Uhr. Zudem sei an der Haltestelle nicht einmal erkenntlich, dass der Bus überhaupt an die MKS fährt.

„Das ist natürlich ärgerlich für alle“, sagt der Großvater. Die Spitalhöhe kommt als Alternative in Frage, liegt allerdings in entgegengesetzter Richtung. Das eine Kind an die Spitalhöhe, das andere Kind in den Kindergarten zu bringen, ist für die Mutter zeitlich eine Herausforderung – weshalb der Großvater einspringt. Der Bus, so berichtet er, fährt an der Spitalhöhe um 7.33 Uhr ab und kommt rechtzeitig zum Unterrichtsbeginn an der MKS an. Aber es gibt ein Problem.

Total überfüllt

Der Bus ist gnadenlos voll. „Da stehen 50 bis 60 Kinder an der Haltestelle, und der Bus ist schon voll, wenn er ankommt“, schildert der 68-Jährige.

Dass Kinder in solchen Situation Ängste entwickeln können, berichtet ein Vater, der sich ebenfalls an unsere Redaktion gewandt hat. Er erzählt, welche Anstrengungen er und seine Frau unternommen haben, um ihrem Sohn die Fahrt mit dem Bus an die MKS zu erleichtern.

Zu dem, was sich an der Haltestelle Spitalhöhe abspiele, sagt er: „Da machst du dir kein Bild.“ Die Erst- und Zweitklässler hätten keine Chance, sich gegen die Großen durchzusetzen, die in den Bus drängen. Im Bus würden die Kinder im Gang eingequetscht. An einen Sitzplatz sei nicht zu denken. Der Bus sei hoffnungslos überfüllt.

Grundschüler hat Angst

„Ich frage mich wirklich, ob das rechtlich alles so in Ordnung ist“, sagt er. Erstklässler, die in einem gerammelt vollen Bus stehend über die Kreisstraße düsen? Da reiche doch ein starkes Abbremsen, und so ein Kind fliege nach vorn.

Sein Sohn jedenfalls fahre nicht mehr mit dem Bus, sondern werde gefahren. „Da hat man auch wirklich keine Lust, seine Kinder mit dem Bus fahren zu lassen“, sagt er.

Dass es vielen Eltern so gehe, zeige die Verkehrssituation an der Schule – die sei prekär. „Da zeigt man dann mit dem Finger auf die Eltern-Taxis, anstatt für die nötige Infrastruktur zu sorgen, damit das funktioniert“, kritisiert er.

Waldorfschule betroffen

Doch nicht nur der Schulweg an die MKS ist mit Problemen behaftet. Auch an der Waldorfschule klagten Eltern zuletzt über den Busverkehr.

Andrea Schüder-Huber von der Waldorfschule hat sich seit Schulbeginn etliche Stunden mit diesem Thema befassen müssen. Zuletzt, weil sich mit der aktuellen Sperrung der B 462 für Schüler, die mit dem Bus aus Schramberg kommen, die tägliche Anfahrt zusätzlich erschwert hat. Sie sagt: Der innerstädtische Busverkehr an die Waldorfschule sei mit der Einführung des integralen Busplans nicht besser geworden. Allerdings: „Das Problem ist vielschichtig.“

Fehlt der politische Wille?

Zum einen sei das System anfällig. Es reiche aus, wenn zehn Leute am Kreisverkehr in der Heerstraße den Fußgängerüberweg benutzten, und schon gerate der Fahrplan ins Stocken. Auf der anderen Seite gebe es „die Zwangsjacke SBG und Deutsche Bahn“ und deren Anschlüsse. Und dann fehle es am übergeordneten politischen Willen, dass nicht nur mehr Busse fahren, sondern auch Wartehäuschen und Überdachungen an den Bushaltestellen bereitgestellt werden.

Als Schule habe man nur so darauf reagieren können, dass man die Unterrichtszeiten dem Fahrplan anpasst. „Der Stadtbus kooperiert sehr mit uns“, lobt Schüder-Huber – letztlich liege das Problem am Verkehr. Und der werde nicht weniger, wenn Eltern ihre Kinder in die Schule fahren müssten.

Eltern sind gefordert

Er habe die tägliche Fahrt nach Hausen mittlerweile fest in seine Alltag integriert, berichtet der Vater. Morgens und nachmittags – denn nach dem Hort um 16 Uhr gibt es von der MKS gar keinen Schulbus, der die Kinder nach Hause bringt.

„Es ist einfach schade, dass sich keiner dafür interessiert, was da passiert“, sagt der Großvater. Man mache es Kindern und Eltern wirklich schwer. Denn ohne einen funktionierenden und sicheren Schulbusverkehr müssten Eltern und Großeltern im Grunde stets auf Abruf sein. „Und das kann ja wohl nicht sein.“